Stendal. Was ist Seelsorge ? Wem obliegt sie ? Darf sie mit missionarischen Zielen verbunden werden ? Diesen Fragen widmete sich die Herbstsynode des Kirchenkreises Stendal auf ihrer Sitzung am Sonnabend. Im hellen, historischen Ambiente des restaurierten Kapitelsaals im Domstift kamen gut 50 Teilnehmer zusammen, um sich neben verwalterischen Inhalten vor allem mit dem Thema Sonderseelsorge auseinanderzusetzen.

Barbara Killat vom Referat Seelsorge des Landeskirchenamts verdeutlichte in einem geschichtlichen Überblick die Entwicklung der Seelsorge von einem machtpolitischen Instrument ( Stichwort : Ablasshandel ) zu einer von der Beichte losgelösten Form des Gesprächs, bei der nach heutigem Verständnis nicht die missionarische Chance im Vordergrund stehen solle und Kenntnisse in Gesprächsführung und Psychologie an Bedeutung gewännen.

Die Seelsorge spezialisiere sich zunehmend auf bestimmte Zielgruppen, sei es die Militär-, die Gefängnis-, Klinikoder gar die Zirkusseelsorge. " Diese Spezialisierung der letzten Jahrzehnte flächendeckend mit Spezialpfarrstellen weiterzuführen, ist kaum noch leistbar ", sagte Killat. " Wir müssen das Bewusstsein stärken, dass Seelsorge auch Aufgabe des Gemeindepfarrers ist. "

Von ihren Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen der Sonderseelsorge berichteten eindringlich und einnehmend Ulrich Paulsen, der in Stendal in Klinik und Hospiz als Seelsorger arbeitet, Elisabeth Strube, die Gehörlose als Zielgruppe hat, und Michael Kleemann aus der Polizei- und Notfallseelsorge.

Ersthelfer lange Zeit

vernachlässigt

Wie wichtig die Seelsorge nicht nur für die Betroffenen selbst – also für die Kranken, die Unfallopfer oder die Inhaftierten – ist, machte Kleemann deutlich : " Bei einem Unfall begegnen wir den Menschen in einer Ausnahmesituation. Es sind Momente, in denen sich entscheidende Weichen stellen lassen für den Trauerprozess. " Die Notfallseelsorge sei dabei wie die Erste Hilfe ein " Notverband für die Seele ". Ersthelfer und Zeugen seien dabei lange Zeit vernachlässigt worden. " Zeuge und Ersthelfer zu sein, ist seelische Schwerstarbeit ", betonte Kleemann.

Angehörige und Klinikpersonal rückte Pfarrer Ulrich Paulsen in den Fokus. " Die einen müssen Abläufe verstehen, die anderen das eigene Bewusstsein schärfen und Schicksale verarbeiten. " Hier sei die Klinikseelsorge mehr denn je gefragt, zumal auch ethische Fragestellungen abseits von Ökonomie und Heilen-Wollen in den Vordergrund rückten.

In Arbeitsgruppen vertieften die Synoden-Teilnehmer die in den Referaten angerissenen Schwerpunkte, bevor sie sich am Nachmittag nach Bekanntgabe der Kollektenzwecke 2011 und der Haushaltsberatung mit einem Reisesegen verabschiedeten.

Die Kirchenkreis-Synode ist das oberste Leitungsgremium des Evangelischen Kirchenkreises Stendal und tagt zweimal jährlich. Zwischen den Zusammenkünften wird der Kirchenkreis – der sich über den Landkreis Stendal, Teile des Altmarkkreises Salzwedel und des Jerichower Landes erstreckt – durch den 13-köpfigen Kreiskirchenrat geleitet. An dessen Spitze steht der Superintendent.