Staßfurt l Überraschende Zahlen hat Andreas Beyer parat. Der WAZV-Geschäftsführer legt seine Rohrbruchstatistik auf den Tisch. "In diesem Jahr liegen wir bereits bei 50 Rohrbrüchen in unserem Wasserversorgungsgebiet. Der Jahresdurchschnitt steht etwa bei 100."

Das Problem von Havarien beschäftigt den kommunalen Versorger. Kein neues Problem. Es rührt vor allem aus den Bedingungen des Systems. "Wir haben rund 380 Kilometer Leitungen in unserem Verbandsgebiet." Ein Teil der Infrastruktur ist seit der Wende erneuert worden. Viele Leitungen, so der WAZV-Geschäftsführer, sind aber bereits bis zu 100 Jahren alt. Schon Andreas Beyers Vorgänger haben durch investive Maßnahmen in den jährlichen Wirtschaftsplänen hier entgegenzuwirken versucht. "Aber die Erneuerung ist kostenspielig, und wir müssen mit Partnern wie den Kommunen zusammenarbeiten, die auch investieren müssten." So gebe es Ersatz nur schrittweise.

Mit Messungen die Schadstellen finden

Das System bleibt an den alten Stellen anfällig. Was im Winter Frost und Eis bedingen, schafft der Sommer genauso. "Das System ist in Bewegung", sagt Andreas Beyer. Die Wärme sorge dafür, dass sich Rohre ausdehnen würden, der trockene Boden drücke auf die Stränge. "Alles Einflüsse, die zu Schäden führen könnten."

Kommt es zum Schaden, reagiert der Verband schnell. "Am einfachsten ist für uns, wenn der Bruch zu sehen ist, wenn es also eine Wasseraustrittsstelle gibt." Dann könnten die Techniker den Bereich sperren und schnell reparieren.

Eine Herausforderung sind die verdeckten Brüche. Besonders im trockenen Sommer. "Da findet man kaum Anzeichen dafür, dass irgendwo Wasser austreten könnte. Es versickert im Erdreich und ist einfach weg", sagt Andreas Beyer.

Im Verband sorgt man vor und will den Schadstellen auf die Schliche kommen. Der Geschäftsführer berichtet, dass das Rohrnetz turnusmäßig geprüft werden. Über ein Messverfahren will der WAZV Stellen finden, an denen das Wasser ausläuft. Dazu sucht man sich einen bestimmten Bereich aus und misst den Verbrauch in einer festgelegten, aber verbrauchsarmen Zeit. Andreas Beyer nennt ein Beispiel. "Wir schauen uns zum Beispiel den Verbrauch des Ortes Neundorf nachts in der Zeit von 0 bis 4 Uhr an. Wenn da Unmengen an Kubikmetern Wasser verbraucht werden, kann etwas nicht stimmen." Dann gehe an die Feinsuche mit Spezialtechnik. So würden Leitungen dann abgehorcht werden.

Wasserverbrauch ist zurückgegangen

Ein grundsätzlicher Faktor, der in diese Thematik spielt, ist Andreas Beyer zufolge der veränderte Trinkwasserverbauch.

Noch 1991 verbrauchten die Bundesbürger pro Tag im durchschnitt 143 Liter Trinkwasser zum Trinken, Duschen, Putzen, Kochen. In Sachsen-Anhalt steht man derzeit bei 90 Litern. Auch der industriell-gewerbliche Wasserverbrauch sei zurückgegangen. Es fließt also weniger Wasser in den Leitungen - beim Wasser und beim Abwasser.

Dass führt in doppelter Hinsicht zu Problemen. Denn zum einen ist die Infrastrukur für ein Mehr ausgebaut: Kanäle und Leitungen liegen, Wasserwerke und Kläranlagen sind für bestimmte Kapazitäten ausgebaut. Zum anderen fordert lange in den Leitungen stehendes Wasser zu Extraspülungen, um Rückstände und Substanzen zu entfernen, die zu Verunreinigungen oder Schäden an den Systemen führen würden." Viele Liter Trinkwasser müssen zusätzlich durch das Rohrnetz gepumpt werden, um die Leitungen störungsfrei zu halten", sagt der WAZV-Chef.

Die Verbraucher sind direkt betroffen, wenn es um die Preise geht. Nur ein Fünftel der Trink- und Abwasserkosten, so Andreas Beyer, spiegelten den tatsächlichen Wasserverbrauch wider. Die übrigen 80 Prozent seien Fixkosten - unabhängig vom individuellen Verbrauch des einzelnen - oder laufende Kosten für Leitungen, Anschlüsse, Armaturen, für Personalkosten und Aufwendungen der Aufbereitung in den Kläranlagen.

So sagt der Wasser- und Abwasserverbandschef - nicht nur als Geschäftsmann von Hause aus und nicht nur als Tipp für den Sommer: "Viel Wasser verbrauchen! Das hält die Leitungen frei und die Preise stabil!"