Ian Magín ist Engländer. Der Lehrer unterrichtet im Stendaler Gymnasium Mathematik. Eigentlich. Denn einmal in der Woche besucht er die Kindertagesstätte in Arneburg, um den Kindern der Gruppe seines Sohnes Finlay etwas Englisch beizubringen.

Arneburg. Im Kreis scharen sich die Kinder der Kindertagesstätte Arneburg um den freundlichen Mann, der so ganz anders spricht als sie es kennen. Ian Magín ist nämlich Engländer. "Mein Deutsch ist noch nicht so gut", sagt er und lächelt dabei. Noch kein ganzes Jahr ist der 50-jährige nun in Deutschland. Sein Sohn Finlay ist "three and a half", also dreieinhalb Jahre alt, und besucht die Kita in Arneburg. "Es war Herr Magins Idee, dass er einmal in der Woche zu uns kommt, und mit den Kindern englische Lieder singt", erzählt Viola Reinecke, Leiterin der Gruppe. Das habe sie natürlich dankbar angenommen, wird doch den Kindern in den größeren Gruppen sowieso Englisch beigebracht. Eine Kita-Erziehern hat dafür eigens ein Zertifikat erworben.

Der Mann, der aus der Nähe Sunderlands kommt, der Stadt, die natürlich "das beste Fußballteam der Welt" beherbergt, hatte seine Frau in England kennengelernt. Diese kommt aus Arneburg, ist ebenfalls Lehrerin und war dort auch als Lehrerin tätig. Einige Jahre verbrachten sie in England, dann zog es seine Gattin wieder zurück in die Altmark, samt Ian und dem in England geborenen Finlay. Nun wohnen sie in Krusemark, Ian Magín unterrichtet Mathe an derselben Schule wie seine Frau. "Da es nur eine Halbtagsstelle ist, hab ich einfach Zeit, meinen Sohn und seine Gruppe zu besuchen."

Es ginge ihm dabei nicht darum, ihnen Vokalbeln einzutrichtern. "Meist bin ich nur eine halbe Stunde hier. Wir singen Lieder und zählen."

Mit Freude machen die Jungen und Mädchen mit. Magìn benutzt große Gesten, um die Bedeutungen der Worte zu verdeutlichen, tippt beispielsweise im weiten Bogen auf seine Nase, wenn sie das Lied von Rudolph singen.

Es kommt ihm darauf an, dass die Kinder lernen, dass es ganz andere Kulturen gibt. Sie sollen lernen, dass es auch ganz andere Orte als Arneburg gibt. "So habe ich ihnen erzählt, dass es keinen Nikolaus in England gibt. Und das wir deswegen sehr froh sind, in Deutschland zu sein", sagte er und zwinkert.

Das freut besonders Finlay.Es ist nämlich Finlays erster Nikolaus überhaupt "Er weiß, dass wir gleich zu seiner Oma gehen und die ein Geschenk für ihn hat", sagt Ian Magín. Der Kleine wächst zweisprachig auf. "Er kann mitten im Satz die Sprache wechseln, wie er will und je nachdem, ob er was von mir oder seiner Mutter will", erzählt Magín.

Finlay fordert dabei seinen Vater immer wieder auf, endlich zu gehen. "Sehen sie, perfektes Englisch", sagt Magín und muss lachen.