Die Adresse Justizzentrum "Albrecht der Bär" ist nicht neu in Stendal. Vor 15 Jahren bezog das Amtsgericht das erste sanierte Gebäude im einstigen Kasernenkomplex an der Scharnhorststraße. Doch seit gestern ist das Zentrum fertig. Viele Stendaler sahen sich die acht sanierten beziehungsweise neu erbauten Gebäude gestern an.

Stendal. Offene Türen bei der Justiz: Richter und Staatsanwälte ließen sich im wahrsten Wortsinn "hinter die Robe schauen", so das Motto des Eröffnungstages. In Amts- und Arbeitsgericht, im Zentralregister und bei der Staatsanwaltschaft waren neugierige Besucher herzlich willkommen. Ebenso im Zentralen Altaktenlager Sachsen-Anhalt Nord, dem jüngsten Bau des Justizzentrums.

Der dem fast hundert Jahre alten Kasernenkomplex in Stil und Material angepasste Neubau wird erst so nach und nach mit alten Akten, die bis zum Jahr 1900 zurückreichen, gefüllt. Platz ist für sage und schreibe 9500 laufende Meter – Gerichtsurteile und Beschlüsse von Landgericht und Amtsgerichten nördlich von Magdeburg, dazu das gesamte Handelsregister von Sachsen- Anhalt mit Unterlagen über gegenwärtige und längst verflossene Firmen, über Volkseigene Betriebe, Landwirtschaftliche Produktionsgenossen- schaften und deren Rechtsnachfolger. Es ist das Reich von Frank Teichert, der die Aktenflut zusammen mit einem weiteren Mitarbeiter künftig zu bändigen hat. "Vorerst sind wir zu zweit", sagt er. "Ob das auch künftig genügt und ob der Platz hier ausreichen wird, muss sich zeigen."

Das Aktenlager und das für das Arbeitsgericht und Teile des Amtsgerichts umgebaute ehemalige Mannschaftsgebäude bildeten die Schlusssteine des vom Land in 19 Jahren für 25 Millionen Euro geschaffenen Justizzentrums. Wie die alten Kasernenbauten wurden auch die Außenanlagen mit ihren geschwungenen Wegen und der Natursteinpflasterung nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erneuert. Er freue sich besonders, dass das schöne Areal von den Stendaler Bürgern angenommen worden sei, dass man hier spazieren gehe und seinem Besuch das Gebäudeensemble zeige, sagte Landgerichtspräsident Dr. Dieter Remus bei der Einweihung. "Ein freies Justizzentrum, offen für die Bürger" – so sei "Albrecht der Bär" geplant und nun verwirklicht worden.

Dieser Geist herrschte nicht in den Gebäuden, als sie 1905 als Husarenkaserne eingeweiht wurden. Die beim gestrigen Tag der offenen Tür allgegenwärtigen Stendaler Traditionshusaren erinnerten an die Vergangenheit des Standorts. Unter ihnen auch einer, der es noch selbst miterlebt hat: Karl Winkler, von 1934 bis 1937 im Kavallerieregiment 3 in Stendal. "Ich freue mich, wie hier alles hergerichtet wurde. Schöner war es früher auch nicht", so der Veteran zur Volksstimme. Ministerpräsident Wolfgang Böhmer überraschte die Husaren mit exakten Geschichtskenntnissen: Auf den Tag genau vor 197 Jahren, am 19. November 1813, habe der preußische König das Dekret zur Gründung des Magdeburger Husarenregiments unterzeichnet. Böhmer wertete den Zusammenfall beider Ereignisse als Zufall der Geschichte.

Einen Blick in die Justizgeschichte gewährte das Theater der Altmark. Die Schauspieler Mathias Kusche und André Vetters boten einen Ausschnitt aus "Der Hauptmann von Köpenick", einer Inszenierung der kommenden Spielzeit.

   

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