"Es ist Krieg – Entrüstet Euch!", mit diesem Slogan wird in diesem Jahr zur mittlerweile 31. Friedensdekade in der evangelischen Kirche Mitteldeutschlands aufgerufen. Mehr als 200 Veranstaltungen finden dazu statt. Eine dieser Veranstaltungen fand am Freitagabend in Staats statt. Bente Hansen berichtete dort von ihrer Arbeit als Friedensfachkraft in Indonesien.

Staats. Friedensfachkraft, was ist das überhaupt? Die 29- jährige Politik- und Kulturwissenschaftlerin, die sich zwei Jahre lang in Indonesien für gewaltfreie Konfliktbeilegung, Einhaltung der Menschenrechte und Schutz verfolgter Menschen unabhängig von Herkunft und Religionsangehörigkeit einsetzte, erklärte den Anwesenden ihre Arbeit.

Als Friedensfachkraft arbeitete sie für die Organisation peace brigades international (pbi) (Friedensbrigaden international). Warum eine so friedliche Sache einen militarisierten Namen bekommt, konnte die junge Referentin erklären: pbi stützt sich auf Mahatma Gandhi. Der sagte, wenn so viele Truppen mit Waffengewalt vorgehen, muss es doch auch Truppen (Brigaden) geben, die Frieden ohne Waffen bringen können.

Die pbi-"Brigaden" drängen sich nicht in Krisengebieten auf. Sie werden eingeladen. Erstmals erfolgte eine solche Einladung 1981 nach Guatemala. Derzeit agieren Teams der pbi in Guatemala, Mexiko, Kolumbien, Nepal und Indonesien. Dort setzen sie sich dafür ein, Konflikt zu lösen. Pbi-Mitarbeiter begleiten verfolgte Menschen zu ihrem Schutz bei Behördengängen, Gerichtsverhandlungen und so weiter. "Die Präsenz ist enorm wichtig", weiß Hansen aus Erfahrung. "Wir werden wahrgenommen. Wir vermitteln, dass Aufmerksamkeit da ist, dass die Welt hinguckt", so die gebürtige Norddeutsche. Die Präsenz vor Ort, schreckt ab Menschenrechtsverletzungen vorzunehmen, konnte Hansen feststellen.

"Wir vermitteln, dass Aufmerksamkeit da ist, dass die Welt hinguckt"

Oberste Priorität habe bei allen Einsätzen von pbi Gewaltfreiheit und keine Parteinahme. Nach diesen Leitmotiven arbeitet die Organisation. Weiterhin baut pbi Netzwerke auf und erhält diese. "Netzwerke sind unser bester Schutz", sagt Hansen.

Um in Konfliktgebieten friedensvermittelt agieren zu können, ist es wichtig zu wissen, was genau hinter diesem Konflikt steckt. In Indonesien sind es Konflikte auf verschiedenen Ebenen. So gebe es separatistische Gründe. Gruppen in Aceh, Papua oder Timor wollten sich von Indonesien abspalten. Ein weiterer Aspekt sei ökonomisch und werde etwa durch den Goldabbau durch ausländische Betriebe geschürt. Konflikte gebe es auch zwischen unterschiedlichen religiösen Gruppen. Für Konfliktpotenzial sorge zudem die Straflosigkeit für Polizisten und Militär nach menschenrechtsverletzenden Aktionen. Trotz dieser Konflikte sieht die Friedensfachkraft Indonsien auf einem guten Weg zur Demokratie.

Bente Hansen war überwiegend in der Hauptstadt und 18-Millionen-Metropole Jarkata tätig. Einsätze hatte sie aber auch in Papua. Mit nach Deutschland nahm die junge Frau die Erfahrung, Pazifismus im Alltag zu leben. Während ihrer Arbeit lernte sie viele engagierte Menschen kennen. Hansen lernte aber auch die Menschen , die unter der Militäruniform stecken, kennen. Sie erfuhr in Gesprächen auch, was diese Position auch mit diesen Menschen macht.

In Staats berichtete sie von 18-Jährigen, die mit einem Maschinengewehr versehen in den Dschungel geschickt wurden: "Sie wollen überall sein, nur nicht dort." Bleiben wird ihr in Europa auf jeden Fall der bewusste Konsum und politisches Engagement.

Bente Hansen lebt in Berlin. In den nächsten Monaten wird sie als Referentin über ihre Friedensarbeit berichten. Ihr Vortrag am Freitag hätte mehr Zuhörer verdient.

Im Übrigen war der Einsatz in Indonesien nicht Bente Hansens erste Friedensarbeit. In Bremen aufgewachsen, ging sie nach der Schule nach Russland und beteiligte sich dort an Projekten zur Versöhnung der Menschen nach dem 2. Weltkrieg. Anschließend studierte sie in Leipzig Kultur- und Politikwissenschaften. Direkt nach dem Studium ging sie nach Indonesien.