Auf Friedhöfen verbreitet sich zunehmend eine Selbstbedienungsmenatlität. Deko, Vasen und Blumenschmuck werden hemmungslos von den Gräben gestohlen. Die Trauenden sind fassungslos. Tun können Betroffene dagegen fast nichts.

Staßfurt l Gabriela Worms kann kaum in Worte fassen, was sie jenen Menschen gegenüber empfindet, die skrupellos auf Friedhöfen auf Diebestour gehen. Abscheu sei ein Wort, was dem schon recht nahe kommt, sagt die Staßfurterin. "Die Leute haben scheinbar keinerlei Hemmschwelle mehr." Schon einen Tag nach der Beerdigung ihrer Mutter seien drei Engel von der Grabstelle gestohlen worden. Was das für die Trauernden bedeutet, bedarf keiner Beschreibung. Und auch in den vergangenen Wochen wurde wieder gestohlen. "Wir haben kürzlich Freitagvormittag ein Gesteck mit Engeln hingestellt und Freitagabend waren die Engel schon weg", berichtet sie.

Dass dies kein Einzelfall ist, bestätigt Ulrike Schulze. Die Inhaberin der Staßfurter Blumen-Bank, die nebst dem Friedhof in der Hohenerxlebener Straße gelegen ist, berichtet von einer Vielzahl derartiger Fälle. Gestohlen werde nicht nur Dekoratives, sondern vor allem auch Schnittblumen, ganze Sträuße und Gestecke, ja sogar vor einfachem Tannengrün machen die Diebe nicht Halt. Extrem sei es in der Zeit vor Totensonntag. Da werde alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Auf dem Friedhof in der Hecklinger Straße seien in diesem Jahr sogar zwei Grabstellen komplett abgeräumt worden, berichtet Ulrike Schulze. Die Floristin, die auch die Grabpflege in Auftrag nimmt, ist inzwischen sehr vorsichtig geworden. "Wir bestücken die Gräber erst an den Gedenk- oder Sterbetagen selbst", erzählt sie. Schließlich habe auch sie einen finanziellen Schaden, wenn die Blumen und Gestecke gestohlen werden, da sie diese selbstverständlich ersetzen müsse.

"Die Täter müssen doch ein unendlich schlechtes Gewissen haben."

Ulrike Schulze, Floristin

"Diebstähle auf dem Friedhof sind kein neues Phänomen", weiß Ulrike Schulze. Dennoch stelle sie fest, dass in letzter Zeit immer häufiger gestohlen wird. Verständnis hat sie dafür nicht. "Ich kann mich in die Täter nicht hineinversetzten", sagt sie. "Die müssen doch ein unendlich schlechtes Gewissen haben."

Doch was kann gegen Diebstahl auf Friedhöfen getan werden? Reicht es, an das Gewissen der Täter zu appellieren? Vermutlich nicht. Auch ein "sich auf die Lauer legen", wird keine Abhilfe schaffen. Lediglich erhöhte Aufmerksamkeit der Besucher könnte die Täter etwas abschrecken.

"Sollte es letztlich zu einem Diebstahl gekommen sein, ist es ratsam Anzeige bei der Polizei zu erstatten", sagt Katja Loichen-Kurth, Pressesprecherin der Polzei des Salzlandkreises. Getan haben dies in diesem Jahr lediglich sechs Personen, weiß sie. Zu angezeigten Diebstählen sei es in Westeregeln, Egeln, Neundorf und in Staßfurt (Hecklinger Straße) gekommen. "Die Dunkelziffer der Diebstähle ist jedoch um ein Vielfachen höher", weiß sie. Aufgeklärt werden konnte bisher keiner der Fälle.