Der Bahnverkehr, der Wahrburg tangiert, hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Welche Möglichkeiten des Lärmschutzes gibt es?

Stendal l Ein Güterzug zerrumpelt die Kaffeetisch-Idylle auf der Terrasse; Gläser tanzen mitunter im Schrank, wenn das Bahngleis erzittert. "Die Lärmentwicklung der Bahn wurde forciert. Das sorgt für Unmut bei Bürgern", schätzt Peter Jeding vom Wahrburger Ortschaftsrat ein. Deshalb hatte das Gremium die Deutsche Bahn am Donnerstagabend zu einer öffentlichen Sitzung an den Rathaustisch gebeten. Im Fokus: der Lärmschutz.

Bei der Gesprächsrunde mit Roland Lübtow von der Deutschen Bahn Netze wurde schnell klar, dass mögliche Lärmschutzmaßnahmen in Wahrburg mit dem Ausbau der Strecke Uelzen-Stendal verquickt sein dürften. Kommt es beim zweigleisigen Ausbau der sogenannten Amerikalinie zu Gleisinfrastrukturänderungen in Stendal, dann hat der Bereich und damit auch Wahrburg Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen.

Zweigleisig nach Uelzen ab 2025

Die beiden Möglichkeiten, die die Bahn ins Auge fasst, würden diesen Anspruch wohl auch erfüllen - erstens: Im Stendaler Bahnhof wird ein zweites Gleis für die Strecke verlegt; zweitens: Die Amerikalinie wird mit einem Gleis südlich von Stendal an die Eisenbahnstrecke nach Oebisfelde angebunden.

Allerdings liegt der durchgängig zweigleisige Ausbau zwischen Uelzen und Stendal noch in einiger Ferne. Derzeit laufen die Planungen für die Abschnitte zwischen Salzwedel und Rademin sowie Hohenwulsch und Brunau/Packebusch; sie könnten nach Angabe von Lübtow 2015 beendet sein und der Ausbau der gesamten Strecke bis 2025 andauern.

Und danach, stimmte Lübtow den Ortsräten und Einwohnern zu, ist mit einer deutlichen Zunahme der Gütertransporte auf diesem Schienenstrang zu rechnen. Der Bahnmitarbeiter sprach von einem drei- bis vierfachen Aufkommen an Güterzügen und verwies auf den "Ostkorridor", der von Hamburg über Stendal Richtung Süden führt und deren Bestandteil die Amerikalinie sein wird.

Prioritätenliste: Stendal auf 173. Platz

Lärmschutz ist spätestens dann dringend geboten. Die beste Lösung wäre aus Sicht Lübtows eine Lärmschutzwand. Sie müsse 2,50 Meter von den Gleisen entfernt sein, um ihre größte Wirkung zu erzielen. Nicht gänzlich auszuschließen ist jedoch, dass der rund neun Kilometer lange Abschnitt zwischen Steinfeld und Stendal - er war nicht Bestandteil des Planstellungsverfahrens für die Amerikalinie - kein zweites Gleis erhält.

Dann könnten die Wahrburger auf ein Lärmsanierungsprogramm der Bahn hoffen, in dem Stendal enthalten ist. Allerdings erst an 173. Stelle der Prioritätenliste. Aber auch hier ist langer Atem gefragt, denn gegenwärtig werden erst Projekte rund um die Hunderter-Grenze beplant. Zudem - daraus machte Lübtow keinen Hehl - "ist Geld nicht unendlich da".

Die Wahrburger gaben dem Mann von der Bahn unter anderem mit auf den Weg, die Bürger bei den Planungen einzubeziehen sowie vor den Arbeiten den Baugrund zu untersuchen und Schwingungen im Boden durch den Zugverkehr zu verhindern.