Teile des Bodegrundes sind mit Schadstoffen belastet.

Staßfurt l Die Landesanstalt für Altlastenfreistellung in Sachsen-Anhalt schiebt jetzt umfangreiche Untersuchungen an. Sie sollen Erkenntnisse über Vorkommen und Bewegung der Belastungen geben. Die Behörde will daraus auch ein Sanierungskonzept ableiten.

Staßfurts Industriegeschichte hinterlässt ein schweres Erbe für die Umwelt. Auch für die Bode. Denn die Ablagerungen sind besonders im Unterlauf des Flusses bis zur Mündung in die Saale mit Dioxinen und Furanen belastet. Das geht aus Untersuchungen hervor, die von der Landesanstalt für Altlastenuntersuchung in Sachsen-Anhalt (LAF) durchgeführt wurden.

Das Problem ist lange bekannt. So gab es bereits 2011 im Landtag Anfragen zur Sedimentsbelastung in der Bode. 2013 hat die Behörde eine Detailuntersuchung vorgenommen und dabei Schwerpunkte abgegrenzt, Schadstoffquellen identifiziert und Maßnahmen zur Reduzierung des Schadstoffdepots eingeleitet. Die Verunreinigungen stammen, so erste Vermutungen, aus ehemaligen Industrieanlagen in Staßfurt, die bereits vor 1945 zerstört oder abgerissen wurden.

Allerdings ist in der Salzstadt inzwischen viel passiert. Denn seit den 1990er Jahren wurden unter erheblichem Einsatz von Fördermitteln das Straßen- und Kanalnetz umfangreich ausgebaut, alte Industriegebiete saniert, Bodenaustausch auf öffentlichen Freiflächen vorgenommen.

Breiter Ansatz für aktuelle Untersuchungen

Hat das gereicht? Genauere Erkenntnisse darüber, was letztendlich zu den Belastungen führt, wolle man in diesem Jahr mit weiteren Erhebungen gewinnen, sagt Jürgen Stadelmann, Geschäftsführer der Landesanstalt. Denn: "Durch die bisherigen Untersuchungen konnten mögliche Einträge aus historischen oder aktuellen Quellen im Stadtgebiet von Staßfurt als primäre Eintragsorte noch nicht abschließend ausgeschlossen werden."

Die Betrachtungen jetzt sollen genaue Aussagen zu den Eintragsquellen und zum Gefährdungspotenzial der Bode-Sedimente bringen.

Das Maßnahmepaket der LAF ist sehr umfangreich, berichtet der Geschäftsführer. Die Prüfungen beziehen sich nicht mehr nur allein auf die Bode. Sie gehen interdisziplinär vor, nutzen historische Quellen und setzen auf Proben aus Wasser und Ablagerungen. "Wir recherchieren in den in Archiven verfügbaren Dokumenten zu Flächen mit Dioxin-relevanter Produktion und entsprechenden Altablagerungen.

Es gibt zudem Recherchen zu Eintrittswegen." Das betreffe Jürgen Stadelmann zufolge besonders die Kanalisation zwischen Verdachtsflächen und der Bode. Bodenproben von Verdachtsflächen sowie Schlamm- und Wasserproben aus den alten Kanälen sollen entnommen werden. Aus der Bode holt man Schwebstoffproben über einen mehrmonatigen Zeitraum. "Dafür werden spezielle Schwebstoffsammelkästen in den Fluss gesetzt", so der LAF-Chef. Schließlich untersucht sein Haus die Sedimentskörper im Gewässerbett, um ganz aktuell stärker oder weniger belastete Abschnitte zu erörtern.

Breiter Ansatz will alles einschließen

Ergebnisse der Analysen werden 2016 erwartet. Der breite Ansatz sei gerechtfertigt, meint Jürgen Stadelmann. "Nur durch genaue Kenntnis aller Eintragsquellen und Eintragspfade können nachhaltige Sanierungsempfehlungen gegeben werden." Geklärt werden müsse, wie die Stoffe in die Bode gelangen und wie mobil sie im Fluss sind. Auch dazu gibt es bereits Erhebungen, etwa durch den Landesbetrieb für Hochwasserschutz. Weil die meisten im Sediment gebundenen Dioxine bei früheren Untersuchungen in der Bode-Saale-Mündung gefunden wurden, besteht der Verdacht, dass besonders Hochwasser eine Verlagerung stromabwärts der Schadstoffe mit sich bringen.

Wie die Stoffe aus dem Bodeboden raus kommen, dazu kann sich Jürgen Stadelmann noch nicht äußern. Er will die Ergebnisse jetzt abwarten. "Nur sie geben dann die konkrete Ableitung von Sanierungsmaßnahmen vor."

Dass alles im wahrsten Wortsinn im Sande verläuft, davon ist nicht auszugehen. Denn das Land ist gefordert, die Flüsse in einem ordentlichen Zustand darzustellen. Das erfordert die sogenannte Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union.

In Staßfurt verfolgt man das Problem zudem genau. Landtagsabgeordnete Bianca Görke (Die Linke) weist in einer Stadtratssitzung auf die neuerlichen Untersuchungen an der Bode hin. Sie fordert die Stadtverwaltung auf, dem Rat regelmäßig über die Fortschritte zu berichten. "Ich werde mich auch selbst für eine umfassende Berichtersattung und für die Begleitung von Sanierungskonzepten einsetzen", sagt Bianca Görke

Keine Aussagen zu möglichen Gefährdungen

Dioxine, das weisen Experten aus, können zu schweren Erkrankungen wie zu Krebs führen. Allerdings will Jürgen Stadelmann keine Aussage zum Gefahrenpotenzial der Sedimentsbelastung treffen. "Mit Verweis auf die ausstehenden Untersuchungsergebnisse auch zum Gefährdungspotential der Bode-Sedimente können Aussagen hierzu im Moment nicht getroffen werden", sagt er auf Volksstimme-Nachfrage..