Stendal l Betrachtet man die Altmark als Ganzes, wie es die Geschäftsführerin der Stendaler Arbeitsagentur, Marina Kermer, gestern während ihres Bilanz- und Ausblick-Pressegespräches tat, steht die Region in Sachen Arbeitslosigkeit derzeit besser da als vor einem Jahr. Im November des Vorjahres waren altmarkweit 13244 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Zwölf Monate später waren es 400 weniger. Die Richtung stimmt demnach - regional betrachtet. Doch wird beim genaueren Hinschauen das Ungleichgewicht deutlich.

Während die Zahl derer, die von Arbeitslosengeld leben müssen, im westaltmärkischen Landkreis Salzwedel sank, stagniert sie im Landkreis Stendal mit Blick von November 2011 auf November 2010 bei rund 8600. Dass die Westaltmark in Sachen Arbeitsmarkt die besseren Karten hatte, schreibt Marina Kermer vor allem einem Umstand zu: "dem Sog der Wirtschaft". Damit beschreibt sie die Möglichkeiten der Westaltmärker, von nahegelegenen Industriestandorten und deren Arbeitsplatzangeboten in Niedersachsen zu profitieren.

Wer die Aufgaben der Arbeitsagentur auf die Vermittlung Arbeitsloser reduziert, tut ihr allerdings unrecht. Sie setzt weit früher an. In dem Moment, wo Arbeitslosigkeit droht, beginnt die Suche der Agentur nach einem anderen Arbeitsplatz für die Betroffenen. "Job to Job" nennt Kermer diese Strategie, die vermeiden helfen soll, dass Arbeitslosigkeit entsteht.

Gelingt das nicht, dann geht es ihr um die möglichst zeitnahe Vermittlung, denn je länger die Arbeitslosigkeit dauert, um so schwieriger wird es, wieder einen Job zu finden, vor allem für Arbeitslose jenseits der 50. Deren Zahl stieg in den vergangenen 12 Monaten altmarkweit um 4,1 Prozent. Im November waren altmarkweit 4377 Männer und Frauen über 50 Jahre ohne Arbeit.

Allerdings gibt es auch positive Aspekte. So konnte Marina Kermer gestern berichten, dass der Arbeitsagentur von Januar bis November dieses Jahres 5300 offene Stellen in altmärkischen Unternehmen gemeldet wurden. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 300 weniger. 4200 Arbeitslosen konnte die Arbeitsagentur dadurch zu einem Arbeitsplatz verhelfen.

Wenig Optimismus lässt die Prognose für den altmärkischen Arbeitsmarkt 2012 aufkommen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesarbeitsagentur hat drei Szenarien errechnet. Das günstigste geht von einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,6 Prozent aus und stellt der Altmark für diesen Fall ein Sinken der Arbeitslosenzahlen auf 13100 in Aussicht. Sinkt das BIP allerdings um nur 0,2 Prozent, wäre mit 13600 arbeitslosen Altmärkern zu rechnen. Für Dezember dieses Jahres erwartet das Institut 13500 Arbeitslose in der Altmark.