Scharlibbe l Die Scharlibber leben mit und von der Agrargenossenschaft "Elbeland". Deshalb war es für die nach der Evakuierung im Ort verbliebenen Menschen auch selbstverständlich, bei der Rettung der 8000 Schweine zu helfen. Das ist geglückt.

Unter den Sonnenschirmen vor dem Jugendklub sitzen zehn Elbeland-Mitarbeiter beisammen, lassen sich Kartoffelsalat und Schnitzel schmecken. Im alten Leutewagen hatte sie die Feuerwehr von den Schweineställen durchs Wasser rüber ins trockengelegene Dorf gezogen.

Es ist die erste Mahlzeit, die sie tatsächlich auch genießen können. "Es gab Stunden, in denen es wirklich brenzlig war", ist Frank Schirmer erschöpft. Er ist für die Tierproduktion verantwortlich und seit Dienstag quasi im Dauereinsatz. "Als das Wasser kam, haben Detlef Steller, Thomas Zarwel und ich Stellung in der Anlage bezogen, alle anderen haben den Bereich aus Sicherheitsgründen verlassen. Wir haben das Notstromaggregat in Gange gebracht und damit die Anlage, so gut es geht, in Betrieb gehalten. Das eindringende Wasser wurde ausgepumpt." Rings herum bauten die Helfer Wälle aus Strohballen, Sandsäcken und Folie. Doch Donnerstagfrüh bahnte sich an, dass das Aggregat nicht mehr lange durchhält. Diese Eilmeldung veranlasste Geschäftsführer Ottmar Kapl, neue Geräte zu besorgen. "Und dann ist der Notstrom tatsächlich ausgefallen. Die Pumpen, die das inzwischen rings um die Ställe stehende Wasser wieder rausbrachten, funktionierten nicht mehr, die Lüftung fiel aus und die Fütterung funktionierte natürlich auch nicht. Kurzzeitig standen die Jungsauen im Wasser. "Aber wirklich nur kurz. Denn das erste Aggregat war schnell beschafft, und abends um 20 Uhr konnten wir aufatmen, die 8000 Tiere waren nicht mehr in unmittelbarer Gefahr", blickt Frank Schirmer zurück und ärgert sich über Meldungen von der möglichen Tötung der 8000 Schweine. Zusammen mit Thomas Zarwel hielt er bis Sonntag die Stellung, sie kontrollierten die Aggregate und Pumpen, versorgten die Tiere... Beim Füttern halfen Arbeiter, die mit Booten übersetzten. Geschlafen wurde lediglich mal für ein, zwei Stunden auf Feldbetten. Die standen tatsächlich im Wasser, denn der Sozialtrakt ist überschwemmt.

Futter wird in Säcken vom Traktor gebracht

Inzwischen kommen auch alle anderen Beschäftigten wieder zur Arbeit. Die ist aufwendiger als sonst, muss doch die Mehrzahl der Tiere per Hand gefüttert werden. "Ansonsten läuft der Betrieb aber wie gewohnt, auch das Abferkeln und die Besamung der Sauen." Heute wird eine neue Ladung Schweinemischfutter geliefert. Es kommt vom Lieferanten aus Osterburg in 25-Kilo-Säcken verpackt mit dem Traktor auf die Insel.

Langsam sinkt auch das Wasser, in der vergangenen Nacht waren es zehn Zentimeter. Auch wenn noch längst nicht von Normalität zu sprechen ist - die Schweine haben von der drohenden Gefahr und der Mühe um ihre Rettung nichts mitbekommen. "Wir alle sind einfach nur erleichtert, dass wir die Schweine und damit auch unsere Arbeitsplätze retten konnten", spricht Frank Schirmer im Namen der Mitarbeiter. Die freuen sich auch über solche Kleinigkeiten wie das leckere Essen.

Das liefert Elke Hartmann von der "Alten Tanke" in Klietz. Frühstück, Mittagessen und Abendbrot bereitet sie mit ihren Mitarbeiterinnen zu, beliefert auch in Klietz beispielsweise die Feuerwehr und das Gemeindebüro.

Zu den Mahlzeiten treffen sich die in Scharlibbe Verbliebenen im Jugendklub. Ein paar Häuser in der Nähe des Trübengrabens sind vom Hochwasser direkt geflutet worden, die meisten anderen haben in den Kellern mit Grundwasser zu tun. Der Strom ist abgestellt. Um das Nachfüllen der Notstromaggregate für die Schweineställe kümmert sich das THW, das auch eine große Hilfe war und ist. Da die Kanalisation nicht funktioniert, wurden im Ort an mehrerenStellen sechs Dixis aufgestellt.

 

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