In Bayern begehen zahlreiche Kirchengemeinden am 6. November den Leonhardstag. Aber auch in Mitteldeutschland wird an den Heiligen gedacht. So feiert alljährlich die Möringer Kirchengemeinde diesen Tag, der sich dem Schutzpatron ihrer Kirche widmet. Eine Andacht mit Laternenumzug und Feuer fand Sonnabend statt.

Möringen. Am 6. November ist Leonhardstag. Die Kirchengemeinde in Möringen feiert diesen Tag, ist die Kirche im Ort doch dem Heiligen geweiht. Im Mittelalter erreichte Möringen durch die Präsenz einer Reliquie des Heiligen, eines Daumenknochens, Berühmtheit. Von nah und fern pilgerten Gläubige in die Feldsteinkirche des altmärkischen Dorfes. Und sogar ein Ablassbrief des Papstes aus dem Jahre 1353 zeugt davon. Auch heute erinnern sich die Möringer an den Schutzpatron ihrer Kirche. Aber wer war dieser Heilige?

Ein Fürbitter der Gefangenen

Leonhard wurde etwa um 500 geboren. In den Aufzeichnungen seiner Zeitgenossen Gregor von Tours und Venantius Fortunatus wird seine Existenz aber nicht erwähnt. Seine Lebensgeschichte ist durch eine im 11. Jahrhundert verfasste Biografie bekannt. Es ist eine Heiligenlegende.

So soll der Erzbischof Remigius von Reims Leonhard getauft haben. Von Mitleid erfüllt, suchte Leonhard regelmäßig Gefangene auf. Er setzte sich für bessere Haftbedingungen ein und soll sogar erfolgreich für die Freilassung von Häftlingen bei König Chlodwig vorgesprochen haben. Später lehnte er die ihm angebotene Bischofswürde ab, um sich als Eremit in die Einsamkeit zurückzuziehen.

Zu Grundbesitz soll er gekommen sein, nachdem er der hochschwangeren Frau des Königs beistand. Das Königspaar war auf der Jagd. Die Königin lag in den Wehen und schrie. Diese Schreie hörte Leonhard und eilte zu Hilfe. Er rettete der Königin und ihrem Kind das Leben. Als Dank bat Leonhard um so viel Waldfläche, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könne. Auf dem geschenkten Land gründete er später ein Kloster.

Amnestie International und Tierschutzverein

Die Legende besagt, es seien durch das Gebet des heiligen Leonhards oder durch an ihn gerichtete Fürbitten die Ketten zahlreicher Gefangener zersprungen. Der Heilige ist aber nicht nur als Schutzpatron der Gefangenen, sondern auch als der Patron der Tiere bekannt.

Was ist von dem geblieben, wofür Leonhard sich zu seiner Zeit einsetzte? Heute gibt es die Organisation Amnestie International. Mehr als 202 Millionen Mitglieder setzen sich weltweit gegen Gewalt, Folter und Zensur ein. Die artgerechte Haltung von Tieren wird heute unter anderem vom Deutschen Tierschutzverein unterstützt. Weitere Organisationen sprechen sich gegen Massentierhaltung aus. In Nutztierarchen finden vom Aussterben bedrohte Haustiere eine Nische. So auch auf dem Pfarrhof in Möringen.

Kurzum: Das, wofür der Heilige sich vor rund 1500 Jahren einsetzte, wird auch heute noch von vielen Mitmenschen unterstützt. Die Themen haben nicht an Aktualität verloren.

Dies machten während der Andacht in Möringen zahlreiche junge Menschen klar. Über das Wirken und Anliegen des Heiligen berichteten die Konfirmanden den Besuchern der Leonhardsandacht. Während des Konfirmandenunterrichts haben sie sich bereits intensiv mit dem Heiligen und seinem Wirken auseinandergesetzt. Die Konfirmanden unterstützten mit ihren Ausführungen Gemeindepädagogin Rabea Reinhold, die durch die Andacht führte. Gemeinsam mit den Gästen wurde gesungen.

Mit Knicklichtern ein Zeichen setzen

Im Anschluss ging es mit Lichtern hinaus in den dunklen Abend. Die Besucher der Andacht setzten so ein Zeichen hinein in die Dunkelheit, welches besagt, dass es sich lohnt gegen Gewalt, Folter und Tierquälerei aufzubegehren.

Die Kinder gingen mit Laternen hinaus. Sozusagen als Ersatzlaternen verteilte Reinhold an die Erwachsenen Knicklichter. Damit zogen die Andachtsbesucher über den Kirchsteig zum Schulhof und die Straßen entlang zurück zum Gemeindehaus. Dort wurde in der Zwischenzeit bereits ein Feuer in der Feuerschale entzündet. Bei heißem Apfelsaft und Marshmallows machten es sich die Gäste gemütlich.

Die nächsten Andachten mit Rabea Reinhold finden an den vier Adventssonntagen statt. Jeweils um 17 Uhr sind Gäste in der Leonhardskirche dazu willkommen.