Tangerhütte l Das im Volksmund nur "Villa der Holzindustrie" genannte historische Gebäude, das am Montagnachmittag durch Brandstiftung in Flammen aufgegangen war, ist auch ein Stück Tangerhütter Stadtgeschichte gewesen. Zwar steht das Gelände der einstigen Holzindustrie schon lange leer, faszinierend ist das Areal aber immer gewesen. Nicht nur, weil dort bis heute ein Hauch Geschichte zu spüren ist. Nur wenige wissen noch, dass das weitläufige Areal, das dort beginnt und früher bis kurz vor Jerchel reichte, einst militärisch genutzt worden war.

Einst Logierhaus des Krupp-Gruson\'schen Schießplatzes

Das mit viel Holz verkleidete, aber als Fachwerkgebäude errichtete "Logierhaus" gehörte einst zum Schießplatz der Firmen Gruson (Magdeburg) und Krupp (Essen). Die Hersteller von Panzerungen und Schnellfeuergeschützen testeten ihre Geschütze auf dem ab 1880 errichteten Schießplatz nicht nur, sie begrüßten auch internationale Kundschaft aus Südamerika, Afrika oder Japan dort. So ist es im Heimatmuseum der Stadt Tangerhütte nachzulesen. Dort finden sich auch alte Aufnahmen von Geschützen und der Anlage.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden infolge des Versailler Vertrages sämtliche technischen Anlagen und Abschussrampen auf dem mit elf Kilometern Länge und 2,5 Kilometern Breite ausgebauten Schießplatz gesprengt. Das Logierhaus am oberen Ende der Schießbahn blieb. Nach 1918 wurden auf dem Gelände Landmaschinen hergestellt, später auch Gartenmöbel und ab den 50er Jahren Holztüren und -fenster sowie Möbel. Nach der Wende wurde die "Altmark-Holz" gegründet, zuletzt hieß das Unternehmen "Mahrenholz". Mehr als 70 Jahre lang wurde am Standort der sogenannten "Holzindustrie" in Tangerhütte produziert. Vor gut acht Jahren wurde das Werk geschlossen, seither stehen Pförtnerhäuschen, Werkhallen, Heizhaus und viele weitere Gebäude leer und locken aufgrund der abgeschiedenen Lage in der Waldstraße auch immer wieder Menschen aller Altersgruppen an.

Dass die alte "Villa" in Flammen aufging, beschäftigt die Tangerhütter, und zwar nicht nur diejenigen, die noch am Montag zur Waldstraße gefahren waren, um sich selbst ein Bild von dem weithin sichtbaren Brand zu machen.

Auch im sozialen Netzwerk "Facebook" wurde der gestrige Volksstimme-Bericht über den Brand bereits eifrig diskutiert. Thema war dabei nicht nur das Zündeln der beiden für den Brand verantwortlichen Jugendlichen in dem leerstehenden Haus, in dem zum Teil noch alte Unterlagen herumgelegen hatten.

Die Tatsache, dass die Jugendlichen selbst die Feuerwehr gerufen hatten und damit vielleicht das weitere Ausbreiten der Flammen verhindert hatten, wurde von manchen Lesern anerkannt. Bei vielen aber ließ sich vor allem Bedauern über den Verlust des Objektes heraushören.

 

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