Staßfurt. Die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Brauereivilla der Gebrüder Niemann am Ende der Förderstedter Straße soll am Montag, dem 31. August, unter den Hammer kommen.

An diesem Tag werden ab 9 Uhr in mehreren Sitzungen im Amtsgericht in Aschersleben vier Anteile dieses 1895 erbauten und 1996 umfangreich modernisierten Gebäudekomplexes einschließlich Gaststätte, Büros mit Küchen und Wohneinheiten zwangsversteigert.

Das sollte bereits am 17. April des vergangenen Jahres erfolgen, wurde dann aber vom Gericht wieder zurückgezogen.

Der Wert des gesamten Objektes ist mit 450 000 Euro geschätzt worden. Wer es komplett ersteigern möchte, muss bis zum Tage der Zwangsversteigerung 45 000 Euro an die Landeskasse zahlen.

Bei diesem historische Gebäude handelt es sich um eine der wohl schönsten Villen der alten Salzstadt. An diesem Standort gründeten die Gebrüder August und Wilhelm Niemann im Jahr 1871 eine Brauerei. Das erste Bier floss zwei Jahre später. 1886 wurde eine eigene Mälzerei angeschlossen und schon bald bestand die Belegschaft der Brauerei aus 90 Mitarbeitern. Bis zu 20 000 Flaschen Bier wurden an der Wende des letzten Jahrhunderts ausgeliefert. Dazu kamen die Fasstransporte über Pferdefuhrwerke.

Bis 1913 war die Staßfurter Brauerei, die ihr Wasser aus Preußisch Börnecke bezog, im Besitz der Familie Niemann. Danach wurde das Unternehmen eine Aktiengesellschaft mit 120 Beschäftigten.

Die gute Qualität des edlen Gerstensafts sprach sich herum. Exportbiere waren gefragt in der gesamten Umgebung mit Niederlassungen in Magdeburg, Halle, Aschersleben, Hettstedt, Eisleben und Bernburg.

Zu DDR-Zeiten gehörte das Unternehmen dann zum Getränke-Kombinat Magdeburg. Das Niemann-Bier war bis zur Wende eine Legende. An diese Zeit erinnert heute nur noch die repräsentative Villa. Die Brauerei wurde Anfang der 1990er Jahre abgerissen.

Eine weitere Villa soll am 6. September einen neuen Besitzer bekommen. Das in der Güstener Straße in Staßfurt gelegene Gebäude, das laut Gericht einen überdurchschnittlich hohen Instandshaltungs- und Modernisierungsstau aufweist, stammt aus dem Jahr 1900 und gehört zu einer insgesamt 1137 Quadratmeter großen Industrie- und Gewerbefläche. Das gesamte Areal wird für 74 000 Euro angeboten. Das heißt, Interessenten, die das Objekt ersteigern wollen, müssen, um daran teilnehmen zu können, 7 400 Euro an die Landeskasse zahlen.