Das Theater der Altmark hat eine besondere Spielzeit 2009/2010 hinter sich gebracht – die unter ihrem neuen Intendanten Dirk Löschner. Seine Bilanz fällt trotz sensibler Haushaltslage positiv aus. Den Trend will der 43-Jährige beibehalten.

Stendal. Seine erstes Lehrjahr in Stendal hat Dirk Löschner – der gestandene Theatermann aus Detmold – hinter sich gebracht; und er hat es durchaus ganz ohne Euphorie mit Bravour bewältigt. Das mit der Lehre und den harten ersten Zeiten darf man ruhig wörtlich nehmen.

Denn noch fühlt sich der seit 1. Juli 2009 auf dem Intendantenstuhl des Theaters der Altmark sitzende, gelernte Regisseur in der Beobachterrolle, in der Aufnahmesituation. Er nimmt die Spur der Altmärker mit seinem neugierigen Drang des Hinzugezogenen auf. Da setzte also seit einem Jahr ein Neuer neue Maßstäbe, ohne das Publikum zu überfahren, ohne an ihm vorbeizuspielen.

"Wir haben 21 Neuproduktionen in der abgelaufenen Spielzeit inszeniert, davon drei Uraufführungen", sagt Löschner. Er habe dabei, fügt er gleich an, "dem Ensemble einiges abverlangt". Proben gehörten zum alltäglichen Geschäft wie Aufführungen. Bei 672 Veranstaltungen innerhalb wie außerhalb Stendals klingt das, als hätten die Monate seit dem Intendantenamtsantritt nicht genug Tage, so ambitioniert ging Löschner in sein erstes Stendal-Jahr.

Gedankt hat es ihm das Publikum mit einer leichten Steigerung um knapp 860 Zuschauer auf 27139 gegenüber der Vorspielzeit. Sein Ertrag in diesen zwölf ersten Löschner-Monaten des TdA kann sich besonders beim Schauspiel – also ohne Musical – deutlich abgrenzen: Unter seiner Regie steigerte das Haus allein in Stendal den Ertrag um über 10000 Euro auf 37500 Euro. Wohlgemerkt auf der eigenen Bühne; nimmt man die Aufführungen auf fremdem Terrain uner die Lupe – sei es auf Bühnen oder in Schulen – schmilzt der Vorsprung. Dennoch konnte das TdA-Ensemble des Vorjahreswert leicht übersteigen auf insgesamt 76570 Euro.

Einen Rückgang erlitt man bei den Musicals. "Hier haben wir bedeutend weniger eingenommen", erläutert Löschner. Nach 150000 Euro 2007/2008 folgten hernach zwei magere Jahre mit 76 000 Euro und zuletzt 61000 Euro Einspielergebnis. "Da gab es schon immer in den Jahren große Schwankungen", kommentiert der TdA-Intendant. Kein Beinbruch, eher ein Motivationsgrund.

In der Tat braucht sich Löschners Bilanz kaum zu verstecken gegenüber vergleichbaren Bühnen. Das verdankt er vor allem den bei Zuschauern so erfolgreichen Stücken wie "Faust" und seinen 3753 Besuchern – der Allzeit-Blockbuster schlechthin im TdA. Mit respektablem Abstand folgt dann schon "Mäuseken Wackelohr", das 2400 Zuschauer anlockte. Jenes Kinderstrück setzte sich vor den Rest des Klassements und zeigt eines deutlich – sowohl Märchen wie auch Puppenspiele können gut mithalten, weil sie eine Qualität anbieten, die ihr Publikum halten und neugierig auf weitere Produktionen machen.

Zwar konnte Löschner noch nicht enträtseln, warum hochgelobte wie Dacapo-Reaktionen hervorrufende Premieren hernach im Interesse nachließen; so etwa beim "Käfig voller Narren". Das sei, meint Löschner, "eine Eigenheit in Stendal. Das kenne ich von anderen Spielstätten so nicht." Dennoch, er bleibe, sagt er, in "freudiger Erwartung", genau wie seine Zuschauer.

Noch muss er den Optimismus als Berufsmotto weiter kultivieren. Das sechsstellige Defizit vom Beginn seiner Intendantenzeit wurde nicht weniger; wuchs aber auch nicht. Löschner konsoldierte seine Spielstätte, trimmte sie auf Haushaltsdisziplin ohne gar zu sehr zu knausern. Er weiß, dass er die Rückendeckung aus der Stadt, dem Landkreis und dem Land hat, und die will er auch nicht aufs Spiel setzen.

In Salzwedel, von wo es moralische statt pekuniäre Aufmunterung gibt, sucht er nach kleinen Bühnen. "Die fehlt uns da, damit wir auch jene Stücke dafür dort präsentieren können." Er will den Altmarkkreis, der aus der kreislichen Kofinanzierung abgesehen von Schulzuschüssen für Aufführungen ausgestiegen war, wieder für sein Haus begeistern. "Das geht nur, wenn wir dort auch präsent sind. Nur passiert das nicht von heute auf morgen." Jene knappe Million Euro Zuschuss jährlich von der öffentlichen Hand sind langfristig dafür ein eher defensiver Ansatz.

Dennoch: Löschner klagt nicht, er plant; etwa weitere Projekte fürs Umfeld. So soll neben den zwei bestehenden Theaterbus-Linien aus Richtung Genthin und jener aus Richtung Gardelegen eine dritte von Seehausen über Osterburg, Arneburg und Goldbeck bis Stendal installiert werden. In die Kitas wollen sie auch wieder mit ihren Stücken. Trotz der Hürden, Löschners Resümee der ersten zwölf Intendanten-Monate fällt positiv aus: "Ich bin hier sehr warmherzig aufgenommen worden."

 

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