Auf Vorschlag des Fraktionschefs der Unabhängigen Wählergemeinschaften, Hartmut Wiest, wird sich der Staßfurter Stadtrat am kommenden Donnerstag, dem 23. Dezember, um 18.30 Uhr im Mehrzwecksaal der Stadtwerke in einer Sondersitzung mit der vom Landkreis angekündigten Schließung des Krankenhauses Staßfurt beschäftigen.

Staßfurt. Die Ankündigung von Landrat Ulrich Gerstner (SPD), dass der Krankenhausbetrieb in Staßfurt aufgrund des Ärztemangels zum Jahresende komplett eingestellt werden soll, wollen die Mitglieder der Klinik-Arbeitsgruppe der Stadt unter Leitung von Oberbürgermeister René Zok (parteilos) nicht einfach so hinnehmen.

Dort erinnerte das Stadtoberhaupt den Kreischef an seine Versprechen vom März, den Klinikstandort Staßfurt auszulasten und vom Oktober die scheidenden Ärzte durch neue zu ersetzen.

Zok: "Um so dringender muss jetzt die Privatisierung vorangetrieben werden." Die Entscheidung dazu dürfe vom Kreistag aber nicht erst im Juni des kommenden Jahres gefällt werden, wie von Gerstner verkündet. In diesem Zusammenhang appellierte der Oberbürgermeister an die Kreistagsmitglieder, nicht lange zu zögern, sondern schnell eine Entscheidung zu fällen. Ziel der Staßfurter sei es, das beste für ihr Krankenhaus herauszuholen. Die vom Landrat nunmehr angestrebte Privatisierung der kompletten Klinik-Holding mit allen Häusern sei für Staßfurt nicht ohne Gefahren. "Man könnte auch darauf bestehen, dass unser Standort vom Landkreis freigegeben wird. Dann könnte man neue und eigene Konzepte entwickeln", sagte Zok.

Es gebe private Betreiber, die hätten Interesse daran, alle vier Krankenhäuser des Salzlandkreises zu übernehmen, sagte der Geschäftsführer des Sodawerkes, Ulrich Eichhorn, unter Hinweis auf sein Gespräch mit dem Chef einer großen Klinikkette. Bei solchen Unternehmen will der Oberbürgermeister demnächst für ein Engagement in Staßfurt gezielt und verstärkt werben, obwohl die Stadt keine Verfügungsgewalt über das örtliche Krankenhaus hat.

Eine Privatisierung sei nicht ohne Risiken. Sie biete jedoch eine realistische Chance den Klinikbetrieb in Staßfurt weiter zu führen, sagte der Landtagsabgeordnete Johann Hauser (FDP). Den Vorstoß von Wiest, mit Hilfe von Planungs- oder Enteignungsverfahren Zugriff auf das Krankenhaus in der Bodestraße zu bekommen, hält er für unrealistisch.

Hauser sparte nicht mit Kritik am Landrat und an den Verantwortlichen für die Kliniken. "Wir wurden über ein Jahr lang perfekt an der Nase herumgeführt. Für mich hat das System", sagte der Liberale.

"Wir wurden über ein Jahr lang perfekt an der Nase herumgeführt"

Der Stadtratsvorsitzende Dr. Walter Blauwitz (Die Linke), der im Aufsichtsrat der Salzland-Klinik-Holding mitarbeitet, sagte: "Ich bin schockiert." Er hätte nie gedacht, dass die Klinik-Geschäftsführer nicht in der Lage seien, das im März beschlossene Klinikkonzept umzusetzen. "Ich muss feststellen, dass ich mich geirrt habe", so Dr. Blauwitz, der den Geschäftsführungen und der Landkreisverwaltung eine sehr unqualifizierte Arbeit vorwarf. Deren Schuldzuweisungen an die Klinik-Arbeitsgruppe der Stadt Staßfurt, für den Patientenschwund in Ascherleben verantwortlich zu sein, seien völlig haltlos. "Das hatten auch die Wirtschaftsprüfer festgestellt", sagte Dr. Blauwitz.

"Die Strategie war von Anfang an klar", sagte HNO-Arzt und Stadtrat Harald Jahns. Die Ascherslebener freuen sich nun, dass sie noch eine neue Innere Station bekämen. "Die Privatisierung muss schneller gehen, denn die Unterhaltung des Gebäudes in Staßfurt frisst viel Geld", sagte Jahns.

Wie der scheidende Chefarzt des Staßfurter Krankenhauses, Dr. Martin Frost, informierte, werden seit Dienstag keine Patienten mehr in Staßfurt eingewiesen. Um das Haus räumen und das Inventar abtransportieren zu können, werden die verbliebenen Patienten auf die Station IV verlegt. Wer bis zum Jahresende noch da sei, werde dann auf die anderen Krankenhäuser im Salzlandkreis aufgeteilt.

Wie Dr. Frost erfuhr, sollen rund 92 der insgesamt noch verbliebenen 192 Staßfurter Mitarbeiter in die anderen Kliniken des Kreises versetzt werden.