Die erste große Photovoltaikanlage im Stendaler Stadtgebiet wird von einer chinesischen Firma gebaut und betrieben. Auf dem alten Heizhausgelände an der Tangermünder Chaussee wird derzeit Platz dafür geschaffen.

Stendal l Die Akteure wechseln, doch Stendals erste große Photovoltaik-Freiflächenanlage an der Tangermünder Chaussee wird wie geplant gebaut. Das versichert Uli Biermann, Geschäftsführer der energy4ever GmbH aus Paderborn, der Volksstimme. Biermann entwickelt und betreibt das Projekt seit mindestens zwei Jahren. Jetzt hat er es an Jianmin Feng übertragen, der die in Eschborn bei Frankfurt ansässige Firma China Solar GmbH führt.

Das geht aus einer Vorlage des Planungsamts hervor, über die am kommenden Montag der Hauptausschuss beraten wird. Dieser - und abschließend der Stadtrat - muss der Übertragung zustimmen. Dass die Stadträte etwas dagegen haben werden, ist nicht zu erwarten. Bestand doch bisher zwischen allen Fraktionen Konsens, dass der äußerst unschöne Anblick am südöstlichen Stadteingang dringend aus der Welt geschafft werden muss.

Und das passiert bereits in großem Stil. Auf dem Gelände der schon 1987 stillgelegten Heizhaus- und Recyclinganlage sind inzwischen sämtliche Gebäude eingerissen. Davon zeugen riesige Schutthaufen, die nach und nach abtansportiert werden. Wer die zahlreichen Bauten kannte, die teilweise Kathedralausmaße hatten, wird bestätigen, dass die Abbruchfirma ganze Arbeit geleistet hat. Energy4ever-Geschäftsführer Uli Biermann spricht von Abrisskosten in Höhe von mindestens 100000 Euro.

Er geht davon aus, dass die Sonnenkollektoren sofort nach der Räumung des Grundstücks aufgestellt werden und noch vor dem 30. Juni dieses Jahres Strom von der Tangermünder Chaussee ins Netz fließt. Denn zum 1. Juli steht die nächste Senkung der Einspeisevergütung an - der will er zuvorkommen.

Doch das ist dann nicht mehr Biermanns Part. "China Solar wird die Anlage bauen und dann auch betreiben", sagt er. Der Trägerwechsel sei nicht ungewöhnlich, sondern eher üblich in der Branche.

Der Solarpark an der Tangermünder Chausee soll künftig 1,8 Megawatt Strom produzieren. Das ganze Projekt soll 3,6 Millionen Euro kosten. Schon im August 2010 hatte der Hauptausschuss grünes Licht für die Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines speziellen Bebauungsplans für dieses Vorhaben gegeben. Die Kosten beider Verfahren sind vom Investor zu tragen. Biermann hegte ursprünglich die Hoffnung, bereits 2010, spätestens aber 2011 in Stendal Sonne zu Strom machen zu können. Jetzt scheint der Abriss auf den tatsächlich bevorstehenden Baustart hinzudeuten.

Ab Sommer dieses Jahres möchte auch die Spot Energy GmbH aus dem vorpommerschen Demmin der Stendaler Sonne Strom entlocken. Der zweite, mit 4,5 Megawatt Leistung um einiges größere Solarpark in der Hansestadt soll auf einer großen Brache am Alten Ziegeleiweg entstehen - genau dort, wo in den 1950er Jahren zu Lok Stendals Oberligazeiten ein Fußballstadion geplant war. Für zehn Millionen Euro will die Spot Energy das verwilderte, aus Wällen geformte Oval am südlichen Rand des Alstom-Firmengeländes mit Sonnenkollektoren bestücken.

   

Bilder