Beim Lödderitzer Deichneubau graben Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Halle nach den Spuren unserer Vorfahren. Zwischen Lödderitz und Breitenhagen deutet vieles daraufhin, dass hier im Mittelalter eine Turmhügelburg stand.

Lödderitz. l Die Archäologen wurden durch Luftbilder auf diesen Ort aufmerksam, die vor einigen Jahren gemacht wurden. Man erkennt kreisrunde und weitere, daran anschließende Strukturen, die auf Schutzgräben und Wälle schließen lassen.

"Auf den Fotos ist ein spitz-ovales Grabensystem erkennbar, das etwa 150 Meter lang ist", sagt die leitende Archäologin Dr. Dietlind Paddenberg. Direkt daran anschließend stieß man beim Abtragen des Oberbodens auf die Reste eines Gebäudes, dessen Fundamente gegenwärtig ausgegraben werden. Das Fundmaterial stammt aus dem späten 13. bis frühen 17. Jahrhundert. Es beweist die intensive Besiedlung eines Ortes, der nahe des Goldberger Sees, einem Nebenarm der Elbe, lag.

Der Zuchauer Historiker Dr. Jörn Weinert schließt auf Volksstimme-Anfrage nicht aus, dass es sich um "Golberg" handeln könnte, das unweit jenes Sees wüst wurde, der heute noch den ähnlich klingenden Namen trägt.

Die Archäologen identifizierten eine "Brandschicht", die auf ein jähes Ende des Hofes schließen lässt, der seitlich des Grabensystems lag. Die Schicht verbrannten Materials stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Diese Datierung lässt aufhorchen: In jener Zeit tobte der Dreißigjährige Krieg auch im Elbe-Saale-Winkel. 1630 lagerten kaiserlichen Truppen am Saalhorn. Sie wurden von dem schwedischen General Johan Banér zurück gedrängt, woraufhin seine Truppen die Saalemündung mit Schanzen befestigten. Nachweisbar sind Friedensverhandlungen bei Barby 1635, vor dessen Toren mehrere Regimenter lagerten. Für das Jahr 1644 sind weitere Truppenbewegungen entlang der Elbe im Bereich der Saalemündung dokumentiert.

Es ist möglich, dass im Zuge dieser kriegerischen Auseinandersetzungen auch die Gebäude der Turmhügelburg in Flammen aufgingen. Grabungsleiter Winfried Thoma: "Das Gebäude ist abgebrannt, als noch der gesamte Hausrat darin war. Die Bewohner hatten offensichtlich keine Zeit, ihre Sachen zu packen." Vermutlich spielten sich hier, am Goldberger See, vor 380 Jahren dramatische Szenen ab.

Die Fundstücke machen deutlich, dass an dieser Stelle nicht nur ein paar spartanische Hütten standen. Fensterglasstücke, Ofenkachelfragmente und sogar eine kleine Bronzeglocke sowie Schloss und Riegel lassen auf einen gewissen Wohlstand und Bedeutung des Hofes schließen. Gefunden wurden auch allerlei geschmiedete Bauelemente, wie Nägel.

Die Archäologen machen sich auch über die Anzahl der kleineren und größeren Gräben der Turmhügelburg Gedanken. So ist vorstellbar, dass der tiefste ein Schutzgraben war, die vielen kleineren der Entwässerung dienten. Da aber nur eine bestimmte Fläche für die Ausgrabungen freigegeben wurde, ist es schwer, endgültige Schlüsse zu ziehen.

Gefunden wurden unweit der Burg auch diagonal verlaufende Pflanzgruben. "In einer Messtischkarte aus dem 18. Jahrhundert ist hier eine Obstplantage eingezeichnet", weiß Dietlind Paddenberg. Was zeigt, dass der Obstanbau mittelalterliche Wurzeln haben kann und über Generationen fortgeführt wurde, obwohl an dieser Stelle lange schon keine Menschen mehr lebten.

Die Grabungen werden an dieser Stelle bis Dezember fortgeführt. Man darf gespannt sein, was der wüste Ort am Goldberger See noch alles preisgibt.

 

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