Ihr Baujahr wird mit 1580 angegeben, doch einige ihrer Pfeifen sind älter. Jetzt hat die Orgel der Marienkirche, ein weitgehend original erhaltenes Werk des Hamburger Orgelbauers Hans Scherer d. Ä., eine Sanierung dringend nötig. Am Weihetag der Kirche am 24. August steht das Instrument im Mittelpunkt des Geschehens.

Stendal. Der Kenner hört es bei bestimmten polyphon gestalteten Kompositionen: Die so prächtig anzuschauende Orgel der Marienkirche muss dringend saniert werden. Der Förderverein Glocken St. Marien und die Evangelische Stadtgemeinde haben bereits mehrfach zu Spenden aufgerufen. Am 24. August, Bartholomäustag und 564. Weihetag der Bürgerkirche, rücken Verein und Gemeinde die Scherer-Orgel in den Mittelpunkt des Geschehens.

Ein Anlass dafür ist auch der 400. Todestag von Hans Scherer dem Älteren in diesem Jahr. Der namhafte Hamburger Orgelbauer soll im Jahre 1580 die verschiedenen Werke von älteren Instrumenten zusammengefügt und ergänzt haben, wie aus der Schrift von Kurt Rönnebeck "Die St. Marienkirche zu Stendal" hervorgeht. Bei Untersuchungen im Jahre 1942, als die Orgel letztmalig umgebaut wurde, habe man herausgefunden, dass einige Pfeiffen tatsächlich aus der Zeit von vor 1580 stammen. Veränderungen und Umbauten musste die Orgel auch 1657 und in den 1820er Jahren über sich ergehen lassen. Den Umbau 1941 bis 1943 bezeugen die beiden seitlichen neubarocken Pedaltürme.

"Trotz aller Eingriffe ist noch ein beachtlicher historischer Bestand von 269 Pfeifen aus der Zeit von Scherer nachgewiesen", sagt Bärbel Hornemann, Vorsitzende des Glockenfördervereins. Im nördlichen Europa gehöre die Orgel von St. Marien zu den bedeutendsten Anlagen aus der Epoche von Reformation und Renaissance. Hornemann: "Sie ist Architektur-, Kunst- und Klangdenkmal gleichermaßen." Das Zusammenspiel aus Prospektgestaltung, Emporenarchitektur, Wandmalerei und der Einbeziehung der astronomischen Uhr unter der Empore sei als Gesamtkonzeption sehr beeindruckend. Das Hauptwerk sei zudem nach den Verlusten im 2. Weltkrieg das größte und älteste seiner Art in Deutschland.

Bürgerkirche birgt wertvollen Schatz

Welch wertvollen Schatz die Stendaler in ihrer Bürgerkirche hüten, soll den Besuchern des Kirchweihtages am 24. August bewusst gemacht werden. Zum sowohl musikalisch als auch wissenschaftlich geprägten Programm des Tages gehört auch ein Vortrag von Kerstin Klein aus Halle. Die junge Restauratorin hatte vor einem Jahr der Stadtgemeinde ihre Diplomarbeit zur Bestandsuntersuchung der Konstruktion und der Farbfassung des Orgelgehäuses übergeben. Jetzt wird sie diese Arbeit erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorstellen.