Das alte Rückhaltebecken des Cochstedter Tannenwäldchens im Hopfengrund ist auf Anlass der Stadtverwaltung neu ausgeschachtet worden. Damit soll der Ort besser vor Schlammwellen geschützt werden, die bei übermäßigem Regen vorprogrammiert sind.

Cochstedt l Erst im August 2011 war der Platz hinter der Goldbachbrücke am Weißen Tor in Coch- stedt zwei Mal hintereinander mit Schlamm überflutet worden, so dass die Stadtarbeiter die weiche Erde bergeweise wegräumen mussten. Da der Ort Cochstedt tiefer liegt als das südliche Umland, strömt Regenwasser und der aufgespülte Schlamm von den umliegenden, höher gelegenen Äckern in den Ort, sobald es ein großes Unwetter gibt. In Cochstedt wird noch heute von starken Gewittern gesprochen, die in der Vergangenheit auftraten: Wassermassen mit Schlamm und Unrat strömten einen halben Meter hoch die Friedensstraße entlang bis zur Goldbachbrücke, manchmal sogar bis zum Goetheplatz, wo sich der Schlamm dann ablagerte.

Vor wenigen Wochen ist das seit DDR-Zeiten vorhandene Rückhaltebecken durch eine Firma im Auftrag der Stadtverwaltung Hecklingen ausgeschachtet worden, bestätigt Bauamtsleiterin Sigrid Bleile. Wenn sich der Lehmboden von den Feldern nun bei Regen lösen sollte, soll zumindest der Schlamm in dem Becken gehalten werden. "Der Regen ist sowieso nicht aufzuhalten", sagt der Cochstedter Ortsbürgermeister Ulrich Dubiel, "es geht um den Schlamm." Das Regenwasser werde so oder so in den Ort herabfließen.

Der Grund: Die Äcker in Richtung Flugplatz liegen bis zu 180 Meter über dem Meeresspiegel, das angrenzende Naturschutzgebiet des Hakel bis zu 200 Meter über Normalnull (NN), während sich das Tannenwäldchen, laut Flurkarte "der Hopfengrund", unterhalb des "Nesseltales" in etwa 120 Metern Höhe befindet und der Ort selbst sogar nur noch auf rund 100 Metern über NN liegt.

Daher habe sich das Flussbett im Laufe der Zeit durch das immer wieder fließende Regenwasser von selbst gebildet, sagt Ulrich Dubiel. Eine zweite Senke, "der heiße Grund" oberhalb des ehemaligen Schwimmbades, führt ebenfalls Wasser und Unrat von den höher gelegenen Ackerflächen ab. Dort hat die Stadtverwaltung bereits vor zwei Jahren junge Bäume angepflanzt, um auch die hier ankommenden Schlammmassen aufzuhalten.

Die Rückhaltebecken am Tannenwäldchen im Hopfengrund sind allerdings Ergebnis eines Meliorationsprojektes (Vereinfachung der Bewirtschaftung des Landes) in den 1970er Jahren. Das jetzt ausgeschachtete Becken ist der höchste Punkt eines normalerweise trockenen Flussbettes, das unten in der Friedensstraße endet und das mehrere Becken durch quer gebaute Betonplatten vorsieht. Sie sollen die Schlammmassen aufnehmen. Laut Ulrich Dubiel reicht dies aber nicht aus, denn "wenn die Wassermassen so groß sind, dass die Gullys nicht alles aufnehmen können, fließen das Wasser und der enthaltene Schlamm die Straße entlang."

Einziges Problem bei der jetzt durchgeführten Maßnahme am Rückhaltebecken ist, dass die ausgeschachtete Erde derzeit immer noch neben dem Becken liegt und bei Regen direkt wieder hinein fließen würde.

Ein weiterer wichtiger Schritt, Cochstedt noch eingehender bei Regengüssen zu schützen, wäre das Anpflanzen von Buschreihen in der Nesseltalsenke vor den Rückhaltebecken, schlägt Ulrich Dubiel vor. Diese sollen den Schlamm im Falle eines Unwetters aufhalten. Solche Buschreihen haben bereits vor den Meliorationsmaßnahmen an anderen Stellen im Nesseltal gestanden, seien aber für die einfachere Bewirtschaftung des Landes entfernt worden, sagt Dubiel. Er hat diese althergebrachte Idee bereits an den Ortschaftsrat und an die Verwaltung herangetragen. "Das ist ein Projekt, das wir baldmöglichst in Angriff nehmen müssen, um den Ort in Zukunft nachhaltig vor Schlammmassen bei Unwettern zu schützen", sagt der Ortsbürgermeister.

 

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