Stendal. Den Gründerjahren im 19. Jahrhundert, denen Stendal seine zweite Blüte nach der Hansezeit verdankt, widmet das Altmärkische Museum künftig einen Extra-Raum. Ab Januar soll er für Besucher geöffnet sein. Designer Rüdiger Laleike und Eisenbahnhistoriker Wolfgang List waren maßgeblich an der Gestaltung des 50 Quadratmeter großen Raums am Ende der Zimmerflucht der Dauerausstellung im ehemaligen Katharinenkloster beteiligt. In diesen Tagen kann man sie zusammen mit Frank Hoche, Leiter der Kreismuseen, bei letzten Handgriffen beobachten.

Der neugestaltete Ausstellungsraum präsentiert sich als gelungene Mischung aus gründerzeitlichem Wohnzimmer mit Plüschsofa und Petroleumlampe und Dokumentationsort der Industrie- und Verkehrsgeschichte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dass die Themen Eisenbahn und Pferdebahn das Bild beherrschen, ist dabei weder dem Zufall noch dem Übereifer etwa von Wolfgang List zuzuschreiben. " Moderne Verkehrswege ", erklärt der Stendaler Bahnhistoriker und Läutewerksammler, " waren auch damals der Anreiz für die Ansiedlung von Investoren in Stendal. Diese Rolle kommt heute der geplanten A 14 zu. "

Wer den Raum betritt, ist zunächst gefesselt von dem riesigen sepiafarbenen historischen Foto, das die gesamte gegenüberliegende Wand einnimmt : Monteure in Lebensgröße machen sich vor der Kulisse der Eisenbahnhauptwerkstatt, später Raw, mit verschiedenen Werkzeugen an einer großen Lokomotive zu schaffen. Der Betrachter hat das Gefühl, die metallischen Geräusche zu hören und mitten unter ihnen zu sein. Schräg davor hängt eine farbenprächtige Jubiläumsfahne, die Raw-Nachfolger Alstom als Leihgabe zur Verfügung stellte.

Für die zahlreichen wertvollen Leihgaben von Stendaler Firmen und Bürgern ist Frank Hoche besonders dankbar : historische Geschäftsbücher und Ansichten der Firma Puchert, Postkarten von Sammler Horst Dietrich bis hin zu Eisenbahnaktien, die Tilman Tögel zur Verfügung stellte. Zwei von Rüdiger Laleike aus alten Stadtplänen gestaltete Schautafeln zeigen den Streckenverlauf der Pferdebahn beziehungsweise die Standorte von Firmen, die im 19. Jahrhundert gegründet wurden.

Einige der Firmengründer finden sich in der prächtigen Fotozusammenstellung der 1847 ins Leben gerufenen Allgemeinen Liedertafel, einem Objekt aus dem Museumsbestand, wieder. " Gewidmet von den Damen ", ist unter der großen Tafel mit den Fotos der Herren zu lesen, die einem der ältesten Vereine der Stadt angehörten.