Mit viel Geld im Gepäck kam Sachsen-Anhalts Bau- und Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) gestern zuerst ins Landratsamt und anschließend ins Rathaus. Neben Fördermitteln für mehrere Projekte im Landkreis (lesen Sie auch auf der nächsten Seite) lieferte er große Beträge für einen Hochhausabriss in Stendal und für die Vorbereitung der Bundesgartenschau in Havelberg ab.

Stendal. Der stärkste Geldregen, der einem kleinen Wolkenbruch glich, ging über der Stadt Havelberg nieder. 1,5 Millionen Euro sagte Minister Karl-Heinz Daehre gestern im Stendaler Rathaus dem Havelberger Bürgermeister Bernd Poloski zu. Das Geld möge der Stadt dabei helfen, ein guter Gastgeber für die Bundesgartenschau (Buga) 2015 zu sein, gab Daehre seinem Scheck mit auf den Weg. Poloski, der sich für das "schöne Weihnachtsgeschenk" bedankte, nannte als Verwendungszweck die Altstadtsanierung im Zusammenhang mit der Buga.

Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz und sein Stellvertreter Axel Kleefeldt nahmen aus Ministerhand – nicht in bar, sondern in Form eines Bescheides – 828 360 Euro für den Wohnungsrückbau in Empfang. Damit sei die städtische Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG) in der Lage, "auf einen Schlag 240 Wohnungen vom Markt zu nehmen", schätzte Schmotz ein. Konkret gehe es um den Abriss des Elfgeschossers an der Adolph-Menzel-Straße, der bereits leergezogen sei. Der Block müsse behutsam Etage für Etage abgetragen werden, da die Ladenzeile im Erdgeschoss erhalten bleibt.

Dank der seit Jahren fließenden Fördermittel von Land und Bund – sie belaufen sich auf 60 Euro je Quadratmeter abzureißender Wohnfläche – seien die beiden Großvermieter in Stendal in "solider wirtschaftlicher Situation", sagte Axel Kleefeldt gestern.

Leerstandsquote und Altschuldenlast sinken

Unter anderem dank dieser Förderung sei die vor einigen Jahren von Insolvenz bedrohte SWG noch am Markt. Durch die Abrisse vermindern die Wohnungsunternehmen nicht nur ihre Leerstandsquote, sondern auch die Altschuldenlast. Private Eigentümer, so betonte Karl-Heinz Daehre in diesem Zusammenhang, hätten bei einem geplanten Wohnungsabriss den gleichen Anspruch auf Förderung.

Vermittelt vom CDU-Bundestagsabgeordneten Hardy Peter Güssau, war Minister Daehre gestern Vormittag zunächst mit dem Bürgerbündnis Altmark, dem Güssau als einer der Erstunterzeichner angehört, zu einem Gespräch über den Stand der A-14-Planungen zusammengetroffen. Im nächsten halben Jahr erwarte er eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig über Klagen von Autobahngegnern, informierte Daehre später im Stendaler Rathaus. "Ich rechne im nächsten Jahr fest mit der höchstrichterlichen Bestätigung, dass wir im Teilbereich um Colbitz anfangen können zu bauen", sagte er. Auch alle übrigen Autobahnabschnitte befänden sich in Planung.

Die bereits jetzt laufenden archäologischen Grabungen, so Daehre, seien kein Alleingang des Landes, sondern mit dem Geldgeber Bund abgestimmt. Der Minister freute sich, dass der Großteil der Bevölkerung ebenso wie die Mehrheit der Landtagsabgeordneten hinter dem Projekt stehen würden.