Beim Blick in die Spendenkasse erlebten Mitglieder vom Förderverein der Groß Börnecker Clemenskirche jüngst nach einem Konzert eine nicht zu fassende freudige Überraschung. 2000 Euro in bar lukten aus dem Topf.

Groß Börnecke/Hecklingen l Der Erhalt der Kirche St. Clemens in Groß Börnecke ist für die 87-jährige Ilse Irrgang reine Herzenssache. Wenn die Frau mit dem netten Lächeln von dem Gotteshaus erzählt, ist es, als sei der Raum früherer Tage direkt vor ihrem Auge. Immer wieder kommt sie ins Schwärmen. Berichtet davon, welche Wärme St. Clemens für sie versprüht, nach wie vor. Viele Erinnerungen und eine ganz besondere Geschichte lassen die Historie für die Groß Börneckerin lebendig werden.

Sie denkt zurück an ihre Kindheit. Als sie zwölf Jahre alt war, sei die Kirche das letzte Mal vor dem Krieg erneuert worden. Malerarbeiten liefen. "Junge Leute, Arbeiter halfen mit", weiß Ilse Irrgang noch ganz genau, wie sie mit ihrer ein Jahr älteren Freundin Carola fast täglich vorbei schaute. Warum das junge Mädchen, mit dem sie viel Zeit verbrachte, immer wieder in die Kirche wollte, wusste Ilse Irrgang zu dieser Zeit noch nicht. Erst nach dem Krieg sollte sich das Geheimnis lüften.

Die Kirche indes begeisterte sie auch ohne das Wissen um den Grund ihrer Freundin. Gern ging sie jeden Sonntag zum Kindergottesdienst. Sie erzählt und kommt dabei immer wieder auf die Schönheit der Kirche zu sprechen. "Die Decken - wunderbar. Das Taufbecken." Unendlich viel Begeisterung schwingt in den Worten der netten Dame mit. Sie weiß noch ganz genau, dass die Landwirte der Region den Erhalt der Kirche nicht selten unterstützten. Der eine spendete dies, der andere das. Aber die Zeit brachte Veränderung mit sich. Glocken mussten eingeschmolzen werden, eine neue kam wieder dazu. "Für meine Begriffe war es immer meine Kirche." Ilse Irrgang verbindet viel mit dem Gotteshaus. 1924 ist sie dort getauft, 1938 konfirmiert. 1946 heiratete sie in der Kirche.

Kurz vor der kirchlichen Trauung führte der Zufall Ilse Irrgang auf einen Weg, der ihr vieles zu verstehen gab, was sie früher als Kind nicht geahnt hatte. "Carola", sagt sie, wie sie den Namen ihrer Freundin rief. Auf dem Standesamt traf sie nach vielen Jahren wieder. An ihrer Seite ein Mann, an den sie sich ebenfalls erinnern konnte. "Der Malermeister von damals", nennt sie auch seinen Namen. "Da hat es klick gemacht." Schon damals vor dem Krieg in der Kirche sei der Funke zwischen den beiden übergesprungen. Über Jahre waren sie ein Paar. "Sie war in den Maler verliebt und ich habe nichts bemerkt", berichtet Ilse Irrgang schmunzelnd von dem Zeitpunkt, als die nicht geahnte Verbindung ans Licht kam. Es zu erzählen bereitet ihre viel Freude.

"Als uns vier 500 Euro Scheine nach dem Konzert in die Hände fielen, konnten wir es gar nicht fassen."

Auch anderen etwas Gutes zu tun, erfüllt die Groß Börneckerin mit Glück. Gern möchte sie anderen helfen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Sie spendet regelmäßig Geld für Kinder, die an Leukämie erkrankt sind, isst einen Pralinenkasten nie ohne die Gesellschaft anderer, die auch zugreifen sollen, und macht anderen, die sich in ihrem Umfeld nicht immer all das leisten können, worauf sie Lust haben, gern kleine Freuden.

Dem Förderverein der Kirche Sankt Clemens, der seit Jahren für den Erhalt des Gotteshauses kämpft, mit finanzieller Unterstützung zur Seite zu stehen, ist eine Geste, die Ilse Irrgang gleichfalls mit Überzeugung anging. "Als uns vier 500 Euro Scheine nach dem Konzert in die Hände fielen, konnten wir es gar nicht fassen", erinnert sich Fördervereinsmitglied Astrid Michelmann an die verdutzten Gesichter. "Wir waren baff."

Umso größer fiel kürzlich das persönlich mit einem Besuch überbrachte Dankeschön aus. Liane Kleiner und Astrid Michelmann gaben es im Namen aller Mitstreiter vom Verein um Chefin Sonja Mewald - die sich ebenfalls riesig freute - an die treue Kirchenseele weiter. Für Ilse Irrgang indes war die Spende ein Bedürfnis "Ich habe es von ganzem Herzen der Kirche gegeben." Dass das Geld in die dringend erforderliche Dachsanierung fließen soll, nahm die Spenderin mit Freude auf. So wie der Förderverein die Kirche, die nur zu bestimmten Anlässen ihre Pforten öffnet, wieder auf Vordermann gebracht hat, kommt bei ihr an. "Man merkt, dass viel gemacht wurde", lobt sie das Engagement und macht sich gleichfalls für den Erhalt der historischen Stätte stark.

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