Eine Bibliothek auf Rädern - Schnee von gestern? Nicht im Landkreis Stendal. Hier ist der Bücherbus beliebter den je. Eine Erfolgsgeschichte.

Schelldorf l 14.25 Uhr. Die Sonne brennt, die Störche klappern. Auf der Schelldorfer Dorfstraße steht ein weißer Lkw. "Ja, das ist ein umgebauter Lkw, aber es ist und bleibt unser Bücherbus", sagt Uwe Beucke mit Bestimmtheit.

Seit 1994 arbeitet er bei der Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg und ist mit von der Partie, wenn die rollende Bibliothek auf Tour geht. 20 Minuten haben die Schelldorfer Zeit, um sich mit Büchern, DVDs oder Hörbüchern einzudecken. Marion Bäumler, die Frau an der Seite von Beucke, wartet an der Ausleihe auf ihre Stammkunden. "Hier im Ort haben wir nur drei Anmeldungen", sagt sie nach einem Blick auf die Kartei. Außerdem hat gerade die Gartensaison begonnen, erklärt sie, da seien die Leute eher im Garten als mit Büchern beschäftigt. Dennoch: Zwei Leser kommen, packen ihre Beutel voll. Bei jedem Windstoß wackelt der Bus wie ein Segelboot. "Das sind wir gewohnt. Wir merken das gar nicht mehr", meint Marion Bäumler. Punkt 14.45 Uhr setzt sich der Bücherbus in Bewegung, zuckelt Sekunden später über kleine Dorfstraßen.

777 Medien an einem Tag auf "Bölsdorf-Tour" ausgeliehen

Die "Bölsdorf-Tour" ist eine der stärksten der Fahrbücherei des Landkreises, denn hier wurden 2012 die meisten Medien - 777 an nur einem Tag - ausgeliehen. Insgesamt 13 Fahrbücherei-Touren gibt es, sie nennen sich "Tangerhütte", "Havelberg" oder "Uchtspringe", insgesamt werden 98 Orte angefahren. Alle zwei oder drei Wochen.

Im nächsten Ort, in Grieben, stehen schon drei Frauen auf der Straße, warten auf die Bibliothek auf Rädern. Rosel Kranz ist von Anfang an dabei. "Man bekommt hier immer das Neueste. Ich mag Gartenbücher. Und meine Enkelinnen nehmen Kinderbücher und DVDs mit." Heute ist sie mit ihrer Familie gekommen, geht zielstrebig auf ein mit Hörbüchern bestücktes Regal zu. "Ja, Hörbücher interessieren mich auch sehr. Die höre ich beim Bügeln, Abwaschen oder Kochen." Nicht nur die 64-Jährige und ihre Familie beleben den Bücherbus, mittlerweile drängen sich viele Leser vor den Regalen. Uwe Beucke und Marion Bäumler haben zu tun. "Auf manchen Touren rennen wir uns Bruschen und Beulen, manche sind ruhiger", sagt Beucke mit einem Lächeln. Dass sie auf ihrer siebenstündigen Tour keine Pause haben, findet er nicht schlimm. Er liebt seine Arbeit, findet sie abwechslungsreich.

Kontakt im Bus ist aufgeschlossen und dankbar

"Das beste daran sind die Leute." Ganze Familiengeschichten kennen die beiden Fahrbücherei-Mitarbeiter. "Der Kontakt im Bus ist aufgeschlossen, freundlich und dankbar. Die Leute freuen sich auf uns. Gerade auf den Dörfern, da haben sie doch nichts Großes mehr, keinen Konsum zum Beispiel. Dann kommen sie eben zu uns, auch um sich mitzuteilen", erzählt Marion Bäumler.

Rosel Kranz hat zugeschlagen. "Ich brauche immer eine große Tasche", sagt sie. Zehn Hörbücher hat sie bereits eingesackt. Auch die anderen Besucher sind voll bepackt. Und erst wenn der letzte Griebener den Bus verlassen hat, wird er weiter über die Dorfstraßen zuckeln. Fünf Orte liegen heute noch vor Uwe Beucke und Marion Bäumler. Und dann, um 18.15 Uhr, geht es nach Hause, zur großen Bibliothek nach Osterburg.

Tourenpläne im Internet unter www.bibliothek.osterburg.de sowie unter www.landkreis-stendal.de (Bildung und Freizeit/Kultureinrichtungen/Bücherbus)

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