Hunderte Tangermünder und Gäste der Stadt besuchten am Nachmittag des Heiligabends das Krippenspiel in der St. Stephanskirche. Damit hatten die 14 Akteure der Jungen Gemeinde ein großes Publikum, das gespannt darauf wartete, die selbst geschriebene Geschichte zu erleben.

Tangermünde l Jeder kennt und hat ihn, doch jeder hat gelernt, anders mit ihm umzugehen. Gemeint ist der innere Schweinehund. Und genau der stand während des Krippenspiels am Heilgabend in St. Stephan im Mittelpunkt. In diesem Spiel trug der Schweinehund ganz unterschiedliche Namen. Dargestellt von Meike Knirsch war er mal einfach nur das Böse, der Teufel, kam als Vertreter, als Stadtmeisterin, als jemand daher, der Vier-Sterne-Herbergen für feiernde Bänker suchte.

"Das Böse hat viele Namen."

Meike Knirsch in der Rolle des Bösen

Natürlich hatte Christian Sadel, Student der Philosophie, auch Maria und Joseph, die Hirten und Könige mit in seine Weihnachtsgeschichte eingebaut. Doch in diesem Jahr war es etwas anders. An der Krippe in Bethlehem kamen nur drei der fünf Hirten an und auch die Heiligen Könige schafften es nicht vollständig, diesen Ort zu erreichen. Nur zwei standen am Ende vor dem Jesuskind. Der Grund für den schmalen Besuch: Das Böse hatte sein Werk getan. Es verfolgte die Diskussion der fünf Hirten kurz vor Bethlehem, hörte, dass ihnen ein Engel erschienen sei und von dem Kind berichtet hätte, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt. "Bekommt ihr nicht Ärger mit der Gewerkschaft?", fragte das Böse. Schließlich würden sie doch ihre Schafherden allein lassen. Doch drei der fünf Hirten ließen sich nicht davon abbringen, der Botschaft des Engels zu folgen. Bei zweien war der Wunsch nach Entspannung und Spaß größer, die Verlockung durch das Böse zu stark. Immerhin unterbreitete es ihnen wunderbare Dinge. "Wer bist du eigentlich?", wollte einer der Hirten wissen, als er Hand in Hand mit dem Bösen den anderen Hirten und dem Stern den Rücken kehrte. "Das Böse ist mein eigentliches Element, es hat viele Namen", lautete dessen Antwort. Dem konnte auch einer der Heiligen Drei Könige nicht wiederstehen. "Vor zwölf Stunden haben wir zum letzten Mal eine Pause gemacht. Wann sind wir denn endlich da?", fragte dieser die anderen beiden. Dann trat das Böse auf. Seine verlockenden Angebote versprachen mehr Freude als der weitere Fußmarsch.

Angekommen bei Josef und Maria stellte die junge Mutter noch einmal für alle klar, wer sich da eben unter die Hirten und Könige gemischt hatte, wer zu Beginn von Gasthaus zu Gasthaus gezogen war und für Verwirrung gesorgt hatte. Diese Dame nennen die einen den Teufel, die anderen das Böse. Es zieht die Menschen in seinen Bann, die "zu wenig Barmherzigkeit" haben, deren Bequemlichkeit größer ist als jeder Wunsch und "die zu wenig glauben".

Die vielen Seiten des Bösen belasten nun aber nicht nur zur Weihnachtszeit unseren inneren Schweinehund. In vielen Situationen schleichen sie sich in unser Leben und können sich je nach innerer Stärke und Willenskraft ausbreiten, das Leben erfüllen und bestimmen.

Auch Pfarrer Jürgen Weinert geht in dieser Christvesper auf das ein, was den Alltag der Menschen heute oft vorrangig bestimmt, dabei das Wertvollste im Leben in den Hintergrund geraten lässt. Pfarrer Weinert hatte das Christkind einen Wunschzettel schreiben lassen. Es wünschte sich von einem Menschen für einige Tage dessen Fernseher, "damit du wieder den Blick hast für die Leute neben dir". Von einem anderen wollte es den Terminkalender haben, "um so manches daraus zu streichen, damit du wieder mehr Zeit hast für deine Familie". Einer alten Frau wollte das Christkind einige der letzten grauen Tage im Leben mit seinem Licht erfüllen und letztendlich noch einem Menschen ganz in Schwarz einen Teil von dem abnehmen, was ihn bedrückt und schwermütig werden lässt.

"Mit viel Herzblut geschrieben."

Pfarrer Weinert zum Krippenspiel

"Mit viel Herzblut haben sie das Krippenspiel geschrieben und geprobt", hatte der Pfarrer das Spiel der Jungen Gemeinde am Heiligabend in der Stephanskirche angekündigt. Auch der Engelschor war wieder Teil der ersten Christvesper, erfreute die Besucher mit bekannten Weihnachtsliedern. "Oh, du fröhlich", sang die große Gemeinde abschließend, bevor sie aus der Kirche strömte.

Über Reaktionen auf das Krippenspiel freut sich die Junge Gemeinde per E-Mail an krippenspiel.tgmd@web.de. Auch die Volksstimme nimmt gern Leserbriefe entgegen.

 

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