Die jüngste Sitzung der Klinik-Arbeitsgruppe der Stadt Staßfurt, die für den Erhalt des örtlichen Krankenhauses kämpft, ist von einem Eklat überschattet worden.

Staßfurt. Zu dieser Beratung hatte Oberbürgermeister René Zok auch die Pflegekräfte des Krankenhauses Staßfurt eingeladen. Sie hatten sich zuvor in einem offenen Brief darüber beklagt, dass die Aktivitäten der Arbeitsgruppe den Fortbestand des Klinikstandortes "hochgradig gefährden". Dazu sollte es im Sitzungszimmer des Rathauses eine Aussprache geben.

Doch als der Oberbürgermeister darauf verwies, dass es sich um eine öffentliche Beratung handele, an der auch ein Vertreter der Volksstimme teilnehme, machte Pflegedienstdirektorin Christel Ramdohr Hindenburg im Auftrag aller Pflegedienstmitarbeiter deutlich, dass sie und ihre Kollegen nur unter Ausschluss der Presse bereit seien, zu sprechen.

Da platzte dem Landtagsabgeordneten Johann Hauser der Kragen. "Wir haben Pressefreiheit. Da lasse ich mir von ihnen keinen Maulkorb umhängen", sagte der Liberale. Es sei sinnlos, für das Klinik-Personal einzutreten und für die Arbeitsplätze zu kämpfen, wenn solche Forderungen erhoben würden, fügte Hauser hinzu, packte seine Tasche und verließ den Raum.

Der Chef des Sozialausschusses des Stadtrates, Ralf-Peter Schmidt (Linke), sagte, man kritisiere ständig Landrat Ulrich Gerstner (SPD), dass alle Klinikentscheidungen hinter verschlossenen Türen besprochen oder beschlossen würden. Deshalb könne die Arbeitsgruppe der Stadt nicht das gleiche tun.

Als Kompromiss schlug der Kommunalpolitiker vor, dass sich jeweils drei Vertreter beider Seiten noch einmal zu einem Gespräch treffen. "Wir sollten die Tür nicht ganz zuschlagen", meinte Schmidt.

"Ich glaube, ich bin im falschen Film", wunderte sich die Vertreterin des Seniorenbeirates der Stadt, Brigitte Köplin, über das, was sie erlebt hat. "Das verschlägt einem die Sprache."

Auch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Christine Fischmann, schüttelte nur mit dem Kopf. Sie kann das Auftreten des Pflegepersonals nicht verstehen. "Wir machen uns doch für ihre Arbeitsplätze stark", sagte Fischmann.

Nachdem der Oberbürgermeister die Forderung von Christel Ramdohr Hindenburg erneut ablehnte, die Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortzusetzen, verließen die Pflegekräfte das Rathaus. "Die Hälfte von ihnen war eh nicht von Staßfurt, sondern von Aschersleben", sagte Staßfurts Chefarzt Dr. Martin Frost.

"Wenn wir nicht von Anfang an protestiert hätten, wäre das Krankenhaus schon lange zu. Der Totenschein war doch schon ausgestellt", sagte der stellvertretende CDU-Fraktionschef des Stadtrates, Heinz-Jürgen Czerwienski, der sich deshalb über den Brief der Pflegedienstkräfte ärgerte. Zok kündigte an, ihn zu beantworten und die Volksstimme um einen Abruck zu bitten.

Der Oberbürgermeister nutzte die Gelegenheit, um sich bei allen Arbeitsgruppen-Mitgliedern zu bedanken, die am Tag der Regionen, am 10. Oktober, auf dem Benneckschen Hof das Gespräch mit den Bürgern gesucht und dort die ersten 1420 Protestpostkarten der Bürger an den Kreistag angenommen hatten. "Das war eine gute Aktion", lobte Zok.

Wie er weiter mitteilte, hätten sich dort bei einer Befragung 418 von 600 Bürgern dafür ausgesprochen, für den Erhalt des Klinikstandortes noch einmal in Staßfurt auf die Straße zu gehen. Diesen Wunsch griff die Arbeitsgruppe auf und sprach sich dafür aus, im November noch einmal ein Bürgerforum im großen Saal des Salzlandcenters durchzuführen. Bereits im Mai hatte es ein solches Forum in Zusammenarbeit mit der Volksstimme gegeben, damals hatten 6000 Menschen für den Klinikerhalt demonstriert.

"Dort sollen in erster Linie die Bürger zu Wort kommen", sagte Zok. Auch Landrat Ulrich Gerstner und weitere Klinikverantwortlichen sollen eingeladen werden.

   

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