Stendal. Feuerteufel und Pyromane oder suchtkrank und damit möglicherweise vermindert schuldfähig? Das sind die Fragen, auf die die Richter der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Stendal im Prozess um schwere Brandstiftung Antworten finden und am Ende ein Urteil sprechen müssen.

Wie berichtet, ist ein Stendaler (23) angeklagt, in der Nacht auf den 18. Mai im Stadtgebiet fünf Brände gelegt zu haben. "Das war haarig. So was habe ich noch nicht erlebt. Wir hätten Tote haben können", kommentierte ein Brandermittler der Stendaler Kripo die beiden Brände im Hochhaus Dr.-Kurt-Schumacher-Straße 8.

Den Worten des Hauptkommissars zufolge, sind die Bewohner des Elfgeschossers nur knapp einer Katastrophe entgangen. Denn durch das Feuer im elften Stock hatte sich ein hochexplosives Gasgemisch gebildet, das bei Zufuhr von Sauerstoff jeden Moment hätte "hochgehen" können. In der ersten Vernehmung des Angeklagten – noch am Tattag – habe dieser zunächst die Vorwürfe bestritten, später aber alles gestanden.

In der Brandnacht zweimal in Tatortnähe

"Es ist über mich gekommen, ich musste das tun", soll der 23-Jährige der Polizei gesagt und nach dem Geständnis erleichtert gewirkt haben. Die Schuld soll er auf den konsumierten Alkohol geschoben haben. 1,55 Promille Alkohol ergab ein kurz nach den Brandanschlägen durchgeführter Atemalkoholtest. Polizeibeamte hatten den Angeklagten zweimal in der Brandnacht in Tatortnähe angetroffen und vorsorglich seine Identität festgestellt.

Gegen eine völlige Alkoholisierung spricht die Aussage eines Feuerwehrmannes, der einen jungen Mann über einen zwei Meter hohen Zaun am Discounter in der Scharnhorststraße springen sah. Dort hatte es wie bei einem Discounter in der Rosa-Luxemburg-Straße in jener Nacht ebenfalls gebrannt. Die Stendaler Feuerwehr konnte der Brände kaum Herr werden und musste die Borsteler Kameraden zur Unterstützung rufen, sagte der Feuerwehrmann aus.

Auf dem Parkplatz Wüste Worth wurde ein zwei Jahre alter BMW ein Raub der Flammen. Und am Haus Hallstraße/Ecke Deichstraße brannten etwa 200 gelbe Säcke, die wegen Bauarbeiten dort in dieser Masse lagerten. Den Schaden an seinem Haus bezifferte der Besitzer gestern auf 3500 Euro. Für den 23. November werden Plädoyers und Urteil erwartet.