Stendal (sp) l "Am Anfang hatten unsere Nachbarn Angst vor uns. Araber-Touristen, dachten die nur," erinnert sich sie Jemenitin Wedad Saeed Alban lachend an ihre Anfänge vor drei Jahren. Da zog die studierte Hals-Nasen-Ohren-Ärztin mit ihrer Familie nach Stendal. "Die meisten Deutschen denken, Araber sind schlechte Menschen, doch es gibt wie überall solche und solche", sucht die junge Mutter nach Erklärungen. Mit ihren Nachbarn versteht sie sich schon lange sehr gut. "Ach, und überhaupt", schwärmt sie, "meine ganze Straße ist nett."

Nach Potsdam kam sie zur Fachartzausbildung, in den Jemen kehrte sie zurück, um als Ärztin zu arbeiten. Doch ihr Mann bekam in Stendal einen Job und holte die Familie. "Ich habe gleich Arbeit gesucht und bin auf Liane Bischoff vom Migrantennetzwerk gestoßen", berichtet Saeed. Seither geht sie an Schulen und zu Senioren, unterhält sich mit ihnen über ihr Land, ihre Religion und die arabische Schrift.

Saeed hat einige Anekdoten zu erzählen, jede mit einem herzlichen Lachen. Als eine Schülerin die tiefverschleierten, jemenitischen Frauen auf Fotos sah, fragte sie entsetzt: "Was macht das Mädchen, wenn es einen Jungen küssen möchte?" Saeeds Antwort fand sie doof. Im Jemen muss erstmal geheiratet werden, dann darf man sich küssen, vorher nicht.

Wenn Saeed von ihrer Arbeit erzählt, merkt man, dass sie Spaß hat. Der Kontakt zu den Menschen gefällt ihr besonders. Sie wird mit offenen Armen empfangen. Die Menschen wollen ihre Traditionen kennenlernen. Dann erzählt Saeed auch schon mal vom Beten. "Wir beten fünfmal am Tag. Vor jedem Beten waschen wir uns. Die Hände, die Füße, das Gesicht, die Haare und die Ohren", erklärt sie. "Dann bist du viel sauberer als wir", bekam sie zur Antwort, "ich dachte, Araber sind schmutzig." Saeed ist nicht etwa beleidigt oder fühlt sich unverstanden, sie kann sich darüber ausschütten vor Lachen. "Die Arbeit gefällt mir, weil die Kinder und Senioren so interessiert sind." Das Beste sei, dass sie so viele Leute durch die SteMi kennengelernt habe.