Stendal l Während die meisten Menschen am Heiligabend im Kreis der Familie vor dem geschmückten Weihnachtsbaum zusammensitzen, sich auf den Weihnachtsbraten und die Geschenke freuen, müssen viele Menschen die Feiertage in Stadtwerken oder bei der Bahn arbeitend oder als Patienten in Krankenhäusern verbringen. Und nicht nur als Patienten, auch als Schwestern, Ärzte und Pfleger.

Das Weihnachtsliedersingen des hiesigen Domchores, der gerade in der vorigen Woche im vollbesetzen Dom ein mitreißendes "Weihnachtskonzert beim Kerzenschein" gegeben hatte, hat im Stendaler Johanniter-Krankenhaus bereits eine lange Tradition von mehreren Jahrzehnten. Unter Leitung des Domkantors Johannes Schymalla fand es nun schon zum sechsten Mal in Folge statt. Zu diesem ganz besonderen Konzert fand Ulrich Paulsen, der seit 19 Jahren hier als Seelsorger tätig ist, tröstende und aufbauende Worte für die unterschiedlichen Zuhörer und ließ Weihnachten - die Menschwerdung Gottes - so für die meisten ganz konkret erfahrbar werden. Er betonte besonders, dass "Musik auch eine heilende Wirkung haben könne" und so endeten dann die kleinen Konzerte auf den Stationen jeweils mit "O du fröhliche ...".

Eine Ehresache für die Sänger der Chöre

Für die Sänger der Chöre am Stendaler Dom ist es eine Ehrensache, auch am Heiligabend den Weg in das Krankenhaus zu wählen, um Patienten und das diensttuende Personal mit weihnachtlichem Gesang zu erfreuen und denjenigen Trost zu spenden, die aus unterschiedlichen Gründen an der Mitternachtsmesse im Dom nicht teilnehmen können.

Von Station zu Station führte der Weg der Sänger, die Türen zu den Krankenzimmern wurden geöffnet, damit auch die den Gesang genießen konnten, die ihre Betten nicht verlassen konnten. Weit geöffnete Türen auf den drei Stationen des Bettenhauses, der Rheumastation, Orthopädie, Chirurgie, Geriatrie oder Unfallchirurgie, als unter anderem "Tochter Zion" und "Kommet ihr Hirten", aber auch "Heilige Nacht" erklangen. Unter den 30 Sängern waren auch einige Kinder des Kinder-und Jugendchores und ihr glockenhelles "Maria durch den Dornwald ging" oder "Es kommt ein Schiff geladen" lockte die Kranken, die nicht das Bett hüten mussten, auf den Flur. Sogar auf der Intensivstation erklangen die bekannten deutschen Weihnachtslieder und für kurze Zeit war Gelegenheit etwas durchzuatmen, nur ganz kurz, denn das Personal hat gerade zu Weihnachten viel zu tun.

Manche Träne floss während des Konzertes

So manche kleine Träne wurde beiseite gewischt, und den meisten wurde warm ums Herz, aber auch mutig in die Zukunft geschaut; ganz so, wie Patient Gerhard Kronoquatzki es ausdrückte: "Im nächsten Jahr ist wieder Weihnachten, und der Gesang ist sehr schön, wenn ich nicht in den Dom gehen kann, erlebe ich den Domchor hier."

Viel Beifall und sogar einmal Zugabe-Rufe zeugten davon, dass die weihnachtliche Initiative der Sängerinnen und Sänger aus dem Stendaler Dom auch in diesem Jahr ein dankbares Publikum gefunden hat.