Das Gartenhäuschen hoch über der Elbe gehört zum Tangermünder Stadtbild. Es ist ein beliebtes Fotomotiv, auch weil sich die Türme von St. Stephan direkt dahinter gen Himmel strecken. In diesem Jahr erfuhr das Einzeldenkmal eine Rundumsanierung.

Tangermünde l "Dieses Häuschen hat für uns einen hohen symbolischen Wert", sagt Rudolf Opitz. Der Tangermünder Bürgermeister ist Eigentümer des Gartenhauses in der Schlossfreiheit. Ihm gehört das Schmuckstück am Elbhang; es steht auf seinem Grundstück. Doch es ist nicht immer einfach, so viel Wertvolles zu besitzen. Das alte Fachwerkhaus, in dem das Stadtoberhaupt wohnt, verlangt eigentlich Jahr für Jahr an anderer Stelle Aufmerksamkeit. Da ist der Erhalt des Pavillons, immerhin 90 Meter vom Wohnhaus entfernt, stets Nebensache gewesen.

Eiben stehen links und rechts des Gartenhauses

So lange der Bürgermeister sich erinnern kann, steht dieser achteckige Fachwerkbau an dem Platz. Viele Jahrhunderte gehörten Garten und das Freisassenhaus in der Schloßfreiheit 4 zusammen, waren unmittelbarer Besitz der kurfürstlichen Burg.

1573 wurde das Haus in der Schloßfreiheit 4 erstmals urkundlich erwähnt. Damals sanierte der kurfürstliche Hofrat Staude das Haus von Grund auf. In den folgenden Jahrhunderten wechselten die Besitzer. Hofrat Behrend muss es gewesen sein, der im Jahre 1700 den Pavillon errichten ließ. Diese Jahreszahl ist im rechten Türpfosten eingeschnitzt. Ähnlich wie vergleichbare Gebäude in herrschaftlichen Schlossparks war auch der Pavillon mit sieben großflächigen Wandgemälden ausgestattet. Vermutlich um 1720 entstanden, zeigen sie die Arbeit im Garten und auf dem Feld im Laufe eines Jahres.

In seiner mittlerweile 300-jährigen Geschichte ist das kleine Häuschen mehrfach restauriert worden. Schiffbaumeister Claas Vuyk tat dies von 1859 bis 1889. Der Holländer hatte nach Tangermünde geheiratet. Er war es vermutlich, der die kupferne Spitze auf den Pavillon setzen ließ. Sie hatte einst die Arneburger Kirche geschmückt, die Ende des 19. Jahrhunderts saniert wurde. Vuyk muss es auch gewesen sein, der die Eiben links und rechts des Pavillon pflanzte. "Diese Bäume sind für unsere Region äußerst selten", berichtet Rudolf Opitz.

Eine umfangreiche Sanierung hatte Tangermündes Bürgermeister selbst als junger Mann miterlebt. Sein Urgroßvater hatte das Haus in der Schloßfreiheit 4 1917 gekauft, 1920 den Garten erworben. Im Sommer 1972 wurde im Zuge der Restaurierungsarbeiten der Bewuchs vom Pavillon entfernt, das Dach neu gedeckt und die Wandbilder einem Rostocker Restaurator übergeben. Alle Fenster wurden als vierflüglige Holzfenster erneuert, drei zusätzlich eingebaut. Sie und auch die Eingangstür sind noch heute Teil des Einzeldenkmals.

"Eigentlich brauchen wir das Häuschen nicht", verrät Rudolf Opitz in einem Gespräch. Doch Abreißen ist nicht drin - der Pavillon ist ein Einzeldenkmal, der gesamte Garten am Haus von Rudolf Opitz ein Bodendenkmal. Deshalb stand der Bürgermeister vor der schweren Entscheidung, den winzigen Fachwerkbau weiter sich selbst zu überlassen oder die Sanierung in Angriff zu nehmen. Grund für diese Überlegung war die Tatsache, dass sich das Häuschen immer mehr in Richtung Hang neigte. "Wir hatten Bedenken, dass das Erdreich darunter wegrutscht", sagt er. Das Dach war verdächtig schief. Eine Gutachten deckte die Gründe auf. Die Eichenstile konnten die Last nicht mehr tragen. Sie waren auf keinen Schweller aufgesetzt.

Sanierung möglich mit Fördermitteln und Familienhilfe

Mit der denkmalrechtlichen Genehmigung begann im Mai dieses Jahres die Sanierung. Das Fachwerk wurde komplett demontiert. Nur die ehemalige Kaminwand blieb stehen. "Der Blick über die Elbe wurde erstmals seit 311 Jahren nicht mehr vom alten Gartenpavillon zugestellt", erzählt der Bürgermeister. Nach der Herstellung eines ordentlichen Fundaments begann der Wiederaufbau. Alte und neue Balken bilden heute das Fachwerk. Fenster und Türen wurden aufgearbeitet. Vor allem die schmucken Hölzer um den Eingangsbereich sind noch immer da, das Dach komplett neu.

Fast 60 000 Euro kostete der Wiederaufbau. "Ohne Fördermittel und die finanzielle Hilfe auf dem erweiterten Familienkreis wäre uns dieser Aufwand nicht möglich gewesen", verrät Rudolf Opitz. Tangermünder Firmen, die seit Jahren Erfahrungen auf dem Gebiet des Denkmalschutzes haben, "vollbrachten hier eine Meisterleistung", so dass das Schmuckstück für mindestens weitere 100 Jahre gesichert ist.

   

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