Elb-Havel-Region l Die Rückverlegung von Deichen und die Begradigung ist Schwerpunkt für die nächsten Monate in der Elb-Havel-Region. Das machte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gestern in Wulkau deutlich.

"Die Deiche in der Elb-Havel-Region und im Elbe-Saale-Winkel haben Priorität", sagte Regierungschef Reiner Haseloff gestern bei einem Arbeitsbesuch. Ende Juli, Anfang August rechnet er mit den ersten Abschlagszahlungen aus dem Fluthilfeprogramm der Bundesregierung. Dann sollen auch sofort erste Arbeiten an den Deichen starten. Gemeinsam mit dem Leiter der Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW) Burkhard Henning, Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner, dem Landtagsabgeordneten Ralf Bergmann und Verbandsbürgermeister Bernd Witt schaute sich der Ministerpräsident gestern von Fischbeck bis hoch nach Sandau gefährdete Deiche entlang der Elbe an. Er wollte keinen großen Presserummel, sondern einfach mit eigenen Augen sehen, worum es geht.

Wulkauer Deich hätte kein Problem werden müssen

Am Wulkauer Deich zeigten ihm die LHW-Fachleute, wo die Deichrückverlegung geplant ist. Um den auf mehreren Metern abgerutschten Wall war zwei Tage lang mit Tauchern von der Wasserwacht und zahlreichen Helfern, unter anderem aus Sandau, Wulkau und Kamern, erfolgreich gekämpft worden. Hunderte Sandsäcke auf der Wasserseite und eine eilig aufgeschüttete Berme auf der Landseite zeugen noch heute davon.

Seit mittlerweile zehn Jahren sind die Deichrückverlegungen im Bereich Sandau Süd und Nord im Gespräch. Die Planungen sind fertig. Für den nördlichen Deich ist die Planfeststellung vorbereitet. "Für Süd müssen wir das beschleunigen", mahnte Burkhard Henning an. "Der Deich in Wulkau wäre kein Problem gewesen, wenn die Rückverlegung schon passiert wäre", machte Reinhard Kürschner deutlich.

Die Elbe prallt dort, wie auch in Fischbeck, im rechten Winkel mit voller Wucht auf den Deich. Geplant ist, den von Schönfeld kommenden Deich gerade in Richtung Sandau durchzuziehen. Die Elbe gewinnt dadurch 100 Hektar mehr Platz. Zusammen mit dem Bereich Nord wird durch die Rückverlegungen lokal ein Absenken des Elbpegels um 20 Zentimeter erreicht.

Naturschutz, Eigentumsfragen und Denkmalschutz sind die Probleme, die Deichrückverlegungen im Land oftmals behinderten. Dabei geht es auch um Ersatzflächen für die Landwirte.

Zudem ist die Deichsanierung eine Kostenfrage. Pro Kilometer wird mit einer Million Euro gerechnet, sagte Burkhard Henning. Von den rund 50 Kilometer Deichen in der Elb-Havel-Region ist zirka die Hälfte saniert.

Bis 2020 sollen alle Deiche in Sachsen-Anhalt DIN-gerecht gebaut sein, machte Reiner Haseloff gestern noch einmal deutlich. Am Geld soll es nicht scheitern. Und auch bei Planungsfragen sieht er Möglichkeiten, Dinge voranbringen zu können aufgrund der Gefahrenlage, die vorhanden ist. Das Hochwasser 2013 hat die Folgen nicht fachgerechter Deichbauten schmerzlich gezeigt. "Wir werden alle Möglichkeiten nutzen, die Deichsanierungen zu beschleunigen", machte der Ministerpräsident deutlich.

Geschlitzter Deich bei Schönfeld wird als erster saniert

Zur fachgerechten Sanierung gehören auch Deichverteidigungswege neben den Wällen und Kontrollwege auf den Deichen, erklärte Burkhard Henning. Zur Flut 2013 war an manche Deiche kein Rankommen, weil beides fehlte.

Auf seiner Tour gestern schaute sich der Ministerpräsident auch das durch die Flut zerstörte Brückenbauwerk an der B 107 in Klietz an. "Wenn gebaut wird, sollten wir gleich solche großen Flaschenhälse schaffen, durch die das Wasser auch besser durchkommt." In Sachen Infrastruktur ist es ihm zudem wichtig, die Flächen- und Bebauungspläne der Gemeinden genau anzuschauen, damit Gefahrenherde künftig vermieden werden können.

Einsetzen will er sich mit Blick auf die Flutgelder vom Bund auch dafür, dass mittelbare wirtschaftliche Schäden, die durch Maßnahmen wie Straßenschlitzungen entstanden sind, ersetzt werden. Mit dem Wirtschaftsminister ist er darüber im Gespräch.

Den LHW zu unterstützen, damit er seine Aufgaben erfüllen kann, hält Ralf Bergmann für wichtig. Auch wenn in den vergangenen Jahren viel Geld in den Hochwasserschutz gesteckt wurde, gab es auch Sparzwänge. Burkhard Henning umschrieb den Blick in die Zukunft so: "Wir standen mit unserem Gaul schon beim Rossschlächter und sind jetzt wieder auf den Rennwiesen angekommen."

Der geschlitzte Schönfelder Deich wird in der Elb-Havel-Region der erste sein, der wieder fachgerecht geschlossen wird, sagte Reinhard Kürschner. Dort fließt jetzt kein Deichbruchwasser mehr in die Elbe.