Seit Montag ist der direkte Weg von Tangermünde nach Buch gesperrt. Wie zu Hochwasserzeiten muss ein großer Umweg in Kauf genommen werden. Der Grund: Zwischen Bölsdorf und der Bucher Kreuzung werden bis Ende August Krötentunnel in die Straße eingelassen. 16 Stück auf einer Länge von 600 Metern für 360 000 Euro.

Bölsdorf/Buch. Vielerorts wird die Zeit der Sommerferien genutzt, um Straßenbauarbeiten zu realisieren. Eine davon befindet sich seit Montagmorgen am Ortsausgang von Bölsdorf. Wer von Tangermünde kommend nach Buch oder Weißewarte möchte, muss also Umwege fahren, entgegengesetzt ebenso.

Bis Ende August werden hier Straßenbauarbeiter in Sachen Naturschutz aktiv. Sie setzen ein Projekt in die Tat um, das der Landesbetrieb Bau, Niederlassung Nord, mit Sitz in Stendal erarbeitet hat. Ziel ist es, auf einer 600 Meter langen Strecke, beginnend kurz hinter dem Ortsausgang von Bölsdorf bis zur ersten Kurve, 16 sogenannte Amphibienleit- und Tunnelsysteme, sogenannte Krötentunnel, zu bauen.

"Die Lebensbedingungen der Amphibien haben sich wesentlich verbessert"

Dazu wurde am Montag die Asphaltschicht abgefräst. An 16 Punkten werden in den nächsten Wochen in einer Tiefe von 1,50 Meter Rechteckelemente eingelassen. Zuvor werden die Bereiche ausgekoffert und später auch so verfüllt, dass sie dem Verkehr, der später wieder über sie rollen wird, standhalten und nicht absacken, erklärte Bauleiter Siegbert Röhl in einem Telefonat.

Dass es sich in diesem Bereich um einen sehr wichtigen im Bezug auf Amphibien handelt, das hatten die Naturschützer bereits Mitte der 90er Jahre erkannt. Seit 1996 stellte der Nabu-Kreisverband hier jährlich im Frühjahr einen Zaun auf. Ehrenamtliche Helfer trugen jeden Morgen die in den Stunden zuvor in bereitgestellte Eimer gefallenen Amphibien über die Straße, damit sie ihren Weg zum Laichgewässer fortsetzen konnten.

"Die Lebensbedingungen für die Amphibien haben sich hier in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert", berichtet Peter Neuhäuser, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes. Seit 1999 sind die Elsholzwiesen, östlich der Landstraße, ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Seit dieser Zeit werden vor allem im Frühjahr die Weidebereiche angestaut. Ideale Bedingungen für diese Tierart. Im Jahre 2008 hatte der Nabu allein an dieser Stelle fast 13 000 Tiere gezählt. Der Bestand war Jahr für Jahr gewachsen. "Eine der positiven Folgen solcher Schutzmaßnahmen", so Peter Neuhäuser. Zehn Arten sind mittlerweile in diesem Gebiet heimisch. Dazu gehört unter anderem die streng geschützte Knoblauchskröte, aber auch Erd-, Wechsel- und Kreuzkröte sowie Moor-, Gras- und Teichfrosch, Rotbauchunke, Teich- und Kammmolch.

Zu diesem Ergebnis war auch ein Büro gekommen, das der Landesbetrieb Bau, Niederlassung Nord, 2009, 2010 und 2011 jeweils im Frühjahr mit der Erfassung und dem Über-die-Straße-tragen beauftragt hatte. Die Zahlen und auch Arten stimmten mit den Angaben des Nabu überein.

"Es überrascht uns schon, dass unseren Zahlen kein Glauben geschenkt wird", sagt Peter Neuhäuser. Noch verwerflicher sei es, zwei Jahre lang Steuergelder zu verschwenden, um am Ende das gleiche Ergebnis zu erzielen.

Über den Bau der jetzt geplanten 16 Amphibienleit- und Tunnelsysteme wurde der Nabu erst informiert, als bereits alles beschlossen war. "Wir hätten uns gewünscht, am Projekt beteiligt gewesen zu sein", so der Kreisvorsitzende. Denn einen Kritikpunkt hat er bereits jetzt. Bis 2008 stellte der Nabu den Krötenzaun immer bis weit hinter die erste Kurve auf. Denn auch dort suchen noch jede Menge Amphibien den Weg zum Laichgewässer. Ist die Baumaßnahme abgeschlossen, wird es also für die Naturschützer nach wie vor bedeuten, dass sie an dieser Stelle immer im Frühjahr einen Zaun aufstellen und die gesammelten Tiere über die Straße tragen müssen.

"Die Gesellschaft ist dazu verpflichtet, Populationen zu schützen"

"Die Gesellschaft ist dazu verpflichtet, Populationen zu schützen", erklärt Peter Neuhäuser die Notwendigkeit solcher Baumaßnahmen. "Ohne Amphibienschutz gibt es auch keine A 14", sagt er. Die Vorschriften der Europäischen Union seien inzwischen eindeutig. Auch müsse stets die Gesamtheit betrachtet werden. Wer beispielsweise den Storch wolle, sich an seiner Anwesenheit erfreue und damit werbe, der könne nicht auf der anderen Seite seinen Lebensraum zerstören, sondern müsse dafür Sorge tragen, dass er erhalten bleibt und idealerweise wächst. Und Frösche und Kröten bilden nun einmal zusammen mit anderen Arten die Nahrungsgrundlage des Weißstorches.

Für die gut 600 Meter lange Trasse, die künftig von 16 Durchlässen untergraben sein wird und eine neue Asphaltschicht bekommt, gibt das Land Sachsen-Anhalt 360 000 Euro aus.

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