"Speicherplatz – Arbeiten in Bild und Ton" heißt die Ausstellung, die am morgigen Sonntag um 15 Uhr im Altmärkischen Museum eröffnet wird. Rainer Döring (49), Kunstlehrer am Hildebrand-Gymnasium, stellt erstmals in einer eigenen Schau seine Werke aus. Nora Knappe sprach mit ihm über das Wesen von Kunst und Dörings Inspirationsquellen.

Volksstimme: "Arbeiten in Bild und Ton" – was erwartet die Besucher: welche Art von Bildern und was den Ton betrifft: geformter Lehm oder Musik?

Rainer Döring: Es war das Wort-Spiel, was mich reizte: zu sehen sind hauptsächlich Zeichnungen, Radierungen (also Druckgrafik) und Tonarbeiten der letzten drei Jahre. Die Musik überlasse ich zur Eröffnung gerne den Profis.

Volksstimme: Welches der ausgestellten Werke liegt Ihnen besonders am Herzen?

Döring: Das sind viele … Es sind ja alles "meine Kinder", mit denen sich die eine oder andere Geschichte verbindet.

Volksstimme: Mal etwas despektierlich gefragt: Ab wann ist Farbe auf Papier oder ein gebogener Draht Kunst?

Döring: Von dem Moment an, wo ein Betrachter nach dem Geheimnis dahinter sucht. Oder anders gesagt: In einer Radierung habe ich Degas zitiert, der meint: "Wer mir sagen kann, wann Kunst schön ist, dem spendiere ich eine Flasche!"

"Hinschauen und auf sich hören"

Volksstimme: Muss man Kunst erklären (können)?

Döring: Nein. Man sollte einfach nur hinschauen, auf sich hören und Lust am Entdecken haben. Das kann man lernen, zum Beispiel in der Schule. Gute Galerieführer geben mittlerweile keine Erklärungen mehr ab, sondern liefern nur vielfältige Anregungen zum Weiterdenken.

Volksstimme: Was war Ihr erstes Werk, das Sie selbst als Kunst betrachtet haben?

Döring: Natürlich meine mit West-Filzstiften sauber abgemalten Disney-Figuren aus den von Oma mitgebrachten Nutella-Gläsern!

Volksstimme: Wer ist Ihr Künstler-Vorbild?

Döring: Das Vorbild schlechthin gibt es für mich nicht. Meist sind es diejenigen, die mit wenigen Mitteln viel sagen können. Das sind bei mir eher lyrisch-konzeptionelle Arbeiten. Wenn‘s ein paar Namen sein sollen: Serra, Kirkeby, Uecker, Malewitsch, Kerstin Abraham.

Volksstimme: Haben Sie Schüler schon mit Ihrer Art Kunst angesteckt?

Döring: Schule und Selbstgemachtes sind schon zwei Paar Schuhe. Meine Arbeiten zeige ich dort selten. Natürlich kann ich mein Herangehen an Themen nicht verleugnen. Das ist ähnlich. Der Rest wäre jetzt wohl Eigenlob. Nö, lieber nicht.

Volksstimme: Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Döring: Vom Reklameschriftzug über einem Geschäft und von Grabungszeichnungen antiker Städte, von ägyptischen Eingeweidekästen im British Museum in London und von dem Riesen-Speicher am Tangermünder Hafen, vom Blatt Papier auf der Straße und von den gedämpften Geräuschen im Winter (wie in den letzten Tagen) und natürlich immer wieder von Kunst, die Lust aufs Weitermachen macht.

Volksstimme: Welches Kunstwerk hat Sie am meisten beeindruckt?

Döring: Das gibt es nicht.

Volksstimme: Gibt es ein Kunstwerk, das Ihnen noch heute Rätsel aufgibt?

Döring: Ganz viele. Siehe oben!