Als polizeilicher Aufbauhelfer ging der thüringer Oberkriminalkommissar Thomas Göpfert nach Afghanistan. Über sein Leben in dem Land und seine Arbeit vor Ort sprach er am Montagabend im Kapitelsaal des Doms.

Stendal. Überall ist Staub. Eine trockene Hitze, Temperaturen von 37 Grad erschweren das Atmen. Auf einer Straße, kaum als solche zu erkennen, tummeln sich die Menschen, Eselsgespanne ziehen bunte Waren, Autos versuchen sich durch das Gedränge zu arbeiten. Das ist Kabul, die afghanische Hauptstadt im Jahre 1389, während in Europa der Kalender das Jahr 2009 zeigt. Für Thomas Göpfert aus Thüringen sind das die ersten Erfahrungen die er mit der Stadt macht, nicht nur dass er sich an einen anderen Kalender gewöhnen musste, "es herrschen dort Bedingungen wie im Mittelalter", erklärt er.

Thomas Göpfert hatte es freiwillig aus dem thüringischen Meiningen nach Afghanistan verschlagen. Er wollte helfen, in dem krisenerschütterte Land, einen funktionierenden Polizeisektor aufzubauen. Von dieser "Mission Impossible – unmöglichen Mission", wie er es selbst nennt, berichtete der Polizist und Fachlehrer im Kapitelsaal des Doms.

Schnell merkte er, deutsche Pünktlichkeit und Genauigkeit spielen in Kabul keine Rolle. "Wir mussten ganz bei Null anfangen", sagte er. Korruption spiele eine wichtige Rolle. "Niemand macht dort etwas ohne Profit." Gleichzeitig ist der Islam allgegenwärtig. "Der Islam ist dort nicht nur eine Religion. Er ist das Leben." Zudem sei die afghanische Gesellschaft ein "Flickenteppich." So könne nicht ein afghanisches Volk bestimmt werden, vielmehr leben dort verschiedene Völkergruppen und Ethnien. Göpfert bildete, gemeinsam mit seinen Kollegen, Afghanen zu Polizisten aus. Er lehrte ihnen die Arbeit mit dem Gewehr und den Umgang mit Menschen. "Afghanistan ist ein sehr gastfreundliches Land, doch gleichzeitig gilt das Gesetz der Blutrache. Wenn jemand in seiner Ehre verletzt oder betrogen worden ist, dann kommt die Blutrache ins Spiel. Deswegen sollte man immer sehr vorsichtig sein."

Ein weiteres Problem sei die schwierige Topografie Afghanistans. "Das Hindukusch-Gebirge ist überall und deswegen auch schwer zu kontrollieren", sagt er. Zudem kommen noch die angespannten Beziehungen zu den Nachbarstaaten Iran, Pakistan oder China hinzu.

90 Prozent der Afghanen leben auf dem Land. Durchschnittlich verdienen sie 25 US-Dollar im Monat. Afghanistan ist das drittärmste Land der Welt, eins von fünf Kindern stirbt. "Ich konnte mich nie an den Anblick des Elends gewöhnen."

Seit Mai dieses Jahres ist Göpfert wieder in Deutschland. "Afghanistan ist ein wunderschönes, faszinierendes Land." Dessen sei er sich trotz Erlebtem noch immer sicher.

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