Viel Arbeit, wenig Personal. Die Erzieher der Kita Löderburg stoßen so manches Mal an ihre Grenzen – sowohl physisch als auch psychisch. Um der täglichen Verantwortung und den hohen Anforderungen weiterhin gerecht werden zu können, haben die Betreuer-innen beschlossen, Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen. Die chinesische Bewegungskunst "Tai Chi Chuan" soll ihnen dabei helfen. Zehn Wochen lang begleiteten sie die "Tai Chi"-Trainerin Petra Gisa auf dem Weg zur inneren Mitte.

Löderburg. Ihre Arbeit ist kräftezehrend, der Lautstärkepegel permanent hoch und die Verantwortung, die Betreuer von Kindertagesstätten tragen, lastet oft schwer auf ihren Schultern.

Die Leiterin der Löderburger Kita "Zwergenland", Beate Koch, weiß: "Viele Kollegen können nach der Arbeit nicht mehr richtig abschalten." Vor- und Nachbereitungen werden abends in den eigenen vier Wände erledigt. Die Leiterin sagt: "Wenn nicht wir auf unsere Gesundheit aufpassen, macht es niemand."

Aus diesem Grund haben die Betreuerinnen ihr Wohlbefinden in die eigenen Hände genommen und eine "Tai Chi"- Trainerin gebucht. Seit nunmehr zehn Wochen kommt Petra Gisa extra aus Bernburg, um den Kita-Mitarbeiterinnen zu zeigen, wie sie mit dem so genannten "Tai Chi Chuan" – eine besondere Form der chinesischen Bewegungskunst – ihr inneres Gleichgewicht wieder finden.

Um die Bewegungsabläufe und Figuren des "Tai Chi Chuan" in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, arbeitet Petra Gisa vor allem mit sprachlichen Bildern: Peitsche, wischen, Händewaschen, Hackenhand, Zettel lesen. Über die ungewöhnlichen Bezeichnungen muss von den Kita-Mitarbeiterinnen schon lange keine mehr lachen. Sie nehmen die Übungen sehr ernst. Nur wenn Petra Gisa im Zuge der Erwärmung auffordert: "Wir schenken uns ein Lächeln." Nur dann heben sich die Mundwinkel für einen Moment.

<6>Innerhalb des "Thai Chi Chuan" ist es der sogenannte Thai Chi Yang-Stil in der 108er Folge, den die Kita-Mitarbeiterinnen lernen. Diese Form setzt sich aus 108 Figuren zusammen. Diese beherrschen sie zwar noch nicht in voller Gänze, aber sie sind auf dem besten Wege dahin.

Die Bewegungen dieses Stils erinnern an Figuren aus dem Kampfsport, in dem "Thai Chi" schließlich auch verwurzelt ist. Nur scheinen die Bewegungen wie in Zeitlupe. Sie sind weich, entspannt und fließend.

Das Besondere an dieser Form der Gesundheitsförderung ist die Verbindung von Meditation und ganzheitlichen Gesundheitsübungen.

Die Bewegungen des "Tai Chi" basieren auf dem Prinzip von Yin und Yang. Das Yin beinhaltet Bewegungen mit einem zurückweichenden Charakter. Die Arme sich nach unten und innen bewegend, während sich bei Yang-Bewegungen der Körper nach vorne schiebt und die Arme nach oben und außen gehoben werden. Abwechselnde Yin- und Yang-Bewegungen sollen die Lebensenergie, das Qi, stärken.

Die langsamen Bewegungsabfolgen fördern nicht nur die Beweglichkeit und Konzentration, sondern auch die Atmung und Entspannung. Die Rückenmuskulatur wird beim "Tai Chi Chuan" besonders gestärkt. Die Rückenhaltung ist bei jedem Bewegungsablauf aufrecht. Da die Knie fast immer leicht gebeugt sind, führt die gerade Haltung zu keiner Verspannung der Muskeln.

Genau dieses sei schon nach der ersten Übungsstunde zu spüren gewesen, erzählt Kita-Leiterin Beate Koch. Bei ihr mache es sich vor allem im Schulterbereich bemerkbar. "Ich bin nicht mehr so verspannt", sagt sie.

Es erzeuge ein ganz anderes Körpergefühl, findet Betreuerin Elke Hasse. Und Karin Tiedemann meint, es wirke sich überhaupt positiv auf die Körperhaltung aus. Vor allem aber gelinge es den Kita-Mitarbeiterinnen nun immer öfter, sich zu entspannen, stimmen sie überein.

   

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