Seit einem Jahr läuft das Projekt "Zusätzliche Betreuungsangebote". Hier kooperieren das Berufliche Bildungs- und Kommunikationszentrum (BBRZ) und die Stadt Staßfurt. Ziel ist, dass Schüler Berufswelten in Grundzügen kennenlernen und sich probieren können, welche Arbeit perspektivisch zu ihnen passt.

Staßfurt. Geschäftiges Treiben gestern Morgen im Motivations- und Orientierungszentrum (MOZ) des BBRZ: Die sechsten Klassen des Staßfurter Dr.-Frank-Gymnasiums sind im Rahmen ihres Technikunterrichtes da. In einer Gruppe kommen sie Farben auf die Spur, in einer anderen werden Holzwerkstücke hergestellt. Ein dritter Bereich beschäftigt sich mit dem Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft. Die Schüler können sich überall ausprobieren und bekommen schnell ein Gefühl dafür, was ihnen liegt oder nicht. "Genau das ist das Anliegen des ¿Zusätzlichen Betreuungsangebotes‘", sagt Staßfurts Oberbürgermeister René Zok, der gestern mit Wirtschaftsförderer Christian Schüler und den BBRZ-Geschäftsführern Klaus-Dieter Graul und Alfred Radl den Kindern über die Schultern schaute. Das Angebot solle, so der Stadtchef, die theoretische Ausbildung in der Schule mit praktischen Angeboten begleiten. Alles ist auf die Region Staßfurt und ihr Wirtschaftsprofil ausgerichtet.

Ihren Ursprung hat die Aktion, die derzeit von rund 200 Schülern wöchentlich wahrgenommen wird, vor einem Jahr. Die vom OB ins Leben gerufenen Wirtschaftsstammtische hatten damals als ein Ergebnis, dass Firmen laut über den Fachkräftemangel nachdachten und beklagten, dass zu wenig qualifizierte junge Menschen in der Region bleiben würden. Die Schulen betonten dagegen die theoretische Ausbildung mit Ausbildungsreife. "Beide sollten an einen Tisch gebracht werden", so René Zok. Das Projekt "Zusätzliche Betreuungsangebote" war geboren. Drei Anleiter für die Bereiche Farbtechnik, Holztechnik, Ernährung/Hauswirt- schaft sind über Kommunalkombi, ein Qualifizierungsmodell der Agentur für Arbeit, für drei Jahre angestellt.

Gute Einschätzung nach einem Jahr

Die Stadt hat diese Beschäftigung in Zusammenarbeit mit der GSI Hohenerxleben auf die Beine gestellt und finanziert den kommunalen Anteil. Die Arbeitsagentur übernimmt einen weiteren Teil der Lohnkosten. Leistungsstarker Partner ist das BBRZ. Es stellt im MOZ Räume und Material zur Verfügung.

Seit zwölf Monaten kommen die Mädchen und Jungen der sechsten Klassen aus dem Gymnasium, der Pestalozzi-Schule, der Sekundarschule Hermann Kasten und der Schule Leben Lernen in Schneidlingen sowie aus dem Teenie-Treff in Staßfurt Nord regelmäßig. "Nach einem Jahr lässt sich sagen, dass die Schüler hier vielfältige praktische Einblicke in die Grundzüge des Berufsleben erhalten und dabei von motivierten Anleitern betreut und begleitet werden", konstatiert Oberbürgermeister René Zok und spricht davon, dass sich die Aktion bewährt habe.

Ausruhen wolle man sich dennoch nicht, Erweiterungen sind möglich. So erklärt der OB, dass man noch einmal gezielt Schulen ansprechen wolle, dass Angebot noch stärker wahrzunehmen. "Die Stadt Staßfurt investiert hier Geld, deshalb sollten die Bildungseinrichtungen mitziehen." Dabei sollten auch Gespräche mit dem Landkreis geführt werden, in dessen Trägerschaft sich die Sekundarschulen und Gymnasien hauptsächlich befinden. Zudem müssten Wirtschaftsunternehmen für das "Zusätzliche Betreuungsangebot" begeistert werden: Möglicherweise für die Finanzierung einer weiteren Kommunalkombi-Stelle im Metallbereich, denn die technischen und räumlichen Voraussetzungen biete das BBRZ-MOZ, so der Stadtchef.

Umfassende Begleitung

Denkbar wären aber auch "Patenschaften" für Schüler, sagt BBRZ-Chef Alfred Radl. Er will sich verstärkt dafür einsetzen, dass der Berufswahlpass flächendeckend in der Region eingeführt wird. Dieser Pass fasst für junge Menschen den beruflichen Werdegang zusammen – von der Berufsorientierung bis hin zum Ausbildungsplatz mit allen Praktika und Zertifikaten. Alfred Radl ist überzeugt, dass diese Dokumention Konstanz in die Entwicklung junger Menschen hin zur Arbeitswelt bringen könne und Firmen daran von Jugendlichen erlangte Qualifizierungen erkennen würden.

Das BBRZ starte deshalb im kommenden Jahr ein Projekt "Frühzeitige Bindung" in der Region. Jungen Menschen, so der BBRZ-Geschäftsführer, könne so umfangreiche Begleitung beim Einstieg ins Berufsleben gegeben werden: vom "Zusätzlichen Betreuungsangebot" über praktische Arbeitsgruppen bis zur "Frühzeitigen Bindung" und dem Berufswahlpass.