Auch wenn sich seit dem missglückten Start des neuen ÖPNV-Systems des Landkreises im November einiges verbessert hat: Zufrieden sind die Mitglieder des Kreistages mit dem Erreichten – ob nun im Schülertransport oder im Jedermannverkehr – noch nicht. Es gibt nach wie vor Kritikwürdiges, das während der letzten diesjährigen Sitzung des Kreistags in der vergangenen Woche auch angesprochen wurde.

Stendal. Fast auf den Tag vier Wochen nachdem Landrat Jörg Helllmuth sich am 20. November vor dem Kreistag für die chaotischen Zustände im Schülerverkehr entschuldigt und namens der Kreisverwaltung und des Busunternehmens versprochen hatte, all die zu Recht kritisierten Missstände schnellstmöglich auszuräumen, trat er zu Beginn der Dezembersitzung des Kreistags zum selben Thema erneut ans Mikrophon. Vor allem an den Schwerpunkten – Pünktlichkeit, Anschlusssicherheit und überfüllte Busse – sei gearbeitet und manches verbessert worden. "Aber es gibt noch immer Busse, die unpünktlich fahren", nannte Hellmuth einen Punkt, an dem noch zu arbeiten sei. "Überwiegend erledigt" sei das Problem der überfüllten Busse. Zahlreiche Verstärkerbusse würden eingesetzt. In Sachen Anschlusssicherheit führte der Landrat die Überarbeitung der Fahrpläne ins Feld. Ein Stück Problembewältigung, in das die Elternvertreter und die Schulen im Landkreis in vielen Gesprächsrunden einbezogen wurden, blickte Jörg Hellmuth zurück und mit seinem nächsten Satz in die Zukunft des Schülerverkehrs. Der wird ab dem 10. Januar nach besagten überarbeiteten Fahrplänen durch den Landkreis rollen.

Veränderungen dauern noch immer zu lange

"Im Januar wird es auch Veränderungen geben, die über den Schülerverkehr hinaus gehen", kündigte Hellmuth das Einrichten von so genannten Vormittagseinkaufsfahrten des ÖPNV "in einigen Bereichen" an. Knackpunkte, so der Landrat, die nach dem 10. Januar noch bestehen, sollen bis zu den Winterferien im Februar ausgeräumt sein. Jörg Hellmuths Fazit nach knapp acht Wochen neu organisiertem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis: "Es gibt eine gewisse Entspannung, aber wir müssen den ÖPNV weiter optimieren und verändern, um alles ins Lot zu bekommen."

Die "etwas entkrampftere Situation" schreibt Kreistagsmitglied Edith Braun (SPD) vor allem den dezentralen Gesprächsrunden der vergangenen Wochen zu, während der Vertreter des Landkreises und des Busunternehmens gemeinsam mit Kommunalpolitikern, Eltern und Schulleitern nach tragfähigen Lösungen suchten und solche größtenteils fanden. "Auch wenn das anfangs schmerzhaft war – es war gelebte Demokratie und dafür bin ich allen dankbar, die daran teilhatten."

Zufriedenheit mit dem ÖPNV machte sich allerdings auch während dieser Sitzung des Kreistags nicht breit. Kreistagsmitglied Hartmuth Raden (CDU) monierte die zu lange Zeit, die es brauche, um Verbesserungen zu erreichen. Und das bezog er nicht auf den Schülerverkehr, sondern auf die eingeschränkten Möglichkeiten für Bewohner des ländlichen Raumes, in den Städten einkaufen zu können. "Noch Monate lang daran rumzulaborieren, das geht nicht. Es muss doch möglich sein, dass sich zwei, drei Mitarbeiter der Kreisverwaltung sofort mit diesem Thema befassen."

Ähnlich die Forderung seines Fraktionskollegen Marcus Graubner. Er mahnte an, die Belange der Senioren bei der Fahrplangestaltung besser zu berücksichtigen. "Für sie geht es mit dem ÖPNV um ihre Mobilität."

Zu dem Preis nicht mehr zu bekommen

Dass all das nicht zu dem Preis zu bekommen sein wird, zu dem der Landkreis den ÖPNV ausgeschrieben und im November neu vergeben hatte, scheint sich mittlerweile als Erkenntnis auch in der Kreisverwaltung durchgesetzt zu haben. Landrat Jörg Hellmuth informierte, dass darüber, wer welchen Teil der Mehrkosten tragen wird, derzeit Gespräche mit dem Busunternehmen geführt werden. Im Haushalt des kommenden Jahres hat der Landkreis vorerst 250 000 Euro zusätzlich für den ÖPNV eingeplant. In der zweiten Januarwoche wird sich der Finanzausschuss des Kreistages mit diesem Thema befassen.