Albrecht Franke geht, aber der Schreibzirkel bleibt. Acht Jahre hat er ihn geleitet, jetzt geht Franke in Ruhestand - mit Freude und ein bisschen Wehmut.

Stendal l "Es wird..." Dieses tröstlich-ermutigende Wort war Titel des ersten Buches des Schreibzirkels am Winckelmann-Gymnasium. Und es wurde bald zum Eigennamen für diesen schöpferischen Kreis, in dem sich seit 2005 Schüler der Klassenstufen 5 bis 12 treffen. Auch Ehemalige, die inzwischen studieren oder eine Ausbildung machen, halten dem Schreibzirkel die Treue.

Vier Bücher sind seither entstanden, drei CDs dazu, sogar Preise bei Lyrikwettbewerben wurden gewonnen. "Wir haben damit mehr erreicht, als ich mir je vorgestellt habe, wir haben sehr intensiv gearbeitet, immer mit einem Ziel vor den Augen", sagt Franke (63). Wenn er jetzt über den Schreibzirkel in der Vergangenheitsform spricht, geschieht das mit leiser Wehmut: Für die etwa 20 Schüler und ihren Leiter wird es zum Ende des Schuljahres eine Zäsur geben - Franke geht in Ruhestand, lässt nicht nur das Unterrichten in den Fächern Deutsch und Philosophie hinter sich, sondern eben auch den Schreibzirkel.

"Wer schreibt, gibt eine Menge von sich preis."

Für acht Jahre war der Schreibzirkel fester Bestandteil des Lebens von Lehrer Franke. "Das ist kein elitärer Kreis, kein Elfenbeinturm, sondern einfach eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die Lust und Freude am Wort, am Lesen und Schreiben haben." Den Ehrgeiz, aus jedem von ihnen einen Autoren zu machen, den hatte Franke nicht. Hat es gleichwohl mit Zufriedenheit gesehen, wenn jemand sein Studium in eine derartige Richtung lenkte. Den Austausch mit den jungen Leuten wird er vermissen. "Es ist etwas sehr Persönliches, wer schreibt, gibt eine Menge von sich preis. Viele haben in dem Schreibzirkel einen Ort gefunden, wo sie Freundschaften knüpfen, wo sie sich aufgehoben fühlen oder aufleben."

Das Arbeiten mit den Schülern, das Streiten mit ihnen, das gleichberechtigte Produktivsein ohne die Schüler-Lehrer-Hierarchie, das alles wird Franke fehlen. "Aber ich freue mich auch darauf, frei zu sein für alles, was ich noch vorhabe."

"Es wird..." - so oft Albrecht Franke das zu den Mitgliedern des Schreibzirkels sagte, so gewiss kann er es jetzt zu sich selbst sagen. Es wird weitergehen mit dem Schreibzirkel, eine Nachfolgerin ist gefunden. Es wird vielleicht auch etwas Neues dabei entstehen, Frankes Herangehensweise sei ja nicht in Stein gemeißelt. Und: Es wird nun viel Zeit für ihn selbst geben, in der er sich eigenen Projekten und Schreibvorhaben widmen kann. Da ist nicht nur eine für Herbst geplante Lesung mit dem altmärkischen Autor Wolfgang Eschker, sondern auch die im November anstehende Premiere seines Edlef-Köppen-Buches. Albrecht Franke will sich außerdem verstärkt für den Schriftstellerverband engagieren.

"Literatur nimmt nicht den Platz ein wie früher."

Albrecht Franke liebt Literatur, das Lesen, Schreiben, Wortefinden. Aber er ist kein Bücherwurm, der sich verkriecht. Und deshalb heißt Ruhestand für ihn nicht, dass er eine unauflösliche Schreibtischbindung eingeht, sondern das Leben genießt, mit seiner Frau, seinen zwei Enkelkindern, in der Natur, beim Sport.

Aber was wäre er für ein Schriftsteller, was für ein Philosoph, hätte er nicht doch auch immer die Entwicklung der Gesellschaft, ihre Beziehung zu Büchern im Blick. "Es ist die Tendenz da, dass Literatur bei jungen Leuten nicht mehr den Platz einnimmt wie früher. Das ist eine meiner Ängste, dass da etwas verloren geht." Und da kann ihn wohl auch kein "Es wird..." trösten.