Die Stadtbibliothek hat seit gestern geöffnet. Der Ansturm ist groß, doch statt Hektik und Stress laden Ruhe und stimmungsvolle Atmosphäre zum Lesen ein.

Stendal l Gerade erst zum Weihnachtsfest verschenkt, kann man sie auch in der Stadtbibliothek ergattern: die Biografie von Steve Jobs. Es gibt aber auch Sarah Kuttners "Wachstumsschmerz" oder Amelie Frieds "Eine windige Affäre". "Wir sind tagesaktuell", sagt Bibliotheksmitarbeiter Ronny Heckel, und Cordula Stallmann zeigt stolz auf ein Regal im Eingangsbereich der belletristischen Abteilung: "Hier ist unser Lesetipp-Regal. Wir aktualisieren die Bücher wöchentlich nach der Spiegel-Bestsellerliste."

Pünktlich um zehn öffnete die neue Stadtbibliothek gestern ihre Türen. 15 Leseratten hatten da schon an der Tür gewartet, der erste Besucher um halb zehn den Bibliotheksmitarbeitern durch die Scheibe zugewunken. "Alle fünf Mitarbeiter sind heute im Einsatz, sonst sind wir zu dritt. Nur unsere Chefin Brigitte Schnellhardt ist krank geworden", verrät Stallmann geknickt. Denn die Leiterin hatte sich so auf den Eröffnungstag gefreut.

Die Arbeit läuft, an der Ausleihe herrscht reges Treiben - ohne Stress und Hektik. Die Leser bringen ihre Bücher zurück. "800 Medien hatten wir während des Umbaus verliehen", weiß Heckel. Diese Exemplare können nun in ihr neues Zuhause einziehen. Auf einer Fläche von 530 Quadratmetern stehen dem Leser nun 65 000 Medien zur Verfügung. Neu im Angebot sind Blue-Rays, Nintendo- sowie Wii-Spiele und englischsprachige Hörbücher; das Büchersortiment ist aufgestockt und aktualisiert worden. Auch ein Lümmelsofa samt Ecke für Jugendliche gibt es. "Ich finde unsere Jugendecke so schön", erzählt Stallmann und hofft, dass sie an der Schnittstelle zwischen Winckelmann-, Hildebrand- und Privatgymnasium mehr junge Leser ins Haus locken können. "In Zeiten vom allgegenwärtigen Medium Internet bemühen wir uns, ständig auf dem neusten Stand zu bleiben." Neben Blue-Rays und aktuellen Bestsellern blitzen Hochglanzmagazine wie Cicero sowie Focus aber auch brandneue DVDs und CDs von den Beatsteaks, der Mädchenband Boy oder Metallica.

Im Erdgeschoss des Refektoriums befindet sich die Kinderbibliothek. Hier riecht man noch die frische Farbe, als hätten Maler die letzten Tupfer am hellblauen Sternenhimmel erst am Morgen aufgetragen. Die Kinder können kommen - farbige Sitzsäcke und ein amphitheaterähnliches Leserondell stehen bereit.

Verschnaufpause an der Ausleihe. Nach fast zwei Stunden. Ein Blick auf die Uhr. "So spät", wundert sich Heckel, die Zeit ist wie im Flug vergangen. Am Freitag hat er im Veranstaltungssaal einen Auftritt. Mit der Band Nowbody Knows. Noch gibt es für den Abend ein paar Karten.