Seit dem Frühjahr wächst neben der mehr als 600 Jahre alten Stadtbibliothek ein moderner Neubau. Gestern war Richtfest des zweistöckigen Anbaus auf dem historischen Klostergelände der Franziskaner. Im Herbst nächsten Jahres soll er fertig sein. Dann wird es nur noch einen Bibliotheksstandort in Stendal geben.

Stendal. Seit dem Treppenhausanbau in den 1930er Jahren hatte sich am altehrwürdigen Klosterrefektorium am Mönchskirchhof äußerlich nichts mehr verändert. Mit dieser relativen Ruhe war es vorbei, als die Stadt vor einem halben Jahr den an das gotische Kleinod aus dem 14. Jahrhundert anschließenden Neubau in Angriff nahm. Inzwischen ist der zweistöckige Erweiterungsbau rohbaufertig; gestern war Richtfest.

OB-Stellvertreter Axel Kleefeldt erinnerte daran, dass der Ursprung der Neubaupläne in der im Jahr 2001 begonnenen Haushaltskonsolidierung begründet liegt. Damals habe die Stadt beschlossen, die beiden Standorte der Stadtbibliothek zusammenzulegen, um Personal einsparen zu können. In etwa einem Jahr soll es soweit sein. Dann zieht die Außenstelle mit der Kinderbibliothek von der Stadtseeallee an den Mönchskirchhof. Dort wird bis dahin genügend Platz vorhanden sein, um den Gesamtbestand der Stadtbibliothek von 40 000 Büchern und Zeitschriften sowie 14 000 Ton- und Bildmedien unterzubringen.

Für 850 000 Euro entsteht auf dem historischen Franziskaner-Klostergelände ein Neubau mit mehr als 530 Quadratmetern Nutzfläche. Weitere 140 000 Euro fließen in die Sanierung des Refektoriums. Unter anderem werden die zugemauerten gotischen Fensteröffnungen im Erdgeschoss wieder geöffnet. Die Stadt finanziert die Baukosten zu 20 Prozent selbst, den größeren Rest über Fördermittel.

Ursprung Diplomarbeit

Die künftige Stadtbibliothek wird dank eines Aufzuges und entsprechend gestalteter Sanitäranlagen behindertengerecht sein. Für die zahlreichen Veranstaltungsangebote der Bücherei wird ein Versammlungssaal mit Automaten-Cafeteria zur Verfügung stehen. Die Kinderbibliothek wird dann im Erdgeschoss des Refektoriums untergebracht sein.

Grundlage des Entwurfs für den neuen Anbau, dessen zwei Flügel mit dem Refektorium einen Hof umschließen, ist die Diplomarbeit der Stendalerin Nicole Seidel aus dem Jahr 2007. Architekt Clemens Bach (Architekturbüro Stendal) hat das Projekt seitdem überarbeitet und leicht verändert. So wurde der Veranstaltungssaal vom Ober- ins Erdgeschoss verlegt. Der künftige Eingang wird nicht, wie ursprünglich geplant, im Innenhof, sondern an der Seite des verlängerten Birkenhagens sein.

Trotz solcher Veränderungen erkennt Nicole Seidel ihren Entwurf durchaus noch wieder, wie sie gestern am Rande des Richtfestes der Volksstimme sagte. Die 30-jährige Architektin ist derzeit bei der Architektenkammer Sachsen-Anhalt in Magdeburg beschäftigt.

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