Im Rahmen des Projekts "Historische Schulstunde" im Rahmen des Förderprogramms "Demokratisch handeln" für Jugend und Schule sprach Edith Braun am Donnerstag über ihre Erfahrungen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Tangerhütte. "Die Geschichte der DDR und die Erfahrungen der Bürger in dieser Zeit sind für viele Kinder heutzutage vollkommen unbekannt", sagte Evelyn Benze, Klassenleiterin der 7b an der Tangerhütter Realschule. Zwar würden sie in der Familie ab und zu Geschichten hören, aber begreifen könnten sie es kaum. Um den Kindern die DDR mit allen Vor- und Nachteilen näherzubringen, initiierte sie das Projekt "Historische Schulstunde", in der die Schüler Wissenswertes über vergangene Epochen erfahren können.

Am Donnerstag sprach Edith Braun (SPD), Mitglied des Tangerhütter Stadtrates und Vorsitzende des Schulausschusses im Kreistag, vor den Schülern der 7b über ihr Leben in der DDR. Sie selbst wuchs in Groß Schwarzlosen auf und wurde 1957 in die Grundschule Lüderitz eingeschult.

Für das Abitur wechselte sie später an die EOS (Erweiterte Oberschule) "Karl Marx" in Tangerhütte. Sie selbst habe die ganze Zeit der DDR erlebt und will ihre Erfahrungen an die Schüler weitergeben. "Ich hatte eine sehr schöne Schulzeit", erzählt Braun.

"Wir freuten uns darauf Pioniere zu werden und standen füreinander ein." Sie erzählt, dass in ihrer Schulzeit nicht nur Noten für die einzelnen Fächer vergeben wurden, sondern auch für Sauberkeit, Ordnung und das Betragen. Die Kinder zeigten sich erstaunt darüber, wohl wissend, dass sie selbst darin wohl nicht immer die besten Noten erhalten hätten.

Braun berichtete auch, dass ihr Vater nichts mit der Politik zu tun haben wollte. Nicht weil er das kommunistische System der DDR verachtete, sondern weil er sich von der Politik allgemein verraten fühlte.

"Er kämpfte im Krieg und geriet in Kriegsgefangenschaft in Sibirien", erzählt Braun. "Erst nach acht Jahren kehrte er fast verhungert nach Hause zurück." Das habe ihn seinen Glauben an die Politik verlieren lassen. Deshalb war er auch strikt dagegen, als Edith Braun Pionier werden wollte. Sie trat daher heimlich in die Pionierorganisation und anschließend in die Freie Deutsche Jugend (FDJ) ein.

Sie zeigte den Schülern den Pioniergruß "Seid bereit! – Immer bereit!", die Uniform und wie das Pioniertuch gebunden wurde. Die Kinder konnten aber nur schwer begreifen, warum die Schüler damals so stolz darauf waren, ein Pionier zu sein. "Wir waren eine Gemeinschaft und uns wurde Solidarität mit den Schwächeren beigebracht" erzählt Braun.

"An den Pioniernachmittagen haben wir etwas für die Gesellschaft getan, wie Flaschen- und Papiersammlungen. Und wir fuhren in den Ferien in Pionierlager." Doch sie betonte auch nachdrücklich, dass das politische System der DDR nicht nur vorteilhaft war. Die persönliche Freiheit war stark eingeschränkt und von freier Meinungsäußerung konnte keine Rede sein.

Die Schüler befragten Braun ausführlich über das Leben in der DDR. "Es ist wichtig, verschiedene Erlebnisse und Geschichten aus dieser Zeit zu hören", sagte Klassenleiterin Evelyn Benze. "Nur so können sich die Schüler ein Bild der Zeit machen." Das Projekt wird den Schülern die Geschichte auch weiterhin erlebbar machen. "Wir werden noch zur Gedenkstätte Marienborn fahren, um den Kindern zu zeigen, dass man nicht ohne weiteres das Land verlassen konnte", erklärte Benze.