Besonderen Anlass zum Feiern hat es am Sonnabend in Kleinmühlingen gegeben. Denn fast auf den Tag genau jährte sich zum 60. Mal, dass eine Friedensfahrt über deutschen Boden führte. Horst Schäfer vom örtlichen Museum hatte deshalb Radsportlegenden in den Bördelandort geholt.

Von Olaf Koch

Kleinmühlingen l Das war besser als Weihnachten und Ostern an einem Tag. Und Horst Schäfer konnte von seinen "Geschenken" gar nicht genug bekommen. Der umtriebige Leiter des Radsportmuseums "Course de la Paix" hatte am Sonnabend sechs Legenden der einstigen Friedensfahrt ins beschauliche Kleinmühlingen (Gemeinde Bördeland) eingeladen: aus Deutschland, den Niederlanden, Libanon und der Tschechei. Der Anlass war ein besonderer: Fast auf den Tag genau jährte sich zum 60. Mal, dass eine Friedensfahrt erstmals über deutschen Boden führte.

"Die Friedensfahrt lebt mit den Menschen."

"Wenn es nach mir ginge, dann sollte das erste Maiwochenende im Jahr ein fester Tag im Radsportkalender unseres Museums werden", so Horst Schäfer.

So stand der Museumsleiter zwischen Legenden wie Frits Schuer (Niederlande, 1974 und 1976 zweimaliger Teilnehmer der Friedensfahrt), Tarek Aboul Zahab (Libanon, 1962 bis 1964 mehrmaliger Teilnehmer), Pavel Dolezal (CSSR, von 1963 bis 1968 sechsmal dabei), Jan Smolik (CSSR, von 1963 bis 1970 fünfmal dabei und 1964 Sieger der Friedensfahrt), Theo Smit (Niederlande, 1974 Teilnehmer der Friedensfahrt) sowie Gustav-Adolf Schur (DDR, zwölfmal dabei und Sieger der Friedensfahrt 1955 und 1959). Legenden, die auch bei den vielen Zuschauern sehr begehrt waren.

So blitzten die Kameras, und auf vorbereiteten Autogrammkarten wurden Unterschriften gesammelt. "Die Friedensfahrt lebt mit den Menschen, die sich an der Straße bewegten, und mit denen, die früher einmal mitgefahren sind", freute sich "Täve" Schur im Interview. Für die einstigen Sportler sind die Erinnerungen heute noch lebendig. So unter anderem für den Tschechen Theo Smit: "Die schönste Impression war, wenn du ins Stadion eingefahren bist und 30000 bis 40000 Leute zugejubelt haben. Dieses Gefühl vergisst du nie wieder."

Smit und seine Radrennfahrerkollegen waren nicht mit leeren Händen - in diesem Fall Taschen - gekommen. Sie überraschten Horst Schäfer mit wertvollen Geschenken der Friedensfahrt, die die Fahrer und Mannschaften damals errungen haben. "Ich bin mir nicht sicher, ob meine Kinder wissen, wie wertvoll mir diese Dinge sind", erklärte Theo Smit, warum er seinen Wohnzimmerschrank ausgeräumt hatte.

"Schönste Impression bei Stadioneinfahrt"

Und nicht nur er, auch die anderen Fahrer brachten Trophäen und Trikots von einst mit. Horst Schäfer, der nie eine Friedensfahrt aktiv gefahren ist, hat damit mehr Pokale in der Vitrine als mancher Radrennsportler.

Über den herzlichen Empfang am Radsportmuseum in Kleinmühlingen in Deutschland freute sich vor allem der Libanese Tarek Aboul Zahab. Der heute 73-Jährige lebt in Beirut und würde, wenn er könnte, gern nochmals eine Etappe mitfahren. "Ich bin trotzdem gut trainiert. Im Jahre fahre ich rund 6000 Kilometer mit dem Rad", berichtete er der Volksstimme.

Er fuhr viermal bei der Friedensfahrt mit, die für Zahab eine große Bedeutung hat. Die Tour damals sollte friedensstiftend sein, die weiße Taube war das Symbol. "Das Gleiche wünsche ich mir auch für Libanon, Israel und den ganzen Nahen Osten", so Tarek Aboul Zahab. Der Sport kann politische Schranken durchbrechen. So hat der Libanese einen besonderen Wunsch: "Schön wäre eine Friedensfahrt zwischen Beirut und Tel Aviv."

 

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