In unserer Reihe "Geschichte zwischen Elbe und Fläming" stellten wir Ihnen gestern die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie vor. Im Interview, das Redakteur Daniel Wrüske mit Petra Grimm-Benne führte, geht es heute um die Arbeit des Fördervereins.

Volksstimme: Was gehört aktuell zu den Aufgaben des Fördervereins - wie steht es um die Finanzierung durch Land, Kreis und Stadt? Die Finanzlage abzusichern, ist eine der Hauptaufgaben des Vereins.

Petra Grimm-Benne: Der Vertrag mit dem Land und dem Landkreis läuft bis zum 31. Dezember 2012. Insoweit haben wir bis zum Ende des kommenden Jahres Planungssicherheit. Unsere Aufgabe besteht zurzeit darin, einen neuen Vertrag ab 1. Januar 2013 für die kommenden Jahre zu schließen, der die Zukunft des Orchesters weiter gewährleistet. In diesem Zusammenhang bin ich sehr dankbar dafür, dass diese Sicherung im Kreistag über Parteigrenzen hinweg möglich war.

Mit meinem Stellvertreter im Förderverein werde ich mich für eine finanzielle Absicherung im Landeshaushalt einsetzen. Eine große Herausforderung stellt immer noch die Anpassung des Haustarifs an die übrige tarifliche Entwicklung dar. Hierbei bleiben auch die Ergebnisse des Kulturkonvents abzuwarten.

Im Hinblick auf die finanzielle Beteiligung der Stadt Schönebeck wünschen wir uns seit Langem, dass die Stadt ihr Engagement durch einen Eintritt als Gesellschafter bekräftigt. Dessen ungeachtet sind wir der Stadt für ihren Einsatz dankbar, zumal sie die einzige Kommune ist, die sich über die Kreisumlage hinaus am Fortbestand des Orchesters finanziell beteiligt.

Volksstimme: Sich nur auf die öffentliche Hand zu verlassen, reicht aber in Zeiten knapper Etats nicht mehr aus?

Petra Grimm-Benne: Zweifellos ist es unsere weitere Aufgabe als Förderverein, finanzielle Mittel Dritter zu akquirieren. Wir sind stolz auf unsere langjährigen Sponsoren wie zum Beispiel die Salzlandsparkasse, die Stadtwerke Schönebeck, Erdgas Mittelsachsen oder die Lackiererei Lorenz. Unsere Bestrebungen gehen dahin, weitere Unternehmen insbesondere aus den Regionen Aschersleben/Staßfurt und Bernburg zu gewinnen.

Volksstimme: Ist das Vereinsarbeit, wie sie sich die Gründungsmitglieder vorgestellt haben? Was waren die Anlässe, so eine Gruppe entstehen zu lassen?

Petra Grimm-Benne: Der Förderverein wurde im Januar 1994 unter dem Motto: "Ein Orchester braucht Freunde" ins Leben gerufen. Damals befand sich die Kulturlandschaft in Ostdeutschland, wie im Übrigen heute auch wieder, in einem tiefen Umbruch. Uns wurde schnell klar, dass unser Kreisorchester allein mit kommunalen Mitteln und ohne festes Haus keine Überlebenschance besaß.

Zusammen mit dem Orchestervorstand, der Orchestervereinigung sowie der Kreisverwaltung habe ich als damalige Leiterin des Rechtsamtes einen Gesellschaftervertrag entwickelt, der die Übernahme aller Orchestermitglieder in eine gemeinnützige GmbH vorsah. So konnten betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden und sich das Orchester wirtschaftlich attraktiver darstellen. An dieser Stelle darf nicht unerwähnt bleiben, dass alle Musikerinnen und Musiker durch den Abschluss eines Haustarifvertrages bis heute auf einen nicht unwesentlichen Teil ihres monatlichen Gehalts verzichten. Dieser Zusammenhalt aller Beteiligten ist ein wesentlicher Teil des Erfolges der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie.

Volksstimme: Wer hat sich dafür engagiert?

Petra Grimm-Benne: Die Initiative zur Gründung eines Fördervereins ging von verschiedenen Personen aus. Ihnen allen lag der Fortbestand des Orchesters besonders am Herzen und sie suchten nach Wegen, um diesen Fortbestand in der neuen Rechtsform für die Zukunft zu sichern. Besonders erwähnen möchte ich den damaligen Landrat Klaus Jeziorsky, Dorothea von Pock, auf Seiten des Orchesters den damaligen Dirigenten Rolf Stadler, vom Orchestervorstand Susanne Visontay und Olaf Bartels sowie Thilo Hinkfoth, der auch als erster Geschäftsführer tätig wurde. Alles dies hätte jedoch keinen Erfolg gehabt, wären nicht die treuen Orchesterbesucher gewesen, die auch Gründungsmitglieder des Fördervereins wurden, wie die leider inzwischen verstorbenen Mitglieder Marga Witte, Karl Böttcher oder Franz Krohn.

Der erste Vorstand wurde von mir als Vorsitzende sowie den zwei Stellvertretern Franz Krohn und dem damaligen Sparkassendirektor Herbert Melcher gebildet. Der jetzige Vorstand besteht aus mir als Vorsitzende, die beiden Stellvertreter sind Landtagsabgeordneter Jürgen Weigelt und Dorothea von Pock.

Volksstimme: Wo sehen Sie die Arbeitschwerpunkte? Gibt es konkrete Maßnahmen?

Petra Grimm-Benne: Wenn man die wirtschaftliche Entwicklung vor dem Hintergrund der Umwandlung des Orchesters in eine gemeinnützige GmbH betrachtet, besteht die Hauptaufgabe des Fördervereins von Beginn an in seiner finanziellen Unterstützung.

Neben zahlreichen kleineren Projekten hat der Förderverein wesentlichen Anteil an der Beschaffung von Orchestergestühl für den Dr.-Tolberg-Saal, von Konzertpauken und zuletzt, gemeinsam mit dem Lions Club Schönebeck-Bad Salzelmen, an dem Kauf eines Konzertflügels.

Darüber hinaus hat der Förderverein mehrfach die finanzielle Basis für die Durchführung von Schüler- und Familienkonzerten geschaffen. Neben der Unterstützung bei der organisatorischen Vorbereitung und Durchführung des Schönebecker Operettensommers ist das alljährlich stattfindende Musikfest "Klänge im Raum" ein wichtiges Aufgabengebiet des Fördervereins. "Klänge im Raum" wird im Jahr 2013 sein Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen begehen können. Hier ist besonders die jetzige zweite stellvertetende Vorsitzende Dorothea von Pock von Beginn an mit großem Engagement tätig.

Volksstimme: Wie ist die Mitgliederentwicklung im Verein?

Petra Grimm-Benne: Der Förderverein hatte im Laufe seines bisherigen Bestandes zwischen 30 und 50 Mitglieder. Gegenwärtig haben wir 34 Mitglieder.

Volksstimme: Muss man Musik im Blut haben, um dabei sein zu können?

Petra Grimm-Benne: Ein eindeutiges Nein. Nach unserem Motto: "Ein Orchester braucht Freunde" kann bei uns jeder mitmachen, der zum Erhalt des Orchesters beitragen möchte. Allen Mitgliedern ist gemein, dass sie davon überzeugt sind, dass der Verlust unseres Orchesters unserer Kulturlandschaft einen unersetzbaren Schaden zufügen würde.

Volksstimme: Wo sehen Sie die Zukunft der Vereins - was wünschen Sie sich?

Petra Grimm-Benne: Wir sind stolz auf das Erreichte, hoffen, dass wir der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie mit unserem Engagement geholfen haben und wünschen uns noch Vereinsmitglieder hinzu, insbesondere aus den anderen Regionen des Salzlandkreises, die unser Anliegen mit neuen Ideen unterstützen.