Stendal l Es war der Nachmittag des zweiten Advent, als bei Jens Schößler das Telefon klingelte. Die Nachricht, die ihm durch den Anrufer überbracht wurde, ließ ihn betroffen und nachdenklich zurück. Eine Schülerin der Klasse FG 09 A war in der Nacht zuvor in einer Stendaler Diskothek ganz plötzlich gestorben. "Man weiß überhaupt gar nicht, was man sagen soll", erinnerte sich der Leiter des Fachgymnasiums und der Fachoberschule der Berufsbildenden Schulen gestern. Er setzte sich mit seiner Stellvertreterin Kathrin Kreibe in Verbindung, die beiden besprachen, wie den Mitschülern der 18-Jährigen die traurige Nachricht überbracht, auf die Tragödie reagiert werden sollte.

An dem folgenden Montag fiel der Unterricht in der Klasse aus. Im Mittelpunkt stand stattdessen jemand, der zwar nicht im Raum, aber doch präsent war. "Die Schüler reagierten ganz unterschiedlich", schilderte Schößler. Da gab es jene, die von der Nachricht überrascht wurden und hemmungslos in Tränen ausbrachen. Andere hatten schon am Sonntag von dem Unglück gehört, konnten mit ihrer Trauer schon gefasster umgehen. Und wiederum andere hätten lieber Unterricht gemacht, weil sie meinten, so am besten mit dem Geschehenen umgehen zu können.

Kathrin Kreibe hatte die Idee gehabt, Ulrich Paulsen in die Klasse zu bitten. Der Pfarrer nahm sich zwei Stunden Zeit, führte mit der Gruppe und einzelnen Schülern seelsorgerische Gespräche. Gerne hätten einige Schüler und Lehrer der 18-Jährigen auch das letzte Geleit gegeben, doch der Wunsch der Familie nach einer Beisetzung im engsten Kreis wurde respektiert. Pfarrer Paulsen überbrachte dem Bestatter aber Blumen, Kuscheltiere und einen Kranz .

Für eine Woche wurde an der Berufsschule ein Trauerraum eingerichtet. Dort hatten die Mitschüler und Freunde der 18-Jährigen die Möglichkeit sich zu treffen, ihre Gedanken und Erinnerungen auszutauschen. Nach zwei Verkehrsunfällen war es bereits der dritte Tod eines Schülers in den vergangenen elf Jahren. Und der zweite Tod an der Schule in diesem Jahr, nachdem eine Lehrerin im Sommer aus dem Leben geschieden war.

Das vorsichtige Vorgehen der Schule sei auch vom Landesverwaltungsamt gelobt worden, so Schößler. Doch nun müsse wieder der Unterricht in den Mittelpunkt rücken. "Das ist auch wichtig, denn auf die Klasse kommen im Frühjahr die Abschlussprüfungen zu", sagte er. Eine große Lebensprüfung haben die Fachgymnasiasten schon unfreiwillig hinter sich gebracht.