Die Politik in der Altmark steht im neuen Jahr vor wichtigen Personalentscheidungen: Wer tritt zur Stendaler Landratswahl - voraussichtlich im Dezember 2012 - an und wen nominieren die Parteien für die Bundestagswahl 2013?

Altmark l An ihm wird bei diesen beiden Fragen viel hängen. Doch Jörg Hellmuth schweigt derzeit. Strebt Stendals Landrat eine dritte Amtszeit an? Oder macht er Andeutungen wahr, er könne sich sehr wohl noch einen Lebensabschnitt abseits der Politik in der Landwirtschaft vorstellen? Eine dritte Variante wird derzeit heiß gehandelt: Der 54-jährige Wuster könnte für die altmärkischen Christdemokraten in den Bundestagswahlkampf ziehen.

So sehr die Strategen aller Parteien so schnell wie möglich Klarheit haben wollen, so werden sie sich wohl bis ins Frühjahr hinein gedulden müssen. Dabei schielen insbesondere Sozialdemokraten und Linke auf Hellmuths Entscheidung. Tritt der bekannte und durchaus auch populäre Amtsinhaber wieder an, gelten sie nahezu als chancenlos. Müssen die Christdemokraten einen neuen Kandidaten aufbieten, kann ganz anders gemischt werden.

CDU-Kreischef rechnet Ende Februar mit Entscheidung

Stendals CDU-Kreisvorsitzender Wolfgang Kühnel ist selbst gespannt. "Ich warte auch auf die Entscheidung von Jörg Hellmuth", gibt der alte Fahrensmann und dienstälteste CDU-Kreisvorsitzende im Land zu. Ende Februar rechnet Kühnel, hier klarer zu sehen. Dabei dürfte er etwas entspannter sein als seine politischen Kontrahenten - zumindest sofern Hellmuth weiter mitmischen möchte.

Sollte Stendals Landrat in den Bundestag wollen, könnten die Christdemokraten mit Carsten Wulfänger als Zweitem Beigeordneten mit einem Verwaltungsexperten aufwarten, auf den die Landratskandidatenfrage dann fast automatisch zuliefe. Der ehemalige Leiter des Verwaltungsamtes Elbe-Havel-Land arbeitet seit 2008 im Landratsamt. Er habe sich gut eingefuchst, heißt es anerkennend von verschiedensten Seiten. Sein politisches Gesellenstück lieferte Wulfänger in den vergangenen Wochen ab. Ohne größere Diskussionen verabschiedete der Kreistag trotz klammer Finanzlage den von Wulfänger vorbereiteten Haushalt. Ziemlich schnell - und damit praktisch als Weihnachtsgeschenk - kam Mitte Dezember die Genehmigung der Kommunalaufsicht.

Die SPD ist an der Stendaler Kreisspitze auch vertreten. Doch die Erste Beigeordnete Annemarie Theil kommt schon aus Altersgründen nicht für eine Kandidatur infrage. Vor sechs Jahren konnte für die SPD der junge Stendaler Lars Schirmer mit 19,1 Prozent einen Achtungserfolg gegen Amtsinhaber Hellmuth erzielen. Schirmers Ambitionen und politische Absprachen, dass er Theil in der Dezernentenriege ablösen sollte, scheiterten indes nicht zuletzt am Veto des Landrates. Bei der SPD nimmt das mancher der Union noch übel und argwöhnt, die Christdemokraten hätten den sozialdemokratischen Hoffnungsträger nicht zu stark werden lassen wollen.

Schirmer ist inzwischen erfolgreich im Bankengeschäft, politische Verwaltungserfahrung fehlt ihm jedoch. Solche Macher hat die SPD eher selten, doch oft werden sie in der Partei auch nicht sonderlich geliebt. Bei den jüngsten Wahlen zum SPD-Kreisvorstand im Oktober konnte der Stendaler seinen Posten als Vize-Vorsitzender jedenfalls nicht erfolgreich verteidigen.

Ende Januar treffen sich die SPD-Spitzen im Landkreis zur Klausur. Dass es danach bereits einen Namen für den Landratskandidaten geben wird, lässt der neue Kreisvorsitzende Marko Mühlstein noch offen.

Bei den Linken gilt Mario Blasche als Mann mit Zukunft

Auch die Linken im Landkreis setzen auf Zeit: Ende April zum nächsten Parteitag will Kreisvorsitzender Mario Blasche klarer sehen. Urgestein Günter Rettig, der 2006 bei der Landratswahl 16,1 Prozent einfuhr, wird es wohl nicht mehr sein. "Ich bin selbst gespannt, wer sich dafür interessiert", sagt Blasche und schmunzelt ein wenig. Der 44-Jährige selbst hätte natürlich das Zugriffsrecht.

Blasche ist einer der jüngeren Männer mit Zukunft bei den Linken und eher dem pragmatischen Teil der Partei zuzurechnen. Mit der Übernahme des Vorsitzes der Linken-Fraktion im Stendaler Stadtrat im neuen Jahr rückt er stärker ins Tagesgeschäft vor. Eine Landratskandidatur könnte daher für ihn auch als eine Aufbaukandidatur für spätere Landtags- oder Oberbürgermeisterwahlen gelten.

Jörg Hellmuth hat sich Ende Oktober wieder als Vorsitzender des Regionalvereins Altmark wählen lassen. Die Amtszeit beträgt vier Jahre. Politikmüde scheint er nicht zu sein, denn auf die Volksstimme-Frage, ob er diese vier Jahre auch zur Verfügung steht, antwortete er: "Selbstverständlich - wenn man mich lässt." Dieser ehrenamtliche Posten ist nicht an sein Amt, sondern an seine Person gebunden - er könnte ihn also auch als Bundestagsabgeordneter und selbst als Landwirt ausüben. Die Nachfrage, ob das eine Vorentscheidung für seine weiteren politischen Ambitionen sei, blockte er so knapp wie entschieden ab: "Das werde ich zu gegebener Zeit erst meiner Partei und danach der Öffentlichkeit mitteilen."