Zum letzten Mal trat Nico Schulz, 38, am Donnerstag Abend ans Rednerpult des Landtages. Am 17. November wird der Christdemokrat zum Osterburger Bürgermeister ernannt. Einen Tag später legt er endgültig sein Mandat im Landesparlament nieder.

Magdeburg/Osterburg l "Das war\'s dann." Nachdenklich legt Nico Schulz am Donnerstagabend sein Sakko über einen Stuhl in der Cafeteria. Wenige Minuten zuvor hat der CDU-Abgeordnete seine letzte Rede im Landtag gehalten. Landtagspräsidentin Helga Paschke hatte ihm sogar ein Überziehen der Redezeit gestattet, damit er auch ein paar abschließende Worte sagen konnte. "Dies ist ein sehr bewegender Moment für mich", betont der Osterburger. In den fast zehn Jahren habe er viel erlebt und viel gelernt. Am spannendsten sei die Zeit der CDU/FDP-Regierung von 2002 bis 2006 gewesen.

"Diese Lebhaftigkeit ist ein wenig verloren gegangen"

Damals habe es noch regelmäßig Demonstrationen gegeben. "Diese Lebhaftigkeit ist ein wenig verloren gegangen", bedauert Schulz. Ihm sei oft vorgeworfen worden, er hätte mehr seinen Wahlkreis als das Land im Blick gehabt. "Aber was ist das Land ohne seine Regionen", entgegnet er. Das Plenum und die Abgeordneten werde er vermissen. Es habe Spaß gemacht. Besonders gerne erinnere er sich daran, mit Harry Czeke (Die Linke) über Militarismus und den Weltfrieden diskutiert zu haben. "Bis er dann gemerkt hat, das auch die CDU eine friedliche Partei ist", meint Schulz schmunzelnd.

Das Schmunzeln und die Tasse heißen Tasse Kaffee besiegen die Nachdenklichkeit und Nico Schulz erinnert sich an seine politischen Anfänge. "Ich bin 1998 in die CDU eingetreten, um die Partei nach der verlorenen Bundestagswahl aktiv zu unterstützen. Und ich wollte gegen die rot-grüne Bundesregierung protestieren", fügt er hinzu. Joschka Fischer habe er damals als untragbaren Steineschmeißer gesehen. Schon ein Jahr später überredete ihn der damalige Kreisgeschäftsführer Holger Olbert, bei der Osterburger Kommunalwahl anzutreten. Die verlief sehr erfolgreich für Schulz, der das zweitbeste CDU-Ergebnis erzielte und zum Fraktionsvorsitzenden gekürt wurde. Wieder einmal hatte er überredet werden müssen, ist dafür aber recht dankbar. "Das bot mir die Gelegenheit mich freizuschwimmen und zu beweisen", erzählt er.

Sein Name wurde über die Osterburger Stadtgrenzen hinaus bekannt und der mittlerweile 28-Jährige zum Landtagskandidaten nominiert. "Wer rot wählt, den bestraft das Leben", hieß 2002 sein provokanter Spruch im Duell gegen SPD-Verkehrsminister Jürgen Heyer. Der brachte ihm zwar einigen Ärger ein, doch Schulz holte das Direktmandat. Wie auch bei den beiden darauffolgenden Landtagswahlen - immer mit steigendem Stimmanteil.

"Es war klar, dass ich mich schnell entscheiden musste"

Rückblickend freut er sich am meisten über die Momente, in denen er etwas für seine Heimatregion erreichen konnte. Frustriert war er, wenn er erkennen musste, dass das Parlament an seine Grenzen stoßen kann. So wie bei der ersten Kommunalreform, als erst durchgesetzt wurde, dass in dünnbesiedelten Gebieten die neuen Gemeinden nicht 10000 Einwohner haben müssen, bei der Umsetzung des Gesetzes "aber doch alles auf 10000 hochgezerrt wurde." Da habe er dann auch keine Lust mehr auf eine Mitgliedschaft im Innenausschuss gehabt. Zuletzt war er Vorsitzender des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Medien.

Als Osterburgs Bürgermeister Hartmuth Raden Mitte Juli verstarb, dauerte es nicht lange, bis Nico Schulz wieder einmal angesprochen wurde. "Es war klar, dass ich mich schnell und verbindlich entscheiden musste", sagte er. So entschied er sich für seine Heimatstadt, gegen den Landtag. Der Abschied fällt ihm allerdings nicht ganz leicht. "Es haben sich auch viele menschliche Kontakte ergeben", so Schulz, "da ist dann schon viel Wehmut dabei."

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