Generationscafé und Tagesstätte – das sind die Begriffe, die man automatisch mit der Bürgerinitiative Stendal (BIS e.V.) assoziiert. Hinter der 2005 mit einem Mikroprojekt gestarteten Initiative steckt aber noch mehr – vor allem ehrenamtliches Engagement (zu den Auszeichnungen siehe auch die Seite zuvor).

Stendal. Insbesondere die Demenz-Tagesstätte – im März dieses Jahres an neuer Adresse in der Carl-Hagenbeck-Straße eröffnet – bindet diese freiwilligen Kräfte neben dem Fachpersonal. Seit der Gründung vor gut vier Jahren haben 72 Tagesgäste die Betreuung in Anspruch genommen – womit gleichzeitig Angehörige etwas Entlastung erfahren haben.

Großen Zuspruch erfährt das Generationscafé, ein regelmäßiges Treffen für Jung und Alt, das allein in diesem Jahr mehr als 500 Gäste anlockte. "Wir haben nach wie vor Platzprobleme bei weiter steigendem Interesse", sagte Vereinsvorsitzende Marion Mohr auf der jüngsten Vorstandssitzung und fügte an: "Damals konnten die Gründungsmitglieder der BIS ja nicht ahnen, welche dynamische Entwicklung dieser Verein einmal nehmen wird. Oft sahen wir etwas neidvoll auf andere Projekte, die bundesweit sehr erfolgreich bürgerschaftliches Engagement demonstrieren."

Sich verstecken und neidvoll auf andere zu schauen braucht die BIS schon längst nicht mehr, hat sie sich doch nicht nur in der Region einen Namen gemacht, sondern wurde schon mehrfach mit bundesweit ausgeschriebenen Preisen ausgezeichnet.

Ehrgeizigstes und sicher mit am meisten Aufmerksamkeit bedachtes Projekt war der thematische Nachmittag zum Welt-Alzheimertag im September. Ein Dokumentarfilm, ein Theaterstück und die sich anschließende Podiumsdiskussion widmeten sich den vielen Facetten der Krankheit Demenz. Ein bewegender, aufrüttelnder, aber auch erhellender Thementag, hinter dem im Rahmen eines "Stärken vor Ort"-Projekts viele Stunden Vorbereitung, Erarbeitung und ehrenamtliches Engagement steckten – das Lebenselixier der Bürgerinitiative. "Das war absolut toll, es war emotional sehr stark", versucht Mohr Worte für die Eindrücke zu finden, die dieser Tag hinterlassen hat.

Ohne die 333 Frauen und Männer, die aktuell in dem Verein registriert sind, wären all die Projekte und Aufgaben der BIS gar nicht umzusetzen. 70 von ihnen betätigen sich zum Beispiel als hauswirtschaftliche Hilfen und versorgen Senioren in deren Zuhause.

Ein Seniorenverein allerdings wolle die Bürgerinitiative nicht sein, betont Mohr. Das spiegele sich nicht nur in der Altersstruktur der Mitglieder wieder, sondern auch in der neuen Zusammensetzung des Vorstandes, dem nun auch eine Studentin angehört.

Zurücklehnen gibt es für Marion Mohr und ihre Mitstreiter aber trotz der Erfolge nicht. "Wir haben eine Entwicklung angestoßen, die wir fortführen müssen. Da fühlen wir uns in der Pflicht." Viele Projekte habe die BIS noch in der Schublade. So will Mohr nicht nur die Zusammenarbeit mit der Hochschule ausbauen, das Vorhaben der Demenz-WG vorantreiben oder das Kooperationsnetz erweitern, sondern auch die personelle und finanzielle Basis sichern. Denn mit dem Auslaufen der Förderung des Freiwilligendienstes sei die seit Langem geplante Gründung einer Freiwilligenagentur umso drängender. Eine Bürgerstiftung soll schließlich Unternehmen in die Pflicht nehmen und Bürgern eine Möglichkeit der Beteiligung geben.