Ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod – diesem Ansinnen verschreiben sich die Hospize. Seit April 2007 können sie auf rechtliche Unterstützung bauen, denn mit der "Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung" (SAPV) gibt es eine neue Komponente in der häuslichen Versorgung Schwerstkranker. In Stendal funktioniert dieses Netzwerk aus Hospiz, Ärzten und Pflegediensten seit einem Jahr.

Stendal. "Der Druck wird einem genommen, und man kann den Angehörigen die Gelassenheit weitergeben." "Der Patient steht mehr im Mittelpunkt, losgelöst von der Grundpflege." "Ich kann mir mehr Zeit nehmen für die Patienten." Die Vertreter der Pflegedienste, die im Rahmen der SAPV mit dem Hospiz zusammenarbeiten, sind überzeugt von dem neuen Netzwerk, das sich in Stendal seit einem Jahr aufbaut.

Gemeinsam mit Haus- und Palliativärzten wird die ambulante Versorgung Sterbender professionalisiert – bislang jedoch nur für Patienten der Ersatzkassen. "Bei den pflegenden Angehörigen werden schnell Grenzen erreicht", berichtet Koordinatorin Christiane Behrend. "Mit der SAPV schaffen wir eine Entlastung." Medizinische, pflegerische und eben die seelsorgerliche Komponente greifen nun ineinander. Die Verantwortung verteilt sich auf speziell geschulte Kräfte.

24 Stunden am Tag ist jemand von den speziell Geschulten oder ein Palliativarzt erreichbar, so dass nicht unbedingt ein Bereitschaftsarzt gerufen werden muss, der den Patienten und seine besonderen Bedürfnisse nicht kennt. Mit 15 Pflegediensten im Landkreis Stendal und teils im Jerichower Land arbeitet das Hospiz zusammen. Die Mitarbeiter können im Notfall die Bedarfsmedikation vornehmen, brauchen den Arzt erst am nächsten Tag zu informieren.

Nicht um jeden Preis heilen wollen – das sei im Rahmen dieser Zusammenarbeit möglich, weiß Ralf Rosner von der DRK-Sozialstation Osterburg zu schätzen. "Es ist eine andere Zielsetzung als vorher, wir können uns zurücknehmen und Wünsche des Patienten berücksichtigen. Wenn einer eine rauchen will, obwohl es nicht vernünftig ist, können wir das zulassen."

Die Sterbenskranken spürten, dass es zu Ende geht. Da brauche man niemandem etwas vorzumachen. "Damit besinnen wir uns auf die Ursprünge der Hospizbewegung und werden dem Wunsch Sterbender gerecht, die letzten Tage und Stunden zu Hause zu verbringen", sagt Hospiz-Geschäftsführer Ulrich Paulsen. Und das möglichst schmerzarm und mit kompetenter psychologischer und pflegerischer Begleitung. Stationäre Aufenthalte sollen möglichst vermieden werden.

Die Betreuung der Angehörigen spielt dabei eine große Rolle. "Wir wollen den Menschen Sicherheit geben und Mut machen, dass sie es schaffen", sagt Paulsen. So wie im Fall des über 80-Jährigen, der seine Frau nach einigem Zureden bis zum Schluss zu Hause begleitet hat. Paulsen: "Am Ende war er glücklich, dass er es gemacht hat und aushalten konnte."