Fast zwei Jahre brauchten Gutachter, Planer, Denkmalschützer und schließlich die Baufachleute, um die bröckelnde Ramelow-Fassade zu erneuern. Jetzt ist sie fast fertig. Am 26. November soll sie eingeweiht werden. Passanten wundern sich indes über den ungewohnt dunklen grau-braunen Farbton.

Stendal. Die markante, auch 80 Jahre nach ihrer Entstehung noch immer äußerst modern wirkende Fassade des Kaufhauses war beige, relativ hell sandfarben, bevor sie hinter dem Baugerüst verschwand. Jetzt haben die Gerüstbauer erste Partien des erneuerten Putzes freigegeben. Und so mancher Stendaler glaubt seinen Augen nicht zu trauen. Eine schwer zu beschreibende Farbmischung aus dunklen Grau- und Brauntönen ist zum Vorschein gekommen.

Monika Genz, Geschäftsführerin des Modehauses an der Ecke Breite Straße/Winckelmannplatz, war selbst erstaunt über den Farbton, in dem sich das 1930 eröffnete Haus nunmehr präsentieren wird. Im April dieses Jahres, als die Bauarbeiten an der Fassade begannen, ging sie noch von Sandgelb aus, der Farbe, "die schon immer Tradition" bei Ramelow gewesen sei, wie sie damals der Volksstimme sagte. "Doch das letzte Wort hatten die Denkmalschützer", erklärte sie gestern.

"Den Farbton haben wir zusammen mit dem Planer und dem Eigentümer festgelegt", verteilt Bärbel Hornemann von der Unteren Denkmalbehörde die Verantwortung auf breitere Schultern. Das relativ dunkle Grau entspreche mehr der Farbensprache der Erbauungszeit des Hauses um 1930 als der hellere Farbton, den die Fassade seit der Renovierung 1991 getragen habe.

"Im Sommer wirkt die Farbe ganz anders"

Außerdem, so Bärbel Hornemann, müsse die Farbgestaltung im Zusammenhang mit den anderen Gebäuden in der Breiten Straße gesehen werden. Schließlich seien für Ramelow vier Farbvarianten ausgewählt worden, und die Experten seien sich einig gewesen und hätten sich für diesen Grauton entschieden. Hornemann ist überzeugt, dass die Fassade im Sommer ganz anders wirken werde als im jetzigen grauen Novemberlicht.

Doch so lange müssen die Stendaler gar nicht warten. Wie Kaufhauschefin Monika Genz der Volksstimme sagte, werde Oberbürgermeister Klaus Schmotz am 26. November um 18 Uhr den Schalter der neuen Fassadenbeleuchtung umlegen. Dann werden 19 der Lisenen – das sind die charakteristischen senkrechten Gliederungsstreifen der Fassade – zum abendlichen Leuchten gebracht. Monika Genz ist sicher: "Das wertet den Winckelmannplatz stark auf." Mit "Lights On", so nennt Ramelow den Start seiner Fassadenbeleuchtung, will das Traditionsunternehmen den Abschluss der Renovierungsarbeiten an seinem Stendaler Haus feiern. An drei Tagen, vom 25. bis 27. November, sind die Kunden zum Mitfeiern eingeladen.

Damit findet ein zeit- und geldaufwendiges Drama seinen Abschluss, das im Mai 2008 begonnen hatte. Damals lösten sich die ersten Putzstücke von der denkmalgeschützten Fassade. Da es immer weiter bröckelte, wurde ein Gerüst zum Schutz der Passanten aufgestellt.

Putz musste restlos entfernt werden

Langwierige wissenschaftliche Untersuchungen durch den Denkmalpflegehof und das Hallenser Institut für Diagnostik und Konservierung ermittelten folgende Ursache: Bei der Renovierung des Hauses 1991 ist der neue Putz auf den alten von 1930 aufgetragen worden. Er hielt nur mangelhaft. So mussten nunmehr beide Putzschichten restlos entfernt werden, bevor neu verputzt werden konnte. Die als Reparatur geplante Aktion wuchs sich zur Erneuerung der gesamten Fassade aus. Über die genauen Kosten konnte die Firma Ramelow gestern keine Angaben machen. Bei Beginn der Arbeiten hatte Genz von einem Betrag im sechsstelligen Bereich gesprochen.

Nur die Pfeiler der Schaufensterzone im Erdgeschoss mussten nicht angetastet werden. Ihr sandfarbener Gelbton erinnert daran, wie die Fassade vor ihrer Erneuerung ausgesehen hatte.