Musik verbindet Menschen unterschiedlichster Nationen. Nach dieser Devise lebt der Stendaler Sebastian Socha und sucht immer wieder neue Herausforderungen. Seit Montag ist er in Palästina und unterstützt das Projekt "Brass for Peace".

Stendal/Beit Jala l Nach dem Weltkirchentag in Madrid und einer Musikreise nach Shanghai hat es den Stendaler Musiklehrer Sebastian Socha (29) vor wenigen Tagen nach Palästina verschlagen. Dort gestaltet er mit Kindern des evangelischen Bildungszentrums einen Bläserworkshop.

Dieser findet seit vier Jahren zu Beginn eines jeden Schuljahres statt. Angefangen hatte alles vor fünf Jahren. Nach einem Konzert von deutschen Bläsern im Oktober 2007, das von den Schülern begeistert aufgenommen worden war, erzählte der damalige Schulleiter, Georg Dürr von seinem Wunsch, dass jedes Kind einmal die Möglichkeit haben solle, ein Musikinstrument zu erlernen.

Prof. Monika Hofmann von der Kirchenmusikhochschule Herford gehörte seinerzeit zu den Konzertteilnehmern und griff Dürrs Idee auf. Alte Kontakte wurden aktiviert, neue entstanden in der Region Bethlehem. Nun unterrichten seit Januar 2008 deutsche Freiwillige an der Schule innerhalb des Projektes "Brass for Peace - Bläser für Frieden".

Die erste Idee von "Brass for Peace" ist während eines Deutschlandbesuchs des Bethlehemer Pfarrers Mitri Raheb 2005 entstanden. Er wünschte sich Bläser und Bläserinnen, die an der Mauer, die rund um Bethlehem errichtet wird, spielen. Da es in Bethlehem noch keinen Posaunenchor gab, wurde dieser mit deutscher Unterstützung aufgebaut.

"Wir wissen, wie bescheiden unsere Möglichkeiten angesichts der großen Fragen und Nöte, die die Menschen dort vor Ort umtreiben, sind. Aber weil wir eine ungewohnte Klangfarbe mitbringen, konnten unsere Bläser aus Palästina und aus Deutschland schon an sehr unterschiedlichen Stellen für einige Momente Entspannung, Ablenkung und Freude bringen", schreibt Monika Hofmann.

Diese Momente der Entspannung und Freude erleben nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrer wie Sebastian Socha. "Es ist total aufregend. Ich sauge gerade alle Eindrücke in mich auf und habe eine sehr intensive Arbeitsphase mit den Kindern im Workshop", schrieb der Stendaler nach seinem ersten Projekttag am Montag. Eine Woche bleibt er noch in Palästina, um mit den Schülern sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen. 12 bis 15 Kinder unterrichtet er täglich. Insgesamt gehören drei Workshoplehrer zum Projektteam. Für den Stendaler ist es eine große Ehre, einer von ihnen sein zu können.

Nach Palästina geht die Workshopzeit in Arendsee weiter. Dort unterstützt Sebastian Socha ein Projekt der Stendaler Kunstplatte. Sein Urlaub in den Bergen kommt erst danach. Allerdings wartet dort auch etwas Arbeit auf ihn. In Österreich absolviert er mit anderen Teilnehmern aus Deutschland einen Meisterkurs. Auch bei den Bläsern geht es, um sein Spiel noch abwechslungsreicher zu gestalten, eben nicht ohne Weiterbildung. Aber auch in Österreich lautet die Devise, dass Musik alle Nationen verbinden kann.

Mit diesen Erfahrungen im Gepäck gibt Sebastian Socha ab September wieder seinen Unterricht in der Altmark und in Dessau.