Menschen Arbeit zu geben, das ist sein Beruf – im weitesten Sinne. Bernd Rümschüssel ist Geschäftsführer der Gesellschaft für Arbeitsförderung und Sanierung mit Sitz in Uenglingen. Er blickt auf das Jahr 2010 zufrieden zurück. "Wir haben im Schnitt 636 Arbeiter betreut", sagt er und weiß, dass er damit den Leuten oft mehr gegeben hat als nur eine Beschäftigung. "Es geht um mehr. Es geht um Selbstachtung."

Uenglingen (ssi). Sechs Jahre ist Bernd Rümschüssel Geschäftsführer der Gesellschaft für Arbeitsföderung und Sanierung, kurz GfAuS. "Die Arbeit ist nicht immer einfach", sagt er. Schließlich betreuen er und seine Kollegen Menschen, die lange Zeit keine Arbeit hatten. Auch wenn dieses oft mühsam sei, so habe er viel Freude an der Arbeit, insbesondere wenn es gelinge, Menschen auf den rechten Weg zu bringen und ihnen eine Teilhabe am normalen Leben zu ermöglichen. Das sei gar nicht so selten, sagt Rümschüssel.

"Wir erfüllen mit unseren Arbeitern zusätzliche Aufgaben im öffentlichen Bereich", fasst der Leiter die Dienste zusammen. Das Portfolio reiche von sozialen Aufgaben wie Hilfsleistungen im Kinder-, Jugend- und Altenbereich bis zu Projekten der Landschaftspflege.

Niemals aber würden Aufgaben übernommen, welche zu Pflichtaufgaben der Kommunen gehören oder solche, die von der Wirtschaft erledigt werden könnten. "Das wird genau geprüft. Schließlich wollen wir niemandem Konkurrenz machen." Bevor Rümschüssel eine Aufgabe übernehmen kann, muss diese zuvor der Kreishandwerkerschaft oder dem Verband der Garten- und Landschaftsbauer vorgelegt werden. "Diese entscheiden dann, ob wir das übernehmen können oder ob sich nicht auch ein Betrieb dafür eignet", berichtet der 61-Jährige, der dieses Verfahren für fair hält. "So haben wir uns nichts vorzuwerfen. Schließlich sind die Fachverbände darauf bedacht, Aufträge für ihre Schützlinge, sprich Handwerker, zu halten. Lehnen diese ab, haben wir freie Bahn." Somit sei eine klare Trennung gewährleistet. Bei den sozialen Diensten werden die Männer und Frauen meist von der Einrichtung angefragt, um eine hauptamtliche Kraft zu unterstützen, beispielsweise beim Vorbereiten von Festen.

Sobald der Auftrag für die GfAuS geignet ist, setzt sich Rümschüssel mit der Arge in Verbindung. "Ich fordere dann Leute an, die ich für das Projekt einsetzen kann." So laufe es immer. Bis auf die sieben Festangestellten in der Verwaltung sind alle Arbeiter in der Gesellschaft projektbezogen beschäftigt. "Manche für drei Monate, andere bis drei Jahre - je nach Projekt."

Dann beginnt die eigentliche Aufgabe der GfAuS. Oft sei die letzte Anstellung der Klienten Jahre her, manchmal Jahrzehnte, andere wiederum hatten noch nie eine Arbeit. "Die Probleme variieren. Ist Alkohol im Spiel, wird unsere Aufgabe oft zur Sisyphus-Arbeit." Wenn jemand lange aus einem normalen, geregelten Arbeitsablauf heraus ist, sei es sehr schwer, Dinge wie Pünktlichkeit und auch Durchhaltevermögen zu vermitteln.

"Den Menschen erkennt man schließlich am besten an seiner Arbeit."

"Aber wir beharren darauf. Schließlich wird über jeden unserer Arbeiter ein Bewertungsbogen geführt, in dem wir sie anhand ihrer Tätigkeit bewerten. Den Menschen erkennt man schließlich am besten an seiner Arbeit", sagt Rümschüssel. Die Arbeiter wissen davon und bekommen ihren Bogen auch zu Gesicht, wenn die Anstellung endet. "So können sie mit uns darüber reden, bevor wir unsere Einschätzung an die Arge weiterleiten." Und da gehöre Pünktlichkeit eben als einer der wichtigsten Faktoren dazu. "Wir beobachten aber immer wieder, dass sich auch jene, denen es anfangs schwer fällt, die wir abmahnen müssen, sich nach und nach daran gewöhnen. Nach spätestens vier Monaten sind auch ganz harte Fälle pünktlich um 7 Uhr da."

Und darum ginge es ja im Eigentlichen, betont der Leiter. "Die Menschen fit zu halten für den ersten Arbeitsmarkt." So könnten auch bestimmte Qualifikationen erlangt werden. "Einen Schein für einen Radlader zum Beispiel." Zum anderen müsse auch der Kontakt zum Arbeitsgerät einfach gehalten werden. "Wenn ein Fernfahrer seit Jahren keinen Lkw mehr gefahren hat, verliert er ja seine Kenntnisse. Wir versuchen dann, dass er so eingesetzt wird, dass er möglichst viel mit seinem vorherigen Beruf zu tun hat." Schließlich entwickele sich die Arbeitstechnik rasant weiter. Langzeitarbeitslose haben da keine Chance, die Veränderungen mitzumachen.

"Aktiv zur Rente – das ist wirklich eine gute Sache"

"Wir haben auch 160 Leute, die durch das Programm Aktiv zur Rente bei uns arbeiten", erzählt er.

Bei diesem Projekt, vom europäischen Sozialfonds finanziert, werden Menschen ab dem Alter von 55 Jahren, die keine Anstellung haben, wieder beschäftigt. "Das ist eine wirklich gute Sache", kommentiert der Geschäftsführer. "Die meisten finden einfach auf Grund ihres Alters keine Arbeit." Dabei ginge es eben nicht um das Geld an sich, denn das ist mit rund 950 Euro nicht viel höher als die Summe der Bezüge, die sich aus Hartz IV ergeben. "Es geht um mehr. Es geht um Selbstachtung", sagt Rümschüssel.

Immer wieder stelle er fest, wie zufrieden sich die Leute geben, wenn sie an etwas arbeiten können, was einen Wert hat. So pflegen die Arbeiter beispielsweise Teile des Elberadweges, bessern den Weg aus, wo kleine Löcher sind oder richten die Schilder wieder her, wenn diese verwittert sind.

"Das hat einen Wert. Und denen, die damit beschäftigt sind, ist das bewusst. Sie verbringen ihren Tag sinnvoll, egal wie klein der Beitrag erscheinen mag. Das ist eine ganz andere Qualität von Lebensgefühl." Nicht selten sehe der Geschäftsführer sogar Tränen in den Augen der Menschen, wenn ein Projekt endet. "Die emotionale Seite ist besonders wichtig."

Dieses stelle er bei jedem seiner Arbeiter fest, egal ob es junge oder ältere Menschen sind oder einer der 17 Behinderten, die auch bei der Uenglinger Gesellschaft arbeiten.

Auch ihm ginge seine Arbeit manches Mal nahe. Wenn jemand vor seinem Schreibtisch steht, der beim Abschied Danke sagt, weil er vielleicht auf Grund dessen, was er bei der GfAuS gelernt hat, einen Job erlangen konnte, ist das für Rümschüssel "der beste Lohn seiner Arbeit". Dann hätten sich alle Anstrengungen bezahlt gemacht.

"2010 war ein gutes Jahr. Für 2011 befürchten wir sehr starke Einschnitte"

Solche Momente hatte er auch in diesem Jahr. "Insgesamt war 2010 ein gutes Jahr. Im Schnitt waren 636 Leute im Monat bei uns beschäftigt, in machen Monaten waren es sogar 800 Leute." Das sei ein bisschen weniger als im Jahr 2009. "Der erste Arbeitsmarkt hat angezogen. Das ist klasse", sagt Rümschüssel. Viele Projekte wurden umgesetzt, unter anderem der Arneburger Burgberg. Hier seien die Wege mit einem neuen Belag versehen worden, die Pflanzen wurden beschnitten und es wurde in stundenlanger Handarbeit das Areal ansehnlich gestaltet und begehbar gemacht. "Das war vorher nämlich nicht so ohne weiteres möglich", sagte er.

Für das kommende Jahr sieht seine Prognose weniger gut aus. "2010 war ein gutes Jahr. Für 2011 befürchten wir sehr starke Einschnitte in der Finanzierung." Die Gemeinden Bismark, Tangerhütte, Tangermünde, Stendal sowie der Landkreis, welche die Gesellschafter sind, könnten dann wesentlich weniger Geld zur Verfügung stellen. "Viele Dienste wären dann nicht mehr möglich. Warten wir es ab", sagt Rümschüssel.

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